Rückblick und Ausblick beim Sehnder Neujahrsempfang

8. Februar 2019 @

2018 „und es war Sommer“ – gefühlt dauerte der von April bis November und schlug alle Rekorde. So heiß und so trocken war es selten zuvor. Unglaublich, dass das Thema Klimawandel noch immer ignoriert und sogar geleugnet wird, so begann der Sehnder Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke vor rund 350 Gästen aus der Stadt, darunter Vertreter der Politik, Verwaltung, Firmen und Verbänden seinen Neujahrsrückblick am Freitagabend, 1.2.2019, im Forum der KGS Sehnde.

Der Sehnder Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke begrüßte rund 350 Besucher – Foto: JPH

Hier begrüßte er speziell MdB Dr. Matthias Miersch, Regionsrätin Andrea Fischer, MdR Bernward Schlossarek und Konrad Haarstrich, seine Amtskollegen Werner Backeberg (Uetze) und Klaus Sidortschuk (Lehrte) und die Referenten des Abends, Björn und Torben Scharnhorst von der Firma Exportverpackungen Sehnde. Beide übernahmen dann zunächst das Wort.

Sie sprachen nach der Begrüßung über die Umwandlung eines „Kistenherstellers“ in ein modernes, digital vernetztes Unternehmen, das weltweit agiert und ein trotzdem ein „Kistenhersteller“ geblieben ist – wenn auch inzwischen ein „Spezialverpacker“. Das Sehnder Unternehmen, gegründet 1858 in Anderten, und nun in 5. Generation Eigentümer geleitet, kam 1982 vom Gründungsstandort nach Sehnde, von wo es inzwischen nach Polen expandiert ist. Insgesamt setzte die Firma mit 140 Mitarbeitern, davon 90 in Sehnde, 17 Millionen Euro um. Zudem ist das Unternehmen in die Forschung eingestiegen, wurde ein Softwareentwickler, und berät bei logistischen Prozessen. Dann stellten Torben, als firmeninterner Innenminister, und Björn, als Außenminister-Gegenstück, sehr launig und pointiert die Aufgaben, Probleme und Lösungen für einen modernen Industriebetrieb dar. Die Anforderungen an die Mitarbeiter müssten sich dabei ebenso wandeln wie die Lösungswege. „Wir müssen neue Wege gehen, ohne uns zu verlaufen“, so Björn Scharnhorst. „Keine Zeit und keine Leute sind keine Argumente. Dann muss man sich ändern und gemeinsam zusammensetzen, dann hat man keine Sorgen.“ So funktioniert es auch bei Exportverpackungen Sehnde, wo man immer abteilungsübergreifende Lösungen findet. „Das schafft Neugier“, so Björn. „Und so heißt es bei uns für das neue Jahr: Nur Mut – und einfach mal machen.“

Torben und Björn Scharnhorst (v.li.) hielten den Festvortrag des Abends – Foto: JPH

Danach blickte Lehrke in einem umfangreichen Streifzug durch 2018 auf das Jahr aus Sicht der Stadtverwaltung zurück und gab einen Ausblick auf 2019. Natürlich begann er mit der den Temperaturen am nächsten liegenden Einrichtung, dem Sehnder Waldbad. Das nämlich konnte in diesem Jahr seit langem die erfolgreichste Saison melden. Beginnend mit dem Rock im Waldbad und dem Open Air Kino mit anschließendem Familientag – beides ehrenamtlich organisiert durch die DLRG und die Waldbadfreunde-, fanden bis Mitte September rund 48 000 Badegäste den Weg in das Spaß-Bad. Und auch Sehnde habe nun ein bekanntes Festival, dass SNNTG-Festival in Wehmingen auf dem Gelände des Straßenbahnmuseums.

Sehnde sei, so Lehrke, eine junge und bunte Stadt, die den niedrigsten Altersdurchschnitt in der Region Hannover habe. Zahlreiche Neubaugebiete bringen junge Familien in die Stadt, sorgen aber auch für den bisher gut gedeckten Bedarf an Kita- und Schulplätzen. Die Kita-Kostenfreiheit allerdings habe nicht gleichzeitig zu einer Verbesserung der Betreuung geführt. Vieles sei in diesem Zusammenhang vom Land auf die Kommunen übertragen worden, aber nicht mit der Finanzierung unterfüttert – die bliebe bei den Kommunen.

