Meilensteine für Sehndes Wärmewende: kommunaler Wärmeplan und digitaler „Bürger-Zwilling“ gestartet

Sehnde stellt die Weichen für eine nachhaltige und unabhängige Wärmeversorgung. Am 19. März 2026 hat der Rat der Stadt Sehnde den im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung erarbeiteten Wärmeplan – einschließlich der darin enthaltenen Umsetzungsmaßnahmen – offiziell beschlossen. Damit liegt ab sofort ein strategischer und zukunftsweisender Fahrplan vor. Dieser zeigt auf, wie die Wärmeversorgung im gesamten Kommunengebiet Schritt für Schritt auf grüne Quellen umgestellt werden soll. Gleichzeitig startet ein innovatives Online-Tool: Der digitale „Bürger-Zwilling“ stellt alle Ergebnisse des Wärmeplans kostenlos und interaktiv zur Verfügung. Mit ihm soll Sehndes Wärmewende für alle Ansässigen weiterhin transparent und greifbar gemacht werden.
Umfangreiche Weiterentwicklung
Seit Beginn der Kommunalen Wärmeplanung Anfang Juni 2024 ist sehr viel passiert. Um diese beiden Meilensteine klar einordnen zu können und um alle Bürger bestmöglich zu informieren, folgt zunächst ein kurzer chronologischer Rückblick auf das bisher Geschehene:
Der Wärmeplan wurde bereits Ende August 2025 fertiggestellt und zugleich in einer großen öffentlichen Informationsveranstaltung im Forum der KGS in Sehnde vorgestellt. Im Anschluss startete die 30-tägige öffentliche Auslage des Berichts. Der finale Bericht kann mit dem enthaltenen Maßnahmenkatalog unter dieser Adresse im Internet abgerufen werden.
Mit der Fertigstellung erfüllt die Stadt Sehnde die Vorgaben des Wärmeplanungsgesetzes des Bundes weit vor der gesetzlichen Frist Ende Dezember 2026. Durch den frühzeitigen Beginn konnte sich die Kommune wertvolle Bundesfördermittel aus der Kommunalrichtlinie sichern. Über diese wurde die gesamte Erarbeitung des Wärmeplans finanziert, ohne den eigenen Haushalt zusätzlich zu belasten. Ein Wärmeplan entfaltet zwar keine rechtlich bindende Wirkung für Eigentümer oder Energieversorger, gibt aber eine verlässliche Orientierung für künftige Investitionen in die lokale Infrastruktur. Darüber hinaus muss ein Wärmeplan gesetzlich verpflichtend spätestens alle fünf Jahre fortgeschrieben werden. Folglich dient er auch als strategischer Wegweiser für die Wärmeversorgungsplanung im jeweiligen Zeitraum. Durch den Beschluss bekennt sich die Stadt Sehnde dazu, die Ziele des kommunalen Wärmeplans zukünftig bei allen planerischen, infrastrukturellen und baulichen Vorhaben als fachliche Strategie zu berücksichtigen.
Maßnahmen für Sehnde
Der Wärmeplan umfasst insgesamt 21 konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Wärmewende. Drei wichtige Basismaßnahmen befinden sich durch das städtische Sanierungsmanagement bereits aktiv in der Umsetzung. Hierzu zählt zunächst die grundlegende Koordination der Wärmewende. Zum etablierten Angebot zählen die ständige Ansprechbarkeit für alle Beteiligten, die regelmäßigen öffentlichen Sprechstunden mit kostenloser Energieerstberatung und die öffentliche Veranstaltungsreihe „Energietreff Sehnde“ für kostenlose Infos zur energetischen Gebäudesanierung. Alle Angebote werden überaus gut angenommen.
Des Weiteren hat der Rat fünf strategische Schlüsselmaßnahmen priorisiert. Diese werden gemäß Beschluss innerhalb der nächsten fünf Jahre begonnen und vorangetrieben. Zu den Priorisierungen gehört die „BürgerSolarBeratung“, welche die dezentrale Gewinnung und Speicherung von Sonnenenergie zum Heizen und zur Brauchwassererwärmung effektiv unterstützt und fördert. Mit der gezielten Informationsbeschaffung zur Geothermie soll konkretes Wissen über die teils sehr schwierige Geologie des Kommunengebiets erlangt werden. Über dieses wichtige Wissen könnte die frei zur Verfügung stehende Quelle der Erdwärme bestmöglich erschlossen werden.
