Stadt Sehnde würdigt bürgerschaftliches Engagement – ILE-Ehrenamtspreis „Interkultureller Dialog“ vergeben

Nach den „Richtlinien zur Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements in der Stadt Sehnde“ werden jährlich Personen gewürdigt, die sich durch ihr ehrenamtliches Engagement besonders verdient gemacht haben. Diese Auszeichnung erfolgt normalerweise im Rahmen des Neujahrsempfanges der Stadt Sehnde. Der musste jedoch 2021 pandemiebedingt ausfallen – und damit auch die öffentliche Auszeichnung der Ehrenamtler.

Begrüßung der Corona-bedingt wenigen Gäste
Bürgermeister Kruse (li.) übergibt den Preis an Jasmin Warnecke – Foto: JPH

Deshalb wurde am Mittwoch, 21. April 2021, um 18 Uhr im Ratssaal des Rathauses in Sehnde die Auszeichnungen des bürgerschaftlichen Engagements vom Bürgermeister Olaf Kruse übergeben. Dazu begrüßte Kruse insgesamt zwölf Gäste – neben den Ehrenamtlern auch Politiker des Stadtrates. Zudem war Carlice Berestant von der Sweco GmbH Hannover vertreten, um den Ehrenamtspreis im Auftrag der vier Kommunen zu überreichen.

In seiner Einführung wies Bürgermeister Kruse auf die Arbeit der Jury hin, die die eingereichten Projekte am 3. September 2020 begutachtet, bewertet und prämiert hat. „Eigentlich sollte dieses Mal Rolf Konerding auch dabei sein, der bereits im vergangenen Jahr ausgezeichnet werden sollte, aber nicht teilnehmen konnte“, so Kruse. „Aber leider ist es ihm auch dieses Jahr nicht möglich, seinen Preis in Empfang zu nehmen.“

Würdigung des Engagements in Sehnde

Im Bereich „Einzelpreise“ durfte sich Jasmin Warnecke über die Auszeichnung 2021 freuen. Jasmin Warnecke hat seit Beginn der Corona-Pandemie in ihrer Freizeit mit der Herstellung von Mund- und Nasenbedeckungen begonnen. Bis heute hat sie über 5000 Stück produziert.

Freidrich-Wilhelm Haarstrich und Christian Dröse (v.re.) erhalten von Olaf Kruse den Preis – Foto: JPH

Der Großteil der Masken ging an die Poststelle in Sehnde, wo sie gegen einen kleinen Spendenbeitrag erworben werden konnten. Ebenso wurden die AWO-Residenz mit Mund-Nasenbedeckungen ausgestattet. Zum Teil wurden die selbstgenähten Masken an soziale Einrichtungen wie Pflegeheime und ambulante Dienste verschenkt. Der für die Abgabe der Masken erzielte Betrag wurde von Warnecke wiederum an verschiedene Organisationen weitergeleitet, so an die Sehnder Tafel.

Zwei Gruppen wurden ausgezeichnet

Für ihre gemeinsame Arbeit bekamen zwei Gruppen die Auszeichnung 2021. Zunächst übergab Kruse die Ehrung an Christiane Dröse und Friedrich- Wilhelm Haarstrich für Ihre Arbeit im Verein Aktiv DabeiSein Hannover und die Gründung des gemeinsamen Vereins Sozialgenossenschaft. „Hierzu“, so der Bürgermeister, „gelang es Frau Dröse, zwei Vereine zu gemeinsamer Arbeit zu bewegen.“

Der Verein Aktiv DabeiSein kümmert sich um die Belange Behinderter und deren Angehöriger. Neben ihrer Arbeit dort kümmern sich Dröse und Haarstrich auch um die Betreuung je eines Angehörigen. Außerdem gehören sie zu den Mitgründern einer neuen Sozialgenossenschaft, die ihre Aufgaben in der Region Hannover sieht und die von Sehnde aus Impulse setzen möchte. Dabei handelt es sich um ein von Mitgliedern gelenktes „Wirtschaftsunternehmen ohne Gewinnerzielungsabsicht“, das bei höchstem Mitgliedernutzen möglichst kostendeckend agiert mit dem Auftrag „Leistungen für Selbstbestimmung und Teilhabe zu entwickeln“.