Auch der Wettbewerb um die ständig abnehmenden Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt mache den Kommunen deshalb zu schaffen, die auf Grund der fehlenden finanziellen Ausstattung oft gegen größere Arbeitgeber wie die Stadt Hannover das Nachsehen hätten. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung prognostiziert bis 2025 deutschlandweit eine Personallücke von mehr als 300.000 Fachkräften in den Kindertagesstätten.

Trotzdem geht Sehnde auch beim Bau von Kitas und Schulen einen für die Eltern entlastenden Weg weiter, geht mit neuen Formen und Konzepten, wie jetzt in Höver, auf die Nutzerwünsche zu. Dazu wird das wohl größte Bauvorhaben der kommenden Jahre, die Sporthalle an der Chausseestraße, mit gut 15.5 Millionen Euro nicht nur für die Schulen, sondern auch für die Vereine eine Verbesserung darstellen.

Das Duo Dilua gestaltete den musikalischen Teil des Abends – Foto: JPH

“ Das Avacon Gelände haben wir im Jahr 2016 im Rahmen der Zuzüge der Geflüchteten gekauft. Die Notwendigkeit der Nutzung hat sich dann aber nicht ergeben. Der Civitan Club und die AWO nutzen nach wie vor die Räumlichkeiten für die Tafel und die Stöberkiste. Bei allen weiteren Entscheidungen zu und über die Immobilie werden wir diese sozial wichtige und erhaltenswerte Nutzung natürlich nicht aus dem Auge verlieren“, versprach der Bürgermeister den beiden Nutzern vor dem Auditorium. Zahlreiche andere Bauprojekte und Umbauvorhaben sprach er dann noch an.

Lehrke ging dezidiert auf die Feuerwehren der Stadt ein, die neben neuen Fahrzeugen auch neue Wachen bekämen, um den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen. Auch das Ehrenamt dürfe man hier und auch vielen anderen Bereichen nicht außer Acht lassen, denn vieles in der Stadt und im Staat geht nur, weil es immer Menschen gibt, die sich engagieren. Das gelte für die Erinnerungskultur – und hier führte er die Stolpersteine an – ebenso wie für den Frauentag. Der Generationentag sei auch eine Sehnder „Erfindung“, da er sich an alle Altersgruppen richte und das bunte Leben der Stadt von der Verwaltung bis zu den Vereinen darstellt. Dazu gehören dann auch Programme wie Fluxx, gegen häusliche Gewalt durch den Präventionsrat, und ein Netzwerk für Alleinerziehende, immerhin 11 Prozent, unter dem Motto „Alleinerziehend, aber nicht allein gelassen“.

Er sprach zur laufenden Dorferneuerung, dem Neubau des Klinikums Wahrendorff als größtem Arbeitgeber der Stadt, und ging auch auf den Umweltschutz ein. Primär geht es natürlich auch weiterhin um die Einleitung des Assewassers, wobei die Grube unter der Stadt wohl 2020 oder 2021 voll sein dürfte – und die Einleitungsanlagen für die Tankwagenanlieferungen sind noch nicht einmal gebaut. Im weiteren nannte er das gerade angelaufene Projekt „Gut Klima“ in Bolzum, dass die Bürger langfristig einbeziehen wolle. Dazu kam die Nutzung von Renotherm im Zementwerk Höver, die schon seit 2003 genehmigt ist und kein Novum darstellt, wie es eine Initiative vorgaukeln will.

Die Bürger waren anschließend zum Empfang in die Schulstraße eingeladen – Foto: JPH

Digitalisierung und Datenschutz streifte er dann ebenso wie den Haushalt der Stadt und die Einbrüche in das Rathaus und die KGS, deren Schäden stets größer als die Beute waren – und auf die die Stadt nun reagiere durch elektronische Sicherungen.

Abschließend rief er alle Bürger auf, sich an der Europawahl am 26. Mai zu beteiligen und auch die Bürgermeisterwahl am gleichen Tag zu nutzen. “ Demokratie lebt von Wahlen, von Menschen, die sich zur Wahl stellen und von Menschen, die wählen gehen. Zur Entscheidungsfindung dient ein Wahlkampf mit der Darlegung von Positionen, Kritik, Ideen und Auseinandersetzungen. Ich wünsche uns allen einen fairen Wahlkampf und eine hohe Wahlbeteiligung für beide Wahlen – für Europa und für Sehnde.“

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