Freundschaft über Grenzen hinweg

Glauben ist eine sehr persönliche Sache und oft trennend. Scheinbar unversöhnlich stehen sich im Nahen Osten drei Weltreligionen gegenüber: Juden, Christen und Moslems – dem Alter ihrer mutmaßlichen Entstehung nach. Alle drei kommen aus dem geographischen Bereich, doch führen sie oft Kriege gegeneinander. Als Grund, so hat der jüdische Schriftsteller Ephraim Kishon einmal geschrieben: ein Mensch kann einem Menschen alles verzeihen, außer, dass er auf andere Art und Weise zu seinem Schöpfer betet. Diese Unterschiede schwappen auch in viele Bereiche der Welt.
Das es auch anders und man trotzdem miteinander befreundet sein kann – und das viel leichter ist als Ablehnung, oft aus sogar übernommenen Gründen – beschäftigte die Schüler der KGS Sehnde.
Organisiert hatte die Veranstaltung und die beiden Gesprächspartner Stefan Bahls, Fachbereichsleiter GSW, nachdem er über das Projekt in der Zeitung erfahren hatte. Den Lehrern war die Teilnahme mit ihren Klassen freigestellt worden.
Überwindung von Gegensätzen erfordert Toleranz
Um mit den Schülern über die Überwindung von Vorurteilen und ein freundschaftliches Zusammenleben zu sprechen, waren Michael Fürst, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, und Dr. Yazid Shammout, Vorsitzender der palästinensischen Gemeinde, ins Forum der Schule gekommen. Dr. Shammout ist Moslem, Fürst jüdischen Glaubens. Beide sind aber auch unterschiedlicher Ansicht über beispielsweise das Vorgehen von Hamas und israelischer Armee in Gaza gegeneinander. Trotzdem hält ihre Freundschaft schon über Jahrzehnte.
“ Wir haben uns vor 16 Jahren kennengelernt.“ erzählt Fürst und Dr. Shammout fügt hinzu: „Und unsere Freundschaft hat trotz aller unterschiedlichen Auffassungen bis heute gehalten.“ Um die Entstehung ihrer Freundschaft über das Trennende hinweg zu verstehen und daraus auch für sich selbst zu lernen, waren 150 Schüler des Jahrgangs 9 bis 13 ins Forum eingeladen und hatten im Vorfeld zahlreiche Fragen zusammengestellt, die von den Moderatorinnen Lina Minnermann und Eva Busche an die Gäste gestellt wurden.

So wollten sie Schüler gerne wissen, wie die beiden doch unterschiedlichen Männer sich verstanden haben und Freunde geworden sind und wie die Freundschaft hält. „Dazu“, so Dr. Shammout, „ist gegenseitiger Respekt erforderlich. Aber Freundschaft muss unterschiedliche Meinungen aushalten können.“ Fürst ergänzte: „Zuhören bedeutet nicht gleich Zustimmung oder die gleiche Meinung zu haben.“ Und so wurde durch die Moderatorinnen in dem eineinhalbstündigen Gespräch immer mehr klar, wie man Toleranz und Verständnis trotz unterschiedlicher Auffassungen und Lebensmodellen leben kann und sich dabei vertraut. Alle Fragen wurden ausführlich von den beiden Besuchern beantwortet, wobei Trennendes und Verbindendes nicht verschwiegen und gut herausgearbeitet wurde. Aber auch, dass es nie einen Zweifel gab, dass Freundschaft nicht nur aus gleichen Ansichten bestehen muss, sondern auch die Belastung von unterschiedlichen Meinungen und Ansichten aushält und aushalten muss. Denn nur so ist friedliches Zusammenleben möglich und machbar. „Der Kriegsbeginn am 7.10.2023 hat in beiden Gemeinden etwas bewegt“, sagte Fürst. „Nun müssen wir wieder zueinander finden. Als Projekt haben wir die gemeinsame Arbeit für die ukrainischen Flüchtlinge entdeckt.“
Die eigene Meinung „nur nach Erkenntnissen bilden“
Beide warnten vor der Übernahme von Meinungen und Ansichten aus dem Internet. „Das sind meistens Menschen, die nie vor Ort warten, aber eine Meinung dazu haben: die allein richtige!“ Und Fürst fügt hinzu: „Schon Humboldt sagte: Die gefährlichste Weltanschauung ist die von denen, die die Welt nie angeschaut haben!“. Und Beider Fazit war, dass die Vernunft über die Emotionen siegen müsse, denn keiner kann auf dieser Welt ohne den anderen leben.
So blieb am Ende für die Schüler der KGS – Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage – „nur noch“ die Aufgabe, für sich und die Gemeinschaft aus dem Gehörten die richtigen persönlichen Schlüsse zu ziehen, sie für sich umzusetzen und nicht nur im Rahmen dieses kurzen Projektes auch weiterzugeben: Trennendes muss nicht trennend bleiben, sondern kann und sollte überwunden werden – ganz im Sinne von Michael Fürst und Dr. Yazid Shammout.
Neufreischaltung
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