Der Offenbarungseid ist geleistet: 96-Abstieg unvermeidbar

5. März 2019 @

Das Schicksalsspiel für Hannover 96 wurde noch in der Pressekonferenz mit großen Worten verkauft und jeder war sich sicher, das Team weiß worum es geht – um ihre Jobs – und wird sich mindestens ein Bein ausreißen. Gespannt war man, auch auf die Aufstellung. So vermittelte es der drei Tage später vollkommen verzweifelte Trainer Tomas Doll.

Thomas Doll (hier nach dem Frankfurt-Spiel) war von der Unfähigkeit seines Teams tief betroffen – Foto: JPH/Archiv

Dann die ersten Ernüchterungen: Wood in der Staraufstellung und Bakalorz auf der Bank. Baka, einer der sich überall rein haut, Wood einer, der seit einem guten Start eigentlich nie die Bindung zur Mannschaft fand. Und so startete die Mannschaft dann auch: Hilflos, wie die Fans am Fernsehschirm oder im Stadion, keine Absprache in der Abwehr – wahrscheinlich war in Stuttgart gerade die Feinstaubbelastung zu hoch – und nach vorn ging gar nichts. Pässe auf zwei Meter landeten beim Gegner, – der seinerseits zeigte, wie man in einem Abstiegsspiel agieren muss -, der Seitenwechsel funktioniert nur über Rückpässe bis zu Esser. Falls mal die 96er den Ball nicht freiwillig wieder hergaben, holten ihn sich die Stuttgarter gleich mit drei Speilern zurück. Und die gegnerische Hälfte war so etwas wie „Neverland“ bei Peter Pan – darf man nicht hin als Erwachsener. Wood hätte sicher eine Pause verdient gehabt – nach etwa 15 Minuten.

Folgerichtig fiel das erste Tor mit Ansage bereits nach 4 Minuten, das zweite in der 16. – absehbar bereits nach etwa zwei Minuten. Kaum ein Zweikampf wurde gewonnen, drei 96er waren später (45.) nicht in der Lage, einen Ball mit dem Kopf zu treffen, was ihnen dann Kabak mit dem 3:0 vorführte. Zu jeder Zeit merkte man, dass die Stuttgarter die Wichtigkeit dieses Spiels verstanden hatten und die Hannoveraner sich auf die Aussagen des Trainers zurückzogen, „ich sah Verbesserungen, die müssen wir ins nächste Spiel mitnehmen“. Doch die Qualität, die am Sonntag gezeigt wurde, reicht nicht mal für die zweite Liga – und vielleicht ist man sogar bei einem Abgang von Präsident Martin Kind wieder da, wo man begonnen hatte in seiner Amtszeit: in der 3. Liga?

Als dann noch Weydandt statt Wood für Jonathas den Platz verließ und das Duo Infernal den Angriff darstellte, war in der Mannschaft und auf der Trainerbank die pure Verzweiflung erkennbar. Zwei verschenkte dicke Chancen vom Brasilianer brauchte es, bevor ihm dann doch das erste Auswärtstor (68.), seit wieviel Monaten auch immer, gelang. Doch weckte das nur die stabilen Stuttgarter wieder auf, die sich auf ihrer Führung bis dahin ausgeruht hatten – und sie antworteten, wie man das nach all den Beteuerungen zuvor eigentlich von der Hannoveranern erwartet hatte: Attacke und zwei weitere Tore.

Manager Horst Heldt war nach dem Desaster schnell weg – Foto: JPH/Archiv

Da hilft auch kein Lamentieren mehr von wegen „wir waren in der zweiten Halbzeit besser“. Nichts wurde vom Doll-Team aus irgendeinem Spiel mitgenommen, das viel vielbeschworene „Kopfproblem“ existiert nicht wirklich, sondern es muss real „Unvermögen“ genannt werden. Und es sind nicht die „individuellen Fehler“, die die Niederlage besiegelten, sondern das kollektive Versagen einer für die Bundesliga zu schwachen Mannschaft. Der Sieg des VfB war nie in Gefahr, auch wenn die Gastgeber zwischenzeitlich etwas Ruhe einkehren ließen. 14 zu 3 Torschüsse für Stuttgart sprechen eine deutliche Sprache – ein Tor nach fast 45 Minuten „Überlegenheit“ gegen zwei der „unüberlegen“ Hausherren sind sicher deutlich.

Jeder, der nach dem Hoffenheim-Spiel vor drei Wochen gedacht hatte, schlechter geht es nicht mehr, wurde nun eines schlechteren belehrt. „Hannover sollte die Fahrtkosten minimieren und die Spiele einfach per Telefon abmachen“, sagte ein zutiefst enttäuschter Fan sarkastisch nach dem Spiel – und cancelte seinen Stammplatz in der Sportsbar für die restliche Saison.

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