Von „individuellen Fehlern“ zum „kollektiven Versagen“ – nichts mehr zu beschönigen

2. Oktober 2018 @

Es ist soweit: Hannover 96 spielt bereits nach sechs Spieltagen wieder gegen den Abstieg. Hatten sich die Fußballbegeisterten noch über die null Punkte von Schalke vor dem vergangenen Spieltag lustig gemacht, steht der Revierverein nun mit drei Punkten besser da als die „Roten“ mit ihren zwei Zählern aus den ersten beiden Spielen.

Mit dem Start nach der Länderspielpause ging es für Hannover 96 erstaunlicherweise bergab – als hätten die Spieler die Pause genutzt, um ihre Fähigkeiten und ihr Teamwork an den Kassenhäuschen der Stadien abzugeben. Sprach der Trainer Andre Breitenreiter nach dem Desaster von Nürnberg noch von „individuellen Fehlern“ und nahm darauf auch Bezug nach der Heimniederlage gegen Hoffenheim, muss man nach dem desaströsen Spiel in Frankfurt inzwischen von einem „kollektiven Versagen“ ausgehen.

Trotz der schwierigen personellen Situation bleibt Andre Breitenreiter „gelassen“ – Foto: JPH

In Nürnberg hatte das Dilemma vielleicht noch einen Namen – Waldemar Anton, eigentlich Garant für gute Abwehrleistung. Nach dem Spiel gegen Frankfurt sollte man der Kürze geschuldet nur die Zuverlässigen nennen:  Muslija. Der allerdings war ein Debütant und zählt eigentlich nicht. Der Rest war, wenn überhaupt, zweite Bundesligawahl – etwa so unsicher wie zu Zeiten des Abstiegs vor drei Jahren. „Ein Sieg wäre schön, aber ist kein Muss“, so etwa formulierte Breitenreiter das Ziel vor dem Spieltag. Der Präsident dagegen ging einmal von elf Punkten aus den ersten fünf Spielen aus – es könnte möglicherweise nicht mal umgedreht kommen, fünf Punkte aus elf Spielen. Denn Hannover zeigt eine absteigende Tendenz und keinen Ansatz, auf dem man aufbauen könnte, wie der Trainer immer betont. Verlieren kann man – aber auf das wie kommt es an. Und da denkt man vor allem an das begeisternde Heimspiel „einst“ gegen Leverkusen.

Aber angefangen von Esser, der die Frage nach Tschauner wieder aufwirft, bis hin zu Füllkrug, der noch immer an Ladehemmung laboriert, ist die gesamte Mannschaft ohne Spannung und Ideen auf dem Feld unterwegs: Der Rückpass ist wohl der häufigste Spielzug, gefolgt vom Fehlpass. Der Grund dafür ist von der Tribüne aus nicht zu erkennen, die Auswirkungen dafür umso deutlicher. Hinterherlaufen, zuschauen und fehlpassen sind die aktuellen Verben, die im Zusammenhang mit dem Team derzeit am meisten genutzt werden dürften.

Jetzt wird das kommende Spiel am Sonnabend gegen den VfB Stuttgart, Tabellennachbar aber mit immerhin 5 Punkten, schon zu einem Wesenstest für das Team  – und für eine Stunde der Wahrheit für den weiteren Weg. Vorher wird wieder darauf hingewiesen werden, dass ja noch 28 Spieltage anstehen, man nicht in Aktionismus verfallen dürfe und die Mannschaft sich rehabilitieren möchte. Aber das ist eher wie Pfeifen im Wald, denn wenn das Team keinen Charakter auf dem Rasen zeigt, werden die künftigen Gegner von Nürnberg, Frankfurt und Hoffenheim lernen und entsprechend gegen die „Roten“ agieren. Stuttgart könnte so der große Stolperstein werden, an dem sich zeigen muss, ob man mit gleichwertigen Teams noch mithalten kann – oder sogar in der Lage ist, drei Punkte zu holen. Und selbst die könnten bei einem Schalker Sieg in Düsseldorf für einen Tabellenplatzwechsel gar nicht reichen.

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