Neue Ausstellung in Burgdorf: „Ein Jahrzehnt im Umbruch – die 1970er Jahre“

Schlaghosen, Discofieber, Ölkrise, Ostpolitik, RAF-Terror und Flower-Power – die 1970er Jahre waren ein Jahrzehnt voller Gegensätze, das Politik, Gesellschaft und Alltagsleben nachhaltig veränderte. Welche Entwicklungen diese Epoche prägten und warum ihre Auswirkungen bis heute spürbar sind, zeigt die neue Ausstellung „Ein Jahrzehnt im Umbruch – die 1970er Jahre“, die vom Sonnabend, 6. Juni, bis Sonntag, 6. September, im Stadtmuseum Burgdorf in der Schmiedestraße 6 zu sehen ist.
Gastgeber sind der VVV Burgdorf, der Förderverein Stadtmuseum Burgdorf und die Stadt Burgdorf. Das Historische Museum Hannover unterstützt die Ausstellung. Für die Konzeption und Zusammenstellung verantwortlich zeichnen ein VVV-Projektteam und Dr. Andreas Fahl.
Die Schau ist bei freiem Eintritt jeweils sonnabends und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Ein begleitender Ausstellungsführer ist gegen eine Schutzgebühr von sechs Euro im Stadtmuseum sowie bei Bleich Drucken und Stempeln in der Braunschweiger Straße 2 erhältlich.
Wandel in Hannover und Niedersachsen
Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der rasanten Entwicklung der Stadt Hannover und des Landes Niedersachsen in den 70er Jahren. Sie war von tiefgreifenden politischen Veränderungen geprägt, die vom Wechsel der Regierung Kubel zu Ernst Albrecht (CDU) bis hin zu den ersten großen Anti-Atomkraft-Protesten in Gorleben und Hannover reichten. Auch im Stadtbild der Landeshauptstadt Hannover hinterließ das Jahrzehnt unübersehbare Spuren. Mit dem Amtsantritt von Herbert Schmalstieg als jüngstem Oberbürgermeister der Bundesrepublik im Jahr 1972 setzte eine Welle der Modernisierung ein.
Kultureller Aufbruch und neue Architektur
Hannover entwickelte sich in dieser Epoche zu einem bundesweiten Vorreiter für innovative Kulturprojekte. Das wegweisende Straßenkunstprogramm, das erste Altstadtfest und der wöchentliche Flohmarkt am Hohen Ufer prägten ein völlig neues Lebensgefühl. Die heute legendären „Nanas“ von Niki de St. Phalle erhielten 1974 ihren Platz am Leineufer und sorgten damals für heftige Diskussionen. Gleichzeitig veränderte sich die städtische Infrastruktur radikal durch den Bau des gigantischen Ihme-Zentrums, die Eröffnung der Fußgängerzone Lister Meile und die Inbetriebnahme der ersten hannoverschen U-Bahn-Strecke. Die einschneidende Gebietsreform von 1974 vergrößerte Hannover durch zahlreiche Eingemeindungen auf über 568.000 Einwohner.
Zwischen Aufbruch und Verunsicherung

Die 1970er Jahre gelten als Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Während die sozialliberale Koalition Reformen und eine neue Entspannungspolitik vorantrieb, erschütterten Terrorismus, politische Konflikte und wirtschaftliche Krisen das Vertrauen vieler Menschen. Auf internationale Annäherung und Abrüstungsbemühungen folgte gegen Ende des Jahrzehnts erneut ein verschärfter Ost-West-Konflikt. Gleichzeitig sorgten die Ölkrisen von 1973 und 1979 für wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Preise und Arbeitslosigkeit.
Dennoch waren die 70er Jahre ebenso von einer starken Aufbruchstimmung geprägt. Frauenbewegung, Umweltinitiativen und neue gesellschaftliche Freiheiten veränderten das Lebensgefühl nachhaltig. Die Menschen lösten sich zunehmend von traditionellen Normen und entdeckten neue Formen des Zusammenlebens, der Kultur und der politischen Mitgestaltung.
Eine nostalgische Zeitreise
Darüber hinaus lädt die Schau zu einer nostalgischen Reise in die Alltags- und Popkultur der 70er Jahre ein. Musik, Mode, Fernsehen, Wohnen, Freizeit und Sport spiegeln das unverwechselbare Lebensgefühl des Jahrzehnts wider – von Disco und Glam Rock über Punk und Liedermacher bis hin zu legendären Fernsehsendungen und großen Fußballereignissen. Im Mittelpunkt stehen zudem die Veränderungen im Bildungsbereich, der die Leitlinien Anti-Autoritäre Erziehung und Förderung selbständigen Lernens verfolgte. Zahlreiche Schautafeln, originale Exponate, Fotografien und Dokumente lassen die Atmosphäre dieser bewegten Zeit wieder aufleben. Ein besonderer Blickfang ist ein Ford Escort aus den frühen 70er Jahren.
Ein eigener Ausstellungsbereich widmet sich der lokalen Entwicklung Burgdorfs, die unter anderem durch die Auflösung des eigenen Landkreises und den Bau der Hochbrücke geprägt war.
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