Sehnde blüht auf – kehren nun die Schmetterlinge zurück?

Sehnde blüht auf – kehren nun die Schmetterlinge zurück?
Kehren die Schmetterlinge zurück? - Foto: Cindy GustaFson/Stadt Sehnde
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Die Honigbiene steht meist stellvertretend für Insekten in den Medien. Allein in Niedersachsen leben aber etwa 360 verschiedene Wildbienenarten, die sich in Größe, Aussehen, Lebensweise und Lebensraum enorm unterscheiden. Sie sind aber nur ein kleiner Teil des Artenspektrums. Laut der umfangreichen Krefeld-Studie sind im Untersuchungszeitraum von 27 Jahren 76,7 Prozent weniger Biomasse an Insekten registriert worden. Die Messungen beziehen sich nicht auf die Stadt, sondern auf insgesamt 63 Standorte in Naturschutzgebieten in Deutschland. Viele Naturräume werden außerhalb des Stadtgebiets landwirtschaftlich geprägt. Im städtischen Lebensraum wird Insekten durch gebietsfremde Pflanzen, Schottergärten und der generell hohe Grad an Versiegelung, schwere Voraussetzungen zur Besiedlung geschaffen. Nicht nur zahlreiche Rückzugsorte gehen verloren, auch der Klimawandel mit seinen längeren Trockenperioden macht ihnen zu schaffen. Schmetterlinge, insbesondere Tagfalter, eignen sich als Bioindikatoren für den Zustand der Lebensraumqualität. Die spezialisierten Arten zeigen an, ob die menschengemachten Einflüsse im Einklang mit der Natur sind.

Die Stadt Sehnde ruft daher auf, sich an der Schmetterlings-Aktion 2022 der Deutsche Umwelthilfe und des Verbandes NaturFreunde Deutschland zu beteiligen. Bis zum 9. September 2022 zählen Bürger verschiedenste Arten an Faltern, von Tagpfauenauge bis Kohlweißling. Die Ergebnisse der Aktion werden in einer Deutschlandkarte dargestellt, dort kann sich dann jeder einzelne ein Bild seiner Region machen. Weitere Informationen gibt es im Internet.

In Sehnde blühen vielerorts Blumen, Stauden und Sträucher, Insekten fliegen durch die Luft oder laben sich am Nektar der Pflanzen. Die neuen Ansätze der Stadt scheinen erste Früchte zu tragen. Eine fundamentale Säule der Inspiration für neue Maßnahmen ist der Verein „Kommunen für biologische Vielfalt“, der im Frühling zum zehnjährigen Bestehen einlud. An der Jahresversammlung nahm auch ein Vertreter der Stadt Sehnde teil. Der Verein und seine 335 Mitglieder setzen sich für Artenvielfalt, Ökologie und Nachhaltigkeit im städtischen Raum ein. Das Netzwerk ermöglicht einen Wissenstransfer, Unterstützung durch Förderprogramme und bietet eine kommunenübergreifende Orientierung zur erfolgreichen Gestaltung von Projekten.

Viele Schmetterlinge sind Nahrungsspezialisten – Foto: Red

„Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Region, sind wir auf starke Partner angewiesen, die ähnliche Ziele verfolgen. Seit Januar 2021 ist Sehnde Mitglied im Bündnis. Aus der Mitgliedschaft resultieren heute und zukünftig viele aufeinander aufbauende, konkret umgesetzte Maßnahmen im Sehnder Stadtgebiet. Das Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt ist mit seinem umfassenden Informationsangebot für uns ein wichtiger Impulsgeber für mehr Grün in unserer Stadt. Viele Ansätze waren unseren Mitarbeiter bereits bekannt und werden nun intensiviert. Der Austausch hilft unser unmittelbares Umfeld arten- beziehungsweise blütenreicher zu gestalten und fördert unsere Kreativität. Ein bundesweites Umdenken zum Erhalt und Schutz der Artenvielfalt ist eines der obersten Ziele“, erklärt Jürgen Burdack vom Fachdienst Stadtentwicklung und Straßen, Grünflächen und Klimaschutz.

Das Aufstellen von Insektenhotels, die Vorschläge zur Biotoptypvernetzung im aktuellen Landschaftsplan und der Umstieg von intensiver auf extensive Mahd sind hier erste Beispiele des Wandels. Mitarbeiter werden geschult, bei Bepflanzungen städtischer Grünflächen wird auf regionale und insektenfreundliche Komponenten geachtet. Aktuell wird ein Biodiversitätskonzept für Sehndes Innenstadt erarbeitet. Die Kommune ist gut aufgestellt mit ihren Projekten und versucht, ihren Bürgern vorzuleben, wie auch der eigene Garten als Lebensstätte für verschiedenste Pflanzen und -Tierarten neugestaltet werden könnte.

Die Sehnder Verwaltung zeigt sich offen gegenüber neuen Vorschlägen, aber auch gegenüber Kritik. Lösungen, die in der Vergangenheit praktikabel und allgemeiner Standard galten, werden hinterfragt, Verbesserungsvorschläge von Bürgern geprüft. Seit Juni/Juli 2022 werden zum Beispiel die 67 bisher mit grauem Schotter abgedeckten Baumbeete in den Neubaugebieten in Ilten aufgearbeitet. Der Schotter und das Vlies darunter wurden entfernt und neuer Boden aufgetragen. Sobald die Wetterbedingungen günstig sind, wird auf der vorbereiteten Fläche eine Blühmischung eingesät. Der Mix aus 30 Prozent Blumen und 70 Prozent Gräsern soll Insekten fortan ein breiteres Angebot an Futter, Verstecken für die Eiablage und Rückzugsmöglichkeiten bietet.

Zahlreiche Schmetterlingsarten sollen wiederkommen – Foto: JPH

Kommunen spielen beim Erhalt der Biodiversität eine wichtige Rolle. Die Flächen der Stadt fungieren als Mosaik, welches durch seine Zerschneidungen und verschiedenen Strukturen naturnahe Räume simulieren kann. Gründächer, Straßenbegleitgrün, Parkanlagen, Industriebrachen und Friedhöfe entwickeln sich mit viel Kreativität und Sachverstand zu kleinen Oasen der Biodiversität. Sie erhalten somit Ökosystemleistungen, die nur durch die Artenvielfalt der Insekten für Menschen nutzbar sind. Dem Artensterben entschieden entgegenzutreten, ist eine der großen Aufgaben der Zeit. Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Thema haben, melden Sie sich gerne per E-Mail an gruenflaechen@sehnde.de.

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