Steine marodieren durch Sehnde: „Kalistone-Gruppe“ aktiv

29. Oktober 2019 @

Eigentlich sind es ja „nur“ Steine. Doch sieht man näher hin, sind es Steine der besonderen Art. Sie sind aus Granit, Kalk, Marmor oder Basalt – aber eines haben alle gemeinsam: sie sind fröhlich bunt und wollen jedem Finder Spaß machen. „Kalistone“, so heißt die Miniaturmalergruppe in Sehnde, die ihnen die Farbe und die Motive gibt. Sie sucht sich passende Steine, bemalt sie mit eigenen Motiven, versieht sie mit der Anschrift der Kalistone-Facebook-Gruppe und freut sich über jede Rückmeldung eines „Fundes“.

Jacline Duwe (re.) aus Sehnde und Ann-Cécile Blanc aus Ilten präsentieren neue „Kunstwerke“ – Foto: JPH

Gruppe im Juni in Sehnde gegründet

Seit Juni ist die Gruppe der Steinmaler in Sehnde mit ihren Bildern auf einem eigentlich alltäglichen „Medium“ aktiv. „Ich habe diese Art der Kunst das erste Mal in Wilhelmshaven gesehen“, erzählt Jacline Duwe aus Sehnde. „Ich war dort zu Besuch und habe meinen ersten bunten Stein gefunden.“ Dann stieß sie bei weiterer Nachforschung auf Gruppen wie „Küstensteine“, „Allersteine“ und viele andere Steinmalergruppen. „Dann tagte die Familie“, so Duwe, „und wir entschlossen uns, die Gruppe ‚Kalistone‘ in Sehnde zu gründen.“ Damit kam der Stein ins Rollen. Duwe sprach über die neu gegründete Facebookseite zwei oder drei Leute an, gewann Mitmaler und los ging die bundesweite Aktion auch am Kaliberg. „Den Namen haben wir uns ausgedacht“, erklärt Duwe den Bezug. „Jede der Malergruppen hat einen lokalen Bezug.“ Damit auch alles klappt, sind die Spielregeln auf Facebook hinterlegt.

Erste Steine in China und Dänemark

Dabei sind die Gruppen gar nicht so lokal, wie Ann-Cécile Blanc, ebenfalls Gruppenmitglied, bestätigt. Sie wurde vom Jagdinstinkt in Ilten gepackt und macht seitdem bei Kalistone mit. „In Ilten sind viele Steine mit tollen Motiven unterwegs“, erzählt sie. „Inzwischen kenne ich eine Malerin und folge ihr, wenn sie Steine auswildert.“ Auswildern – so nennen die Steinmaler das Verstecken der Kunstwerke. „Jetzt machen auch meine Kinder mit beim Verstecken. Eigentlich ist das so etwas wie ein analoges Pokemon mit einem Grund zum Malen und Rausgehen“, beschreibt sie die Aktionen. Wenn man einen Stein gefunden hat, freuen sich die Maler über ein Feedback über Facebook. „Dafür muss man nicht Mitglied der Gruppe werden“, so Blanc. „Und man kann den Stein entweder behalten oder man wildert ihn wieder aus.“ So sind Steine der Sehnder schon aus dem Wilhelmshavener Ortsteil Halle gemeldet worden und jetzt wurden die ersten Steine aus Sehnde in China und Dänemark verteilt, so Duwe. „Mal sehen, ob von dort etwas kommt.“

Einige der kleinen Kunstwerke, die jetzt auf die Reise gehen werden – Foto: JPH

Jeder kann einsteigen

Mitmachen ist relativ einfach. Bereits 793 Maler sind dabei, allein in der vergangenen Woche kamen 44 neue dazu. „Man besorgt sich passende Rohsteine, wäscht sie ab und grundierte sie eventuell“, erläutert Blanc. „Dann sucht man sich ein Motiv im Internet, hat eigene Ideen oder malt einfach drauflos.“ Dazu nimmt man Acrylstifte, Pinsel oder inzwischen gibt es sogar spezielle Steinmalstifte – nur Aufkleben ist verboten, „aus Umweltschutzgründen“, sagt Duwe. Dann wird das Bild versiegelt und der Stein ausgewildert. „Aber nicht direkt auf dem Boden, wegen der Hunde zum Beispiel. Also immer etwas höher positionieren – aber nicht auf Autos oder auf fremden Grundstücken“, so Blanc. Anschließend kann man sich über einen Fundstein freuen, postet seinen Fundort und legt ihn möglicherweise wieder aus.

„Wir haben auch immer gemeinsam in der Gruppe abgestimmte Saisonthemen“, stellt Duwe die gemeinsame Arbeit der Gruppe dar. „Jetzt ist es Halloween und November. Vor Kurzem hatten wir Karel Gott und Biene Maja.“ Und Blanc fügt hinzu: „Vor kurzem wurde ein Stein vor dem Nahkaufeingang abgelegt. Damit kam eine Frau dann an die Kasse und wollte ihn abgeben: ‚Den hat wohl jemand verloren‘ hat sie gesagt.“

Man kann auch mitmachen, ohne der Gruppe beizutreten, Hauptsache man hat Spaß. „Aber Vorsicht“, warnen Duwe und Blanc, „das ist ein Hobby mit Suchtcharakter!“

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