Werner Klose (re.) ist in der Siedlergemeinschaft und als Schiedsmann aktiv – Foto: JPH

Friedrich-Wilhelm Haarstrich war zunächst für die Dauer der Aufbauarbeit hauptamtlicher Vorstand bei der „Aktiv DabeiSein Dienstleistungen eG“, später wurde er Vorstandsvorsitzender. Er organisiert und leitet das Team der Geschäftsstelle, entwickelt Projekte und Finanzpläne und erweitert das Netzwerk der gemeinnützigen Initiative. Er hält alle Fäden zusammen – und holt innovative Inklusionskonzepte nach Hannover.

Christiane Dröse hat es hinbekommen, dass zwei Selbsthilfevereine, die im Regelfall auf ihr eigenes Klientel schauen, über den eigenen Tellerrand hinausblicken und bereit sind, für eine gemeinsame Arbeit, soweit wie dies aufgrund der eigenen Aufgabenstellung möglich ist, einzutreten und auch etwas Gemeinsames voranzubringen. Im Jahr 1999 hat Dröse zusammen mit ihrem Ehemann sowie weiteren Aktiven den Verein „Down-Syndrom Hannover“ gegründet. Durch die damals hauptamtliche Beratungsstelle für Menschen mit Beeinträchtigungen und die sich in der Aufbauphase befindliche Sozialgenossenschaft ist sie im Jahr 2018 auf den Verein aufmerksam geworden. Seitdem arbeiten die beiden Vereine so viel wie möglich zusammen und entwickeln gemeinsame Projekte.

In den vergangenen Jahren konnten durch die ehrenamtliche Hilfe von Christiane Dröse und Friedrich-Wilhelm Haarstrich aus dem vorher gemeinsam erarbeitenden Konzept viele für Menschen mit Beeinträchtigungen richtungsweisende Maßnahmen realisiert werden. „So ist auch wieder ein integratives Feriencamp für Kinder mit Downsyndrom in Planung. Erste Anmeldungen für dieses gemeinsame Projekt mit der Stadt liegen bereits vor“, fügte Kruse hinzu.

Lange Arbeit für die Siedlergemeinschaft

Als zweite ausgezeichnete Gruppe wurden dann der Vorstand der Siedlergemeinschaft Höver-Bilm-Ilten mit Hans-Werner Klose und Horst Sielaff ausgezeichnet. Klose und Sielaff setzen sich als Interessenvertreter für Haus- und Wohnungseigentümer in allen Bereichen für die Belange der Eigentümer ein.

Horst Sielaff (re.) wird für seine Arbeit in der Siedlergemeinschaft geehrt – Foto: JPH

Bereits seit über 15 Jahren ist Hans-Werner Klose im Vorstand der Siedlergemeinschaft Höver– Bilm–Ilten tätig. Bis Ende 2010 hat er das Amt des Kassenwartes übernommen. Seitdem ist er Erster Vorsitzender der Siedlergemeinschaft. Horst Sielaff ist seit dem 01.01.1968 Mitglied in der Siedlergemeinschaft Höver- Bilm-Ilten. Als 2. Vorsitzender ist er 26 Jahre in der Siedlergemeinschaft Höver-Bilm-Ilten im Verband Wohneigentum Niedersachsen aktiv. Mit der Organisation von Vorführungen von Obstbaumschnitten und Gartenanlageberatungen sowie mit der Planung und Leitung von Fahrradtouren, Busfahrten, Grillfesten tragen Klose und Sielaff viel zu einem regen Vereinsleben bei.

Zusätzlich ist Klose seit August 2010 als Schiedsperson für die Stadt Sehnde tätig. Seit September 2012 ist er außerdem als Beisitzer für den Landgerichtsbezirk Hannover im Vorstand der Vereinigung der Schiedspersonen im Bezirk Bückeburg–Hannover eingesetzt.

