Gut informiert in die Entscheidung zu Sehnde-Ost: SPD-Fraktion besucht Delticom

Im Zuge der erhitzten Debatten um das geplante Gewerbegebiet Sehnde-Ost mit der Ansiedelung des Reifenlogistikers Delticom hat sich die SPD-Fraktion des Stadtrates vor Ort bei der Firma in Höver informiert. Nicht dabei: die sich bereits positioniert habenden B90/Grünen, die eigentlich mit der SPD eine Fraktionsgruppe im Stadtrat bildeten. Gründe dafür wurden nicht genannt, aber im Gegenzug war der parteilose Hartmut Völksen mit dabei, der auch die Zahlen und Fakten wissen wollte.

Interesse an Daten und Fakten
Die SPD-Fraktion informierte sich vor Ort und wurde von Alexander Eichler (li.vo.) begrüßt – Foto: JPH

Begrüßt wurde die Gruppe von Delticom-Vorstand für Logistik, Alexander Eichler,  und dem Investor für die Anlage in Sehnde-Ost, Dr. Steven Engler. Sie gaben zunächst einen Überblick über die Zahlen, die die Politiker besonders interessierten. Wenn man von rund 275 zusätzlichen LKW-Fahrten durch das Gewerbegebiet Sehnde-Ost bei Rethmar spricht, so seien davon lediglich rund 50 der Firma Delticom zuzuordnen. Die übrigen, als Spitzenzahl errechneten Fahrten fänden zumindest von Delticom gar nicht statt. Angeliefert werden die Reifen in geringer Fahrtanzahl vom Mega-Hub in Lehrte und über den Seeweg Rotterdam oder Hamburg. In Spitzenzeiten kämen allerdings etwa 20 000 Reifen pro Tag an, die in 20 bis 25 LKW an die Entladebrücken fahren. Normale Werte seien aber drei bis zehn Lastzüge zur Anlieferung. Keiner steht davon länger als zwei Stunden beim Entladen.

LKW nutzen nicht die B 65
Rund 460 000 Reifen lagern hier – Foto: JPH

Die Reifen und Felgen werden  dann  in der Halle kommissioniert, verpackt und wieder für den Abtransport eingeladen. Da jeder Trailer etwa 1000 Reifen aufnimmt, würden sich zur Anlieferung bis zu 30 Abholungsfahrten pro Tag addieren. „Und die müssen gar nicht zur Autobahn“, erklärte  Eichler den überraschten Politikern. „Wir sind mit dem neuen Standort in der Lage, direkt ohne Nutzung der B 65 die Reifen nach Lehrte zu schaffen. Dort werden sie dann ins Güterverteilzentrum der DPD gebracht, wo die Lieferungen an die Empfänger zusammengestellt werden. Wir liefern im Grundsatz nur an Sortierzentren.“ Eine Nutzung der B 65 ist überhaupt nicht notwendig, so der Logistik-Chef weiter, denn mindestens 75 Prozent der Fahrten nehmen nur diesen Weg. „Insofern ist das Gewerbegebiet Sehnde-Ost mit der KES und dem Kreisel zur B 443 ein echter Glückfall für uns“, erklärt Eichler. Derzeit lagern in Höver rund 460 000 Reifen, neben den verschiedenen PKW- und LKW-Größen auch Motorrad- und Fahrradreifen. Die Delticom-Hallen in Höver umfassen dabei nur noch die Hallenbereiche 3 bis 6, die Hallenteile 1 bis 3 hat MAN bereits übernommen.

Auch ein weiteres Gerücht räumte Eichler ab: „Wir haben hier 30 eigene Mitarbeiter, keine Ausländer oder Billigkräfte – wie behauptet wurde – und ergänzen sie in der Saison mit bis zu 30 Zeitarbeitern aus dafür zugelassenen Firmen. Die Arbeit läuft regelmäßig in einer Schicht, im Sommer manchmal in zwei und im Winter in drei.“

„Musteranlage“ in Sehnde geplant
Nach der Kommisionierung geht es wieder in die Auflieger – 1000 je Zug – Foto: JPH

In Sehnde ist als Neubau ein Musterkomplex für nachhaltige Logistik geplant. So sollen die Hallen mit eigenem Strom aus 27 000 Quadratmeter Photovoltaik versorgt werden. Die Heizung verzichtet auf fossile Brennstoffe und nutzt die Geothermie und zusätzlich Fernwärme. Nur die Hallen- und Bürofläche wird versiegelt, der Rest wird bis auf Stellflächen für LKW wasserdurchlässig als Grünfläche geplant. „Der Faktor ist mit 0,6 kleiner als im B-Plan vorgesehen“, so Dr. Engler. „Die Kleinunternehmen dort haben eine Vorgabe von 0,8! Der Zertifizierungsstandard für Hallen nach BGNB ist derzeit für Sehnde-Ost bei Gold für die Anlage, die Zeichen gehen aber eher schon zu Platin.“ Und er nennt den B-Plan der Stadt Sehnde den „restriktivsten, den ich bisher erlebt habe“. Nach der Begrünung um das geplante Gelände werden von der Halle wohl eher nur die Solardächer am Ende sichtbar bleiben.

Auch Home Office ist für die Verwaltung geplant. Nach den Erfahrungen aus der Corona-Zeit will die Firma ein flexibles System entwickeln, bei dem 40 Prozent der möglichen Arbeitsplätze Präsenzplätze sind und 40 Prozent als Home Office laufen.

Zahlreiche Fragen der Besucher drehten sich um eben diese Verkehrs- und Umweltbelastung, die aber alle der Bewertung zufolge offen, ehrlich und plausibel beantwortet wurden.

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