Eine Reise durch die Sehnder Zeit: Wenn Geschichte die Herzen berührt

Es gibt Nachmittage, die lassen sich nicht einfach in Worte fassen. Es sind jene seltenen Momente, in denen die Zeit für ein paar Stunden stillzustehen scheint, während gleichzeitig Jahrzehnte wie im Flug an den inneren Augen vorbeiziehen. Ein solcher Zauber lag am Freitag, 3. Juli 2026, über dem KaffeeHaus Stuber in Sehnde. Unter dem Motto „Sehnde – früher und heute“ hatten die parteilose Bürgermeisterkandidatin Daniela Busche, Hobbyfotografin Brigitte Thomas und der leidenschaftliche Geschichtskenner Kurt Schwarzkopf zu einer Reise in die Vergangenheit eingeladen. Was folgte, war kein trockener Vortrag, sondern ein zutiefst emotionales Fest der Nostalgie, der Gemeinschaft und der gemeinsamen Heimatliebe.
Schon lange vor Beginn kamen die Menschen in das Café an der Chausseestraße. Bis auf den allerletzten Platz war das Haus besetzt – der neu gestaltete Wintergarten platzte regelrecht aus allen Nähten. Rund 65 Gäste drängten sich dicht an dicht, geeint von der Neugier auf das „Gestern“.
„Mehr ging wirklich nicht mehr, logistisch wie räumlich waren wir komplett ausgebucht“, erzählte Inhaberin Sabine Stuber und Busche war sichtlich erfreut über die überwältigende Resonanz der Idee.
Bilder zu lebendigen Erinnerungen
Als die ersten historischen Aufnahmen auf der Leinwand erschienen, wurde es still im Saal. Es war ein Raunen der Wiedererkennung, das durch die Reihen ging, als die alte Zuckerfabrik, die ehrwürdige Marienkirche, das Bonhoefferhaus – in dem Busche einst noch getauft und konformiert worden war – und die vertraute Schule im Glanz vergangener Tage erstrahlten. Jedes Bild des Kriegerdenkmals, der einstigen Post, des Cafés Grupe, des Hofs Rickmann oder der Keramischen Hütte war wie ein Schlüssel zu längst verschlossenen Kammern des Herzens. Auch der stetige Wandel des markanten Kalibergs bot reichlich Stoff für nachdenkliche und erstaunte Gespräche. Das Kriegerdenkmal – einst Treffpunkt der Jugend im Zentrum von Sehnde – war dabei besonders im Zentrum.
Beim Betrachten der alten Straßenzüge und Gebäude konnte man in den Gesichtern die Rührung, die Wehmut, aber vor allem die pure Freude über das Wiedererleben der eigenen Jugend sehen.
Fliegende Milch und Klang der Heimat
Doch wo viel Erinnerung ist, da ist auch unendlich viel Leben. Die gezeigten Orte weckten persönliche Anekdoten, die das KaffeeHaus im Nu mit herzlichem Lachen erfüllten. Eine belebten den Nachmittag zusätzlich.
Das Missgeschick mit der Milchkanne
Andreas Niesel brachte den Saal zum Schmunzeln, als er haarklein vom „Milchholen“ bei Munker erzählte. Wer als Kind versucht hatte, die Milchkanne stolz im Kreis zu schleudern – und dabei den Deckel wegließ –, der wusste genau, wie die Geschichte endete.
Die Uhrzeit der Kindheit
Daniela Busche sprach wohl fast jedem im Raum aus der Seele, als sie an die unbeschwerte Ära vor Smartphones und Armbanduhren erinnerte: „Du bist zu Hause, wenn die Glocken läuten!“ Ein einziger Satz, der eine ganze Epoche von Freiheit, Vertrauen und kindlicher Unbeschwertheit nicht nur in Sehnde auf den Punkt brachte.
Gemeinschaft, die man schmecken kann

Untermalt wurde dieser emotionale Nachmittag von duftendem, frisch geröstetem Kaffee und frischem Erdbeerkuchen, der nach Sommer und Heimat schmeckte. Dass diese Veranstaltung ein echtes Herzensprojekt für die ganze Stadt war, zeigte sich auch am persönlichen Engagement der parteilosen Bürgermeisterkandidatin. Ganz bodenständig und nahbar packte sie selbst mit an, balancierte Kaffeetassen und servierte den Gästen den Kuchen persönlich an den Tischen – ein starkes Zeichen für den gelebten Zusammenhalt in Sehnde.
Ein Vermächtnis für die Zukunft
Wie tief die Sehnder mit ihrer Heimat verwurzelt sind, zeigte sich spätestens am Ende dieses bewegenden Nachmittags. Die wunderschönen Aufnahmen, die Brigitte Thomas bereits als liebevoll gestalteten Kalender zum Selbstkostenpreis anbot (SN berichtete), weckten in den Gästen einen tiefen, fast dringlichen Wunsch: Dieses kostbare Wissen, diese Schätze der Vergangenheit dürfen nicht verloren gehen.
So entstand die wunderbare Vision, die gesammelten Fakten und historischen Bilddokumente dauerhaft zu sichern – sei es in Form eines umfassenden Heimatbuches oder sogar als bewegendes Filmprojekt. „Solche Erinnerungen an unser Sehnde müssen erhalten bleiben. Es ist Kulturgut, das uns im Herzen verbindet“, so der Tenor der Teilnehmer.
Gelebte Geschichte
Dieser Nachmittag im KaffeeHaus Stuber hat bewiesen: Geschichte steht nicht nur in Büchern. Sie lebt in den Herzen der Menschen, im gemeinsamen Lachen und der Erinnerung, die uns enger zusammenrücken lassen – gestern, heute und in der Zukunft.
Beeindruckt dankten am Ende alle Gäste dem tollen Team vom KaffeeHaus. In der kommenden Woche ist es noch geöffnet, um sich mit Kaffeebeständen einzudecken und vorbeizuschauen. Danach sind auch hier die Sommerferien eingeläutet. Das Team steht dann ab dem 13. August 2026 wieder zur Verfügung. Weitere Infos zum KaffeeHaus gibt es im Internet.
Anzeige
Anzeige



