Fahrradparkhaus für Sehnde geht in die (Kampf)Abstimmung

In der Ratssitzung am Donnerstag, 12.02.2026, kommt es zu einer Debatte über das Fahrradparkhaus, das an der Peiner Straße am Bahnhof gebaut werden soll. Die vorbereitenden Arbeiten sind eigentlich abgeschlossen sein und das Projekt in die Bauphase eintreten. Doch dann gab es Probleme. Nun soll das Parkhaus rund 400.000 Euro teurer werden.
Obwohl eigentlich alles klar war, der Zuschuss des Bundes steht fest und der Eigenanteil der Stadt Sehnde auch, wird nun erneut darüber beraten. Denn plötzlich entdeckte man im Untergrund längst Vergessenes.
- Schwierige Baugrundverhältnisse erfordern eine aufwendigere Gestaltung und größere Dimensionierung der Fundamente.
- Da das Gebäude zwei Kanaldeckel überlagert, müssen Teile der Entwässerungskanäle vor Ort verändert werden.
- Der Erhalt der Bäume erfordert strengere Schutzmaßnahmen als üblich. Die vorhandenen Rot-Buchen sind bei Eingriffen im Wurzelbereich besonders empfindlich.
- Zudem sind die Kosten für die Bauherrenvertretung durch die INFRA GmbH im ursprünglichen Förderantrag nicht berücksichtigt worden.
Tatsächlich hätten zumindest die Baugrundverhältnisse, das Wurzelwerk und die Kosten für die INFRA bei der Baukonzeption bekannt sein müssen, sind sie doch sicht- und prüfbar. Was dieses Versäumnis nun mit sich bringt, ist ein erheblicher Mehraufwand von rund 400.000 Euro, die zu den bisherigen Baukosten von 1.064.917 Euro hinzu kommen – zunächst allein für die Stadt Sehnde.
Widerspruch von der CDU
Das nahm die CDU der Stadt zum Anlass, das ganze Projekt zu hinterfragen und finanziell auf den Prüfstand zu stellen. Soll man den bisher gezahlten Betrag „abschreiben“ und gutem Geld nicht noch welches hinterherwerfen (ob gut oder schlecht muss noch entschieden werden), fragt die Fraktion um den Vorsitzenden und Bürgermeisterkandidaten Dr. Marco Schinze-Gerber? Das Projekt trotz Bundeshilfe einfach absagen und den Ursprungszustand für weiteres Geld auf der Wiese wieder herstellen? Immerhin sei der Aufwand für nur 136 Fahrradparkplätze immens und zu hoch, so die CDU. (Der komplette Wortlaut steht hier zum Download bereit).
Andererseits, so die mit einer Replik antwortenden SPD-Fraktion um Max Digwa, vergäße man in der CDU-Darstellung die zentrale Funktion, die das Haus wahrnimmt. Er schreibt: „Bereits am 23.03.2023 hat der Rat einstimmig das Innenstadtkonzept für Sehnde beschlossen. Hier wurden auch Planungen für den Bahnhofvorplatz aufgenommen. Unter anderem Fahrradabstellplätze, einen Kiosk, ein öffentliches WC, Wartebereiche für Busnutzer und eine bessere Verkehrsführung für Radfahrer in dem Bereich.“ Das reduzieren auf bloße Fahrradplätze sei falsch. „Dass nun von anderen Parteien lautstark gefordert wird das Projekt zu stoppen, nachdem es immer mitgetragen wurde, sehen wir dem Wahlkampf geschuldet. Hier wird die Politik der letzten Jahre über dem Haufen geworfen. Das zeugt eher von einem Schlingerkurs als von klarer Politik.“ (Der komplette Wortlaut steht hier zum Download bereit).

Auch die parteilose Bürgermeisterkandidatin Daniela Busche sieht einen möglichen Rückzug ähnlich und schreibt: „Wer jetzt öffentlich den Abbruch des Projekts fordert, muss ehrlich sagen, was das bedeutet. Rückzahlung der Fördermittel, Verlust der bereits investierten 235.000 Euro, zusätzliche Strafzinsen – und am Ende kein Fahrradparkhaus.“ (Der komplette Wortlaut steht hier zum Download bereit).
FDP und Grüne haben sich zu dem Thema gar nicht geäußert.
Ratssitzung am 12.02.2026 entscheidend
Auf der Agenda der Ratssitzung am Donnerstag, 12.02.2026, steht nun die Drucksache 2023/0319-1 zur Beratung und Entscheidung. Darin heißt es:
- Die für den Bau erforderlichen zusätzlichen Eigenmittel werden zur Verfügung gestellt. Der Rat beschließt für das Produkt 511000 eine überplanmäßige Auszahlung aus der bewilligten Zuwendung des NKomFöG zur Durchführung der Maßnahme im Rahmen des Bundesprogramms „Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen“.
- Die Verwaltung wird zur Erhöhung des Förderbetrags aus dem Bundesprogramm „Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen“ damit beauftragt, für das Programmjahr 2026 einen Nachtrag zum Förderantrag beim Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) einzureichen.
Da aus dem Verwaltungsausschuss nichts verlauten darf, kann man spekulieren, dass die dortigen Mehrheitsverhältnisse von fünf zu vier Stimmen – je vier SPD und CDU, eine Grüne – zu diesem Vorschlag geführt haben. Ob der allerdings in der Ratsberatung am Abend Bestand hat, bleibt abzuwarten, da im Rat auch die Vertreter von AfD – schon immer gegen das Parkhaus – und FDP – auch dagegen – mit abstimmen können. Zudem wird es darauf ankommen, ob die Fraktionen alle ihre Ratsvertreter zu der Sitzung bringen können. Dann wird es dort wohl zu einer „Kampfabstimmung“ kommen.
Die Sitzung ist öffentlich, beginnt um 18 Uhr im Ratssal des Sehnder Rathauses, und dort können Bürger vor und nach der Sitzung Fragen stellen.
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