Storchbestand in der Region boomt – „Treffen“ auf Sehnder Acker

29. August 2019 @

„Derartige Zahlen hat es in dem Gebiet der heutigen Region Hannover in den vergangenen 75 Jahren nicht gegeben!“, mit diesen Worten kündigte Dr. Reinhard Löhmer, ehrenamtlicher Beauftragter für die Weißstörche, seinen Bericht über den hiesigen Bestand der Schreitvögel an. Mit 73 Brutpaaren (Vorjahr: 61) und 159 Jungen (Vorjahr. 114) habe es eine „Boom“ im Bestand gegeben.

Auffällig für den Experten ist, dass immer mehr jüngere, zweijährige Störche schon zur Brut schreiten: „Diese Frühreife hat die Anzahl der Brutvögel erhöht und ist ein Beleg dafür, dass Biologie nicht statisch ist, dass es immer wieder auch Veränderungen gibt.“

Den Störchen gefällt es offensichtlich noch in Sehnde – Foto: B. Teiß

Erstmals seit vielen Jahren waren nach der Brutsaison 2018 auch alle „Überwinterer“ abgezogen – selbst das Brutpaar in Bokeloh, das seit über 15 Jahren immer vor Ort zurückgeblieben war. Ursache für den Exodus aller Störche war einmal mehr die Trockenheit. Im Winter ernähren sich Störche hauptsächlich von Regenwürmern. Bei der trockenen Witterung waren diese aber kaum an der Oberfläche und konnten nicht in hinreichender Menge gesammelt werden.

Es gab fünf Horst- Neugründungen in Garbsen-Horst, in Gehrden-Ditterke, in Hannover-Döhren (Süd) und in Wunstorf-Kolenfeld (Nord) sowie in Mesmerode (Nord).  Ein Paar ließ sich in Dollbergen (Uetze) auf dem seit 2003 verwaisten Horst auf der Kirche nieder.

Die „Frühbrüter“ hatten schon in der letzten April-Dekade Junge. Sie sind ab Anfang Juli ausgeflogen. Die übrigen Paare haben je nach Ankunft bis Mitte Mai mit der Brut begonnen. Nach einer Nestlingszeit von jeweils 60 bis 65 Tagen waren auch die übrigen Jungen flügge. Inzwischen sind die meisten Störche abgezogen. In der Region Hannover hat sich Anzahl aller Brutpaare (mit und ohne Junge) auf nunmehr 73 erhöht – zwölf mehr als 2018. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 16 Prozent und ist populationsbiologisch gesehen ein beachtlicher Sprung!

Durch die Trockenheit während der Jungaufzucht stand der Regenwurm weniger zur Verfügung. Dafür gab es aber die Feldmaus in großer Anzahl! Mäusejahre sorgen auch bei den Störchen bekanntermaßen für einen guten Bruterfolg. Ab Mitte der Saison konnte man die Störche außerdem dabei beobachten, wie sie im Grünland Heuschrecken von den Grashalmen gesammelt haben.

In Sehnde, Lehrte, Uetze und Burgdorf haben sich die Störche auch prächtig gehalten. So gab es in

  • Burgdorf 2 Brutpaare mit 5 Jungen
  • Lehrte 4 Brutpaare mit 11 Jungen
  • Sehnde 2 Brutpaare mit 5 Jungen
  • Uetze 5 Brutpaare mit 10 Jungen

Aber auch sonst haben sich die Störche in Sehnde offenbar wohlgefühlt, wie ihr Besuch am gestrigen Mittwoch an der B 443 zwischen dem Bahndamm und der Straße zeigt. Offensichtlich versammeln sie sich jetzt, um demnächst die Reise in den Süden anzutreten. Danke an unseren Leser Bernhard Teiß für das tolle und hier in der Gegend durchaus seltene Foto.

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