Tempo 30 in Ortsdurchfahrten: Modellprojekt zeigt positive Effekte

Tempo 30 in Ortsdurchfahrten: Modellprojekt zeigt positive Effekte
Auch in Höver soll der "Versuch" fortgesetrzt werden, die rechtliche Lage wird derzeit geprüft - Foto: JPH
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Das im Herbst 2024 begonnene Modellprojekt „Tempo 30 in Ortsdurchfahrten“ der Region Hannover ist im Umland abgeschlossen (SN berichtete). Die Verantwortlichen des Versuchs ziehen nun ein positives Fazit. Denn die Testphase auf 21 Versuchsstrecken – vier in der Landeshauptstadt und in 17 Regionskommunen, eine davon in Höver – zeigt, dass die Geschwindigkeitsreduzierung zu mehr Verkehrssicherheit und geringerer Lärmbelastung beigetragen hat.

„Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass die Bevölkerung das Projekt überwiegend positiv bewertet“, resümiert Regionsverkehrsdezernent Ulf-Birger Franz. „Uns ist sehr daran gelegen, dass wir Tempo 30 in den meisten Kommunen beibehalten können, aber dafür benötigen wir zwingend die rechtlichen Rahmenbedingungen des Bundes.“

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 in Ortsdurchfahrten ist nach aktueller Straßenverkehrsordnung (StVO) bisher nur bei einer sogenannten qualifizierten oder einfachen Gefahrenlage möglich – also etwa dann, wenn sie an Schulen oder Kitas vorbeiführt.

Das Projekt Tempo 30 in der Region Hannover

Die Projektphase in den 17 teilnehmenden Regionskommunen startete im September und Dezember 2024. Vier Strecken aus der Landeshauptstadt Hannover nehmen ebenfalls an dem Versuch teil, hier läuft das Projekt seit November 2025. Mittels Seitenradarmessungen wurden Geschwindigkeit, Lärm und Verkehrsaufkommen vor und während der Testphase untersucht. Mit der Methode der Floating-Car-Data wurden Geschwindigkeitsverläufe über gesamte Strecken gemessen. Außerdem wurde im Rahmen einer Online-Befragung exemplarisch in den Ortsteilen Eltze (Uetze), Hellendorf (Wedemark) und Steinwedel (Lehrte) erhoben, wie Anwohnende das Projekt wahrgenommen haben und wie die Akzeptanz der Tempo-Reduzierung war.

Die Kernbefunde des Projektes

Die Durchschnittsgeschwindigkeit sank um bis zu 20 Prozent, im Schnitt um zehn Prozent. Besonders wirksam war die Reduzierung auf Strecken, bei denen es zuvor häufig zu Tempoüberschreitungen gekommen war und auf denen die Ausgangsgeschwindigkeit entsprechend hoch war. Gewöhnungseffekte traten über den Zeitraum des Projektes nicht auf, die Wirkung von Tempo 30 blieb stabil.

Auch eine Lärmminderung konnte – wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß – an fast allen Strecken gemessen werden. Bis zu 50 Prozent der Befragten merkten an, dass das Projekt positive Auswirkungen auf Sicherheit und Lärm hat. Bis zu zwei Drittel der Befragten haben den Verkehrsfluss trotz Tempo-Reduzierung als unverändert oder flüssiger empfunden. Entsprechend würden sich mehr als die Hälfte der Befragten freuen, wenn das Projekt weitergeführt werden könnte – jeder Vierte würde es sogar gerne auf weitere Hauptverkehrsstraßen ausweiten.

Das Fazit

Verkehrsdezernent Franz meint zum abgeschlossene Versuch: „Tempo 30 ist ein wirksamer Hebel für mehr Sicherheit, weniger Lärm und lebenswertere Orte. Und genau hier müssen wir ansetzen. Die Kommunen selbst brauchen mehr Entscheidungsfreiheit, um dort Tempo 30 anzuordnen, wo es die Menschen vor Ort brauchen – etwa in engen Ortskernen, an unzureichend ausgestatteten Straßen oder stark frequentierten Querungsstellen. Hier muss der Bund unbedingt ansetzen und die StVO entsprechend anpassen. Das würde uns das nötige Werkzeug für eine zielgenaue Verkehrsplanung an die Hand geben.“

Auf möglichst vielen der Strecken soll Tempo 30 ganz oder auf Teilabschnitten beibehalten werden. Die Verkehrsbehörden sind hier aktuell in der Abwägung und Prüfung, wie dies im rechtlichen Rahmen möglich ist.  Klar ist bereits, dass die Strecke durch Poggenhagen nicht fortgeführt wird. Hier wurden die Tempo 30 Schilder bereits abgebaut.

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