„Azubi Take Off“: Im Flugsimulator mit der Vorgesetzten

6. Februar 2018 @

Nahezu jede vierte Ausbildung in der Region Hannover wird abgebrochen. Die Gründe dafür liegen oftmals nicht im fehlenden Knowhow, sondern an den sozialen Rahmenbedingungen: die Kommunikation zwischen Ausbilder und Azubi fehlt, Absprachen werden fehlinterpretiert, die Feedbackkultur funktioniert nicht oder fehlt gar ganz. Das Ergebnis: Unzufriedenheit – nicht nur auf Seiten des Azubis, sondern auch auf der Seite des Ausbilders und des Unternehmens. Das Projekt „Azubi Take Off“ setzt genau da an, wie Ulf-Birger Franz, Wirtschaftsdezernent der Region Hannover, erläutert: „Der Knotenpunkt zwischen Ausbilder beziehungsweise Ausbilderin und den Auszubildenden ist die Kommunikation: wenn diese nicht oder nicht gut funktioniert, werfen viele Auszubildende in der Region Hannover das Handtuch. An diesem Problem anzusetzen, hilft beiden Seiten. Es verringert die Abbruchquote, stärkt die Teamarbeit und das Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmen und Auszubildenden.“

Heben zusammen ab: Sonja Brünnecke (l.), Ausbildungsleiterin bei der Firma Getec, mit ihrer Auszubildenden Naemi Mevert im Flugsimulator. – Foto: Region Hannover

Für das Projekt „Azubi Take Off“ ist die Luftfahrtbranche Vorbild. Hier agieren alle Beteiligten nach klaren Kommunikationsregeln. „Um optimal arbeiten zu können, müssen sich im Cockpit die Crewmitglieder stets aufeinander einlassen und verlassen. Wenn es klare Regeln in der Kommunikation gibt, gibt es weniger Missverständnisse, weniger Reibereien untereinander und damit auch weniger Fehler und Stress“, sagt Horst Sobisch, Geschäftsführer der Firma „Sim&Learn“.

Bereits zum vierten Mal ist Sim&Learn Projektpartner der Wirtschaftsförderung der Region Hannover. Die ersten Projekt dieser Art sprachen gezielt Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen an mit dem Ziel, soziale Kompetenzen wie Team- und Kritikfähigkeit, Konzentration und Selbstbewusstsein zu fördern. Der Erfolg war groß, Unternehmen wurden auf das Projekt aufmerksam. In der nun vierten Runde, die unter dem Namen „Azubi Take Off“ läuft, steigen Ausbilder gemeinsam mit ihren Azubis in den Flugsimulator. Dabei geht es darum, neue Wege der Gesprächskultur zu finden: Wie sehen strukturierte Übergaben aus? Was unterscheidet ein objektives Feedback von einem Bewertungsgespräch? Wie lerne ich, Fehler von anderen, vielleicht sogar vom Vorgesetzten, anzusprechen? Dabei verbessert sich nicht nur die Kommunikation untereinander, auch das Team geht mit gestärktem Vertrauen zueinander zurück an den Arbeitsplatz. Die Trainings sind in vier Module geteilt: ein Modul für die Ausbilderinnen und Ausbilder der Unternehmen, zwei Module für die Azubis und im Anschluss ein gemeinsames Modul.

Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Region Hannover und der Handwerkskammer Hannover möchte Sobisch gerne weitere Unternehmen für eine Teilnahme im Jahr 2018 gewinnen. Interessierte Unternehmen können sich unter der Telefonnummer 0511/616 23 432 oder der E-Mailadresse leena.wilke [at] region-hannover [dot] de bei Leena Wilke melden und sich informieren.

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