Ein Geburtstag mit fadem Beigeschmack

Ein Geburtstag mit fadem Beigeschmack
Die Tafel brauchen Hilfe, meint Redakteur Jörg-Peter Hellerling – Foto: Red

Die Sehnder Tafel feiert 20-jährigen Geburtstag mit viel Besuch. Ihr segensreiches Wirken wird dort von allen Gästen betont, es gab sogar einen Scheck zur Unterstützung. Doch die Feier offenbart auch die andere Seite der Medaille, meint unser Redakteur Jörg-Peter Hellerling:

Die Sehnder Tafel feiert 20 Jahre Lebensmittelausgabe an Bedürftige – mit ständig steigenden Zahlen und bei gleichzeitigem Rückgang der Lebensmittel. Man feiert ein Jubiläum, dass es eigentlich gar nicht geben dürfte. Tafeln müssen das Überleben von vielen Familien für wenig Geld sichern – meistens nur zwischen einem und drei Euro „Anerkennungsbeitrag“.  

Wie alle Gäste an diesem Feier-Nachmittag in Sehnde betonten, ist die Tafel auch ein wesentlicher Bestandteil der Familienstadt. Doch das Jubiläum ist bei allem Engagement der Ehrenamtlichen auch zwiespältig. Denn wenn ein reiches Land wie Deutschland in Zentraleuropa nicht in der Lage ist, allen Bürgern einen gewissen Überlebens-Lebensstandard zu sichern – und das oberhalb des Existenzminimums – , dann läuft etwas falsch in der Sozialpolitik unserer Gesellschaft. Unklar ist beispielsweise, weshalb es die Bundesrepublik als Zwischenschritt nicht schafft, ebenso wie Frankreich, eine Verpflichtung der großen Lebensmittelketten zu beschließen, ihren „Wegwerf-Bestand“ an die Tafeln zu übergeben. Diesbezügliche Fragen an verantwortliche Politiker enden meistens mit dem Satz „das werde ich mal mitnehmen“. Doch wohin und was dann dort damit (nicht) geschieht, bleibt offen – eben nur „mitgenommen“.

Dabei kostet ein Gesetz wie das angesprochene nicht einmal Geld, außer den paar Arbeitsstunden zum Aufschreiben und dann für die Abstimmung im Planum. Also ohne Wumms, Doppel-Bumms oder sonsteinem Knall. Dafür müssten am Ende nicht einmal mehr Abgeordnete im Plenarsaal sein, wie bei so vielen anderen Abstimmungen, bei denen es um viel mehr geht.

Jetzt ist Wahl, da muss man den Kandidaten diese Frage an allen Wahlständen stellen. Die Zeit der schönen Worte muss zuende gehen – es ist wieder Landtagswahl, die mit einer Bundesratsinitiative enden kann.

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