25 Jahre Stadtrechte für Sehnde – und Missklänge zwischen CDU und Stadtführung

25 Jahre Stadtrechte für Sehnde – und Missklänge zwischen CDU und Stadtführung
Stadtfest startet mit Missklang - Foto: JPH

Die Stadt Sehnde feiert am kommenden Sonntag, 23.10.2022, ihre 25-jähriges Stadtrecht mit einer großen Feier auf dem Marktplatz, dazu auch noch die IGS ihr 40-jähriges Bestehen. Doch so harmonisch, wie das zunächst klingt, ist es leider nicht. Es gibt einen handfesten Dissens zwischen der CDU-Stadtratsfraktion und dem Bürgermeister, dem die CDU wenig Feingefühl vorwirft.

Mit einem offenen Brief hat die Ratsfraktion der CDU Sehnde unter der Führung ihres Fraktionsvorsitzenden Sepehr Amiri dem Stadtoberhaupt vorgeworfen, sich bei der Einladung der Gäste auf den Marktplatz zur offiziellen Feier wenig feinfühlig gezeigt zu haben. Offensichtlich hat die Ratsfraktion im Vorfeld am 18.10.2022 wissen wollen, wen die Stadtführung um Bürgermeister Olaf Kruse per Einladung zur Veranstaltung gebeten habe. Dabei sind die Ehrengäste genannt worden, die schriftlich per Brief eingeladen wurden: Ministerpräsident Stephan Weil, Regionspräsident Steffen Krach, der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes Marco Trips sowie die Ehrenbürger der Stadt Sehnde und der damals amtierende Gemeindedirektor.

Sehnder Ehrenamtliche nicht ausreichend gewürdigt?

/ArchivDer CDU-Frakrtionsvorsitzende Sepehr Amiri beklagt die Einladepolitik der Stadt – Foto: JPH

Die CDU-Fraktion beklagt auf Grund der Antwort nun, dass “ Weitere Stützen unserer Sehnder Gesellschaft, unter anderem Ortsbürgermeister, Vereinsrepräsentanten, zugewählte Ausschussmitglieder etc.“ keine Einladung erhielten. Zudem, so Amiri, habe der Bürgermeister den Stadtrat auch nicht zum Sehnder Stadtfeuerwehrtag am 15.05.2022 eingeladen.

Außerdem sei doch, so der Brief „[…] der Homepage der Stadt Sehnde ist zu entnehmen: ‚Die Vielfältigkeit und Qualität der ehrenamtlichen Arbeit in Sehnde sucht seinesgleichen und ist eine der großen Stützen des gesellschaftlichen Lebens‘.“ Mit Bezug auf diese Angabe heißt es bezüglich der Ehrenamtlichen deshalb weiter: „Das ist weder Wertschätzung noch Würdigung der vielen ehrenamtlichen Bürgerinnen und Bürger“, denn auch sie seien nicht eingeladen. „Unsere Stadt Sehnde kann auf eine 25-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Dies ist uns jedoch nur gelungen, weil die vielen ehrenamtlichen Frauen und Männer Sehnde zu dem gemacht haben, was es heute ist.“

Und Amiri wirft dem Bürgermeister persönlich vor: „Ihr barockes Selbstverständnis entspricht nicht unserer Auffassung einer lebendigen Demokratie und Gesellschaft in unserer Heimatstadt Sehnde.“

Bürgermeister antwortet öffentlich

Nachdem der Bürgermeister Olaf Kruse nach eigenen Angaben überlegt hat, ob er öffentlich oder mit der Fraktion direkt spricht, hat er doch zu bestimmten Vorwürfen öffentlich geantwortet. Dabei geht er vor allem auf den Vorwurf der Missachtung der Ehrenamtlichen ein, den er weit von sich weist: „Ich danke Herrn Amiri für den Hinweis auf das besondere Ehrenamt in Sehnde und stehe natürlich auch hinter den Ausführungen auf unserer Homepage. Das Ehrenamt ist DIE Stütze unseres Zusammenlebens und verdient selbstverständlich auch deutliche Wertschätzung. Bei vielen Gelegenheiten weise ich regelmäßig darauf hin, dass es für mich ‚der Kitt ist, der unsere Gesellschaft zusammenhält’“.

Ehrenamtliche sind auch „die Bürger“ Sehndes

Bürgermeister Olaf Kruse – hier bei der Vorstellung des Klimazentrums- antwortet öffentlich – Foto: JPH

Doch das Ehrenamt könne man nicht getrennt betrachten von der Gesamtgesellschaft, denn es entstehe aus ihrer Mitte und finde sich in vielen Facetten der Gemeinschaft wieder. Es finde überall in der Breite statt und könne nicht auf einzelne Personen in Auswahl beschränkt werden. Daher sehe er mit der Einladung an alle Bürger und Bürgerinnen Sehndes auch die darin enthaltenen zahllosen Ehrenamtlichen in ihrer gesamten Ehrenamtsbreite als erfasst, gehörten doch auch sie zur Gemeinschaft der Sehnder Bürger. „Das Ehrenamt […] findet in den sozialen und sportlichen Einrichtungen genauso statt wie in den Gremien“, schreibt er dazu und verweist auf eine weitere Sehnder Tradition: „Es ist in Sehnde seit jeher gelebte Gewohnheit – vom Neujahrsempfang bis zum Bergfest – keine bestimmten Gruppen hervorzuheben und stattdessen alle einzuladen. Auch zu diesem Stadtfest, das wir nach dem großen Bergfest in diesem Jahr ganz bewusst schlank gehalten haben, sind ALLE Sehnder*innen sowie Gäste herzlich willkommen“ und er erinnert daran: „Und nicht zuletzt sind es die ehrenamtlich in der IGS Wirkenden, die das Fest ‚very british‘ für alle Sehnder*innen auf die Beine gestellt haben.“

Kurzer Festakt, dann langes Bürgerfest

Außerdem komme nach diesem offiziellen Festakt zur Verleihung der Stadtrechte auch wieder das Ehrenamt in den Mittelpunkt: „Neben einem kleinen offiziellen Akt zum Stadtjubiläum wird auch hier wieder das Ehrenamt in den Fokus gestellt. Die Sehnder Feuerwehren engagieren sich, präsentieren sich und werben für ihr Ehrenamt. Die Kapellen der Stadtfeuerwehr Sehnde und das Blasorchester des TVE Sehnde werden Stücke aus ihrem Repertoire spielen.“

Zu den gegen „mich persönlich gerichteten Unterstellungen und Vorwürfen werde ich mich nicht öffentlich äußern – das entspricht nicht meinem Stil“. Vielmehr freut er sich auf viele gut gelaunte Gäste am Sonntag, für die die Akteure des Tages ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt haben.

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