Jeder der von der Stadt Ausgezeichneten erhielt neben der obligatorischen Ehrenurkunde auch eine bunten frühlingshaften Blumenstrauß überreicht.

ILEK zeichnet auch aus

Neben der Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements in Sehnde wurde der ILE-Ehrenamtspreis zum Thema „Interkultureller Dialog“ übergeben. Im Namen der vier ILE-Bürgermeister Wolfgang Moegerle (Algermissen), Marcel Litfin (Harsum und Lutz Erwig (Hohenhameln) übergab Olaf Kruse (Sehnde) den Preis an Christian Bruns aus Bilm.

Christian Bruns (re.) erhielt von Carlise Berestant (mi.) und Olaf Kruse (li.) den Ehrenamtspreis der ILEK-Kommunen – Foto: JPH von

Die Stadt Sehnde gehört mit ihren Nachbargemeinden Algermissen, Hohenhameln und Harsum zur ILEK-Börderegion. Im vergangenen Jahr schrieben die vier Gemeinden den Preis aus. Dabei geht um die Wertschätzung eines offenen und kooperativen Miteinanders von Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft. Dieser erstmalig ausgeschriebene Ehrenamtspreis würdigt Bürger oder Bürgerinnen, die mit ihrem Engagement ein Zeichen setzen mit Offenheit für das Unbekannte, den interkulturellen Dialog fördern und neue Räume für einen Austausch schaffen.

Sechs Bewerbungen gingen laut Kruse und Carlice Berestant aus den vier ILE-Gemeinden ein. Alle Bewerber und Bewerberinnen beeindruckten mit ihren kreativen Projektideen und der Begeisterung, mit der sie ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten ausüben.

Letztendlich entschied sich die Jury für Christan Bruns aus Bilm als Sieger des Ehrenamtspreises 2020. Bruns Engagement ist vielfältig: Neben praktischer Hilfe etwa bei bürokratischen Angelegenheiten sowie der Job- und Wohnungssuche für Geflüchtete und Ayslbewerber, initiiert er verschiedene Projekte, wie die Einrichtung einer Begegnungs-Lounge und die Gründung eines Fußballteams. Gemeinsam mit seinem Team in der Initiative Lonea, der evangelischen Freikirche Sehnde, organisiert er Kinderfeste und Tier- und Gartenprojekte. Die finden auf seinem Heimathof am Behmerothsfeld in Bilm statt.

Werner Klose, Bürgermeister Olaf Kruse, Horst Sielaff, Christiane Dröse, Jasmin Warnecke, Christian Bruns und Friedrich-Wilhelm Haarstrich (v.li.) nach der Preisübergabe – Foto: JPH

„Wir haben lange überlegt, wie wird en Preis gestalten“, trug Kruse vor. „Dann kamen wir darauf, dass die vier Kommunen der Hildesheimer Börde viel mit zucker zu tun hatten – und dass wir viel künstlerische Kompetenz im Klinikum Wahrendorff hier in Sehnde haben. Und so gestalteten die Künstler dort diesen Ehrenamtspries als Zuckerrübe.“ Und die erhielt Bruns an diesem Abend als Unikat erstmals vergeben. Die Auszeichnung soll von nun an mit jeweils aktuellem Thema weiterhin vergeben werden. Zu welchem Thema, wann es los geht und wer genau gesucht wird, wird in Kürze auf der Homepage der ILEK-Börderegion mitgeteilt.

Empfang zuhause

Da der Abend der Preisvergabe „normalerweise“ mit einem Empfang und Gesprächen endet, dies aber während der Pandemie nicht zulässig ist,  gab es zum Abschluss für jeden der Gäste eine „Verpflegungstüte“ mit auf den Weg, um zuhause dann den Empfang nachholen zu können.

Anzeige
Werben Sie bei Sehnde-News