Drei Maßnahmen umfassen je eine Pilotstudie in Gebieten mit möglicher zentraler Wärmeversorgung. In den Gebieten „Sehnde Kern“ und „Ilten Kern“ besteht jeweils das Potenzial für ein klassisches Wärmenetz. Hingegen wird im Gebiet „Haimar“ ein Kaltnetzkonzept geprüft. Ein solches Konzept ermöglicht eine dezentrale Versorgung über eine gemeinsame Wärmequelle. Somit soll dieses Gebiet als Blaupause für die Wärmewende in der überwiegend dezentral zu versorgenden Flächenkommune Sehnde dienen. Grundsätzlich ist die Nutzung gemeinsamer und zentralisierter und vorhandener Wärmequellen absolut erstrebenswert. Dazu zählt auch die in Sehnde verfügbare unvermeidbare Abwärme.
Priorisierung Sehnde-Nordwest
Auf Wunsch des Fachausschusses „Stadtentwicklung und Umwelt“ der Stadt Sehnde wurde – analog zu den vorigen Priorisierungen – zudem das Fokusgebiet „Sehnde Nordwest“ priorisiert. Dieses Gebiet weist ein enorm hohes Sanierungs- und damit ein ebenso hohes Wärmebedarfs-Einsparpotenzial auf. Ein solches Potenzial zur Senkung des Wärmebedarfs durch energetische Sanierung ist typisch für große Teile des Kommunengebiets. „Sehnde Nordwest“ soll als Blaupause für die Erschließung dieses hohen Sanierungspotenzials Sehndes dienen. In diesem Fokusgebiet liegt der Schwerpunkt auf der Umsetzung von Maßnahmen, die vor allem Sanierungsanreize schaffen. Die genaue Maßnahmenzuordnung ist detailliert im Bericht aufgezeigt. Der vollständige Beschluss des Rates sowie alle zugehörigen Dokumente können im Ratsinformationssystem der Stadt Sehnde eingesehen werden. Ein entsprechender Link ist auf der Sehnder Webseite zu finden.
Bürger-Zwilling kommt
Für die notwendige Transparenz und Anschaulichkeit sorgt der neue digitale „Bürger-Zwilling“. Mit ihm wird die komplexe Kommunale Wärmeplanung der Stadt Sehnde für alle greifbar und verständlich. Das Online-Tool ist intuitiv zu bedienen.
Nutzer können sämtliche mit dem Wärmeplan erarbeiteten Ergebniskarten über das Kommunengebiet legen. Dabei visualisieren diese Karten die Ergebnisse der drei wesentlichen Prozessschritte der Kommunalen Wärmeplanung: die Bestandsanalyse, die Potenzialanalyse sowie das finale Zielszenario im Zieljahr 2040 gemäß dem Niedersächsischen Klimagesetz. Sehnder können dort gezielt nach ihren eigenen Adressen suchen.
Durch Hineinklicken in die Hintergrundkarte können beispielsweise Strecken und Flächen direkt vermessen oder die aktuelle Kartenansicht mit Familie sowie im Freundes- und Bekanntenkreis geteilt werden. Ist eine Ergebniskarte geladen, öffnen sich durch Anklicken einzelner Ergebnisbereiche interessante Zusatzinformationen. So lassen sich unter anderem Daten aus der Bestandsanalyse zu den Anteilen am Energieverbrauch noch umfassender darstellen oder viele weitere Infos zu den Potenzialen für erneuerbaren Strom entdecken. Demnach bietet der „Bürger-Zwilling“ einen echten praktischen Mehrwert für die eigene Wärmeplanung vor Ort.
Ansprechpartner für die Kommunale Wärmeplanung ist Timo Rogge unter der E-Mail timo.rogge@sehnde.de als Klimaschutz- und Sanierungsmanager der Stadt Sehnde.
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