Das große Schließen – oder Aufbruch in der Mittelstraße?

27. Januar 2018 @

Nur noch drei Tage, dann schließt in der Mittelstraße von Sehnde das nächste Geschäft in diesem Jahr. Am Jahresanfang hat bereits das Lotto- und Zeitungsgeschäft am Marktplatz dauerhaft zugemacht, nun wird am 31. Januar das Geschäft „Lebensart“ von Ilona Albrecht folgen. Damit endet eine Zeit von siebzehneinhalb Jahren von Tee-, Likör- und Geschenkangeboten, die am 3. Oktober 2000 am Marktpatz begann. Ein Nachmieter ist noch nicht in Sicht, obwohl sie gesucht hat, so Albrecht, für das jetzige Ende gibt sie familiäre Gründe und die hohe Miete an.  „Ich habe das Rentenalter erreicht und keinen Nachfolger gefunden. Auch die Einrichtung eines Internet-Shops wäre keine Lösung, denn der ist viel zu teuer“, bedauert sie. Denn es gibt im Haus keinen geeigneten Internetzugang und dessen Einrichtung wäre schlicht nicht rentabel zu leisten.

Ilona Albrecht wird ihr Geschäft „Lebensart“ am 31. Januar schließen – Foto: JPH

„Ich habe dieses Geschäft gerne geführt. Erst am Marktplatz und nach fast zehn Jahren dann am jetzigen Ort“, so die Geschäftsfrau. „Wir haben hier Strickabende abgehalten, hatten viele regelmäßige Kaffee- und Tee-Runden, die jetzt am 31. Januar enden.“ Diese Schließung wird auch von ihren Kunden, von denen viele Freunde wurden, sehr bedauern. Eine Kundin der ersten Stunde sagt dazu: „Wir alle sind traurig. Ich habe damals mit den ersten Stein gesetzt, den Strickclub mitgemacht und nun ist alles zuende – kann man sich nicht vorstellen.“

Das Lotto- und Zeitungsgeschäft ist seit Januar zu – Foto: JPH

Leicht ist es Ilona Albrecht nicht gefallen, sich von ihrem Geschäft und den Kunden zu verabschieden. „Die Entscheidung für die Schließung war schwer“, so erzählt sie. „Doch als sie einmal gefallen war, hat es sich danach nicht mehr so schlimm angefühlt. Ich habe es immer gern gemacht mit viel Herzblut drin, aber nun ist es aus.“

Der Kiosk an der Mittelstraße zwischen dem „neuen“ Pronto und der ehemaligen „Rossmann-Filiale“ war bisher eigentlich nie richtig geöffnet und ist schon wieder geschlossen. Über die Gründe dafür gibt es nur Vermutungen und Gerüchte.

Wenn der Pizzadienst „Pronto“ umzieht, ist fast der komplette Block leer – Foto: JPH

Ein Gerücht zur Mittelstraße aber ist in jedem Fall falsch: Das Schmuck- und Uhrengeschäft „Solitär“ in der Mittelstraße wird nicht schließen – so hartnäckig sich diese Mär auch in Sehnde weiterverbreitet. Das könnte vielmehr in einer Geschäftsschädigung enden und zu Regeressansprüchen führen.

Auch der Marktplatz an der Mittelstraße befindet sich im Umbruch. So planen Edeka Jacoby mit der Zentrale in Minden und  die Stadtverwaltung Sehnde einen Neubau an gleicher Stelle. „Wie es genau aussehen wird, ist noch ungeklärt“, so Günter Jacoby, „aber aus meiner Sicht möchte ich mehr Verkaufsfläche und die Tiefgarage behalten und modernisieren.“ Bleiben möchte er an der Stelle auf jeden Fall, ist aber selbst unter Zeitdruck. Wesentliche weitere Gebäudeteile sind in dem Bau bereits leer, der Pizzadienst Pronto wird –irgendwann- in die ehemaligen Räume von NKD gegenüber von „Inspiration“ umziehen. Dort sollen aber wohl noch Baumaßnahmen erforderlich sein, über deren Umfang und Sachstand nichts bekannt ist.

Edeka Jacoby möchte in der Mittelstraße bleiben, will aber um- oder neu bauen – Foto: JPH

Ein Interesse am Um-oder Neubau des roten Edeka-Backsteingebäudes, das inzwischen einem deutschen Unternehmer gehört, hat auch das Rathaus. „Der Stadtrat hat die Stadtverwaltung schon vor längerer Zeit beauftragt, sich über die energetische Sanierung oder eine andere Lösung für das Rathaus Gedanken zu machen“, so ist aus dem Stadtrat zu hören. „Dabei kann es eine Sanierung am jetzigen Gebäude , ein kompletter Neubau oder eine Mietlösung sein. Möglicherweise dann auch am Marktplatz.“ Und man will in der Verwaltung gerne auch sinnvolle Synergie-Effekte nutzen. „Wir sind uns in der Zielsetzung mit Edeka einig, dass das Geschäft dort bleiben soll. Und wenn sich dann Möglichkeiten für die Verwaltung ergeben, kann man darüber nachdenken“, so Godehard Kraft, Fachdienstleiter Stadtentwicklung, Straßen und Grünflächen. Offensichtlich ist man seit Mitte 2017 „auf einem guten Weg“ bezüglich der Planungen, wie aus der Stadtverwaltung zu hören war. Wie weit ein möglicher Abriss dann gehen wird, war derzeit noch nicht zu erfahren, könnte aber am Ende sogar den Anbau mit Durchgang betreffen.

Abschließend ist bereits Mitte des Jahres 2017 das „Druckwerk“ aus der Mittelstraße, Ecke zum Großen Freien,  ausgezogen und der „Sehnder Anzeiger“ als lokales Wochenblatt wurde danach Ende 2017 eingestellt. Doch dort ist bereits ein neues Geschäft angesiedelt und hat seinen Betrieb aufgenommen – es geht also auch in die andere Richtung.

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