Namenssuche für das Sportzentrum in Sehnde: Vorschlag „Gerda-Wassermann-Sportzentrum“

Alle großen Sportarenen und –zentren haben einen besonderen Namen. Entweder heißen sie nach einem Sponsor, der sich die Namensrechte langfristig gegen Geld gesichert hat oder sie tragen die Namen bedeutender – oft historischer – Personen oder aus lokaler Natur. Nun muss man sich für das neue Zentrum an der Chausseestraße auch einen geeigneten Namen einfallen lassen. „Waldstadion“ ist ja bereits belegt.

Fritz Wilke schlägt einen Namen fürs neue Sport-Zentrum vor – Foto: Wilke/Archiv

Dazu hat sich der derzeit parteilose Stadtrat Fritz Wilke aus Ilten bereits umfangreiche und nachvollziehbare Gedanken gemacht. Er regt an, das Zentrum einer ehemaligen jüdischen Einwohnerin von Sehnde zu widmen, Sie hat Vernichtungslager überlebt und wurde den Angaben zufolge auch noch nach ihrer Rückkehr nach Sehnde angefeindet: Gerda Wassermann.

Warum Gerda Wassermann?

Zu seinem Vorschlag der Namensgebung sagt Wilke: „Meiner Meinung nach ist genau das der richtige Ort für das unauffällige Gedenken. Ein Ort an dem überwiegend junge Leute und Schüler unterwegs sind und die ruhig wissen sollen, dass es auch in Sehnde eine NS-Vergangenheit gegeben hat. Es ist sicher gut auf diese Weise recht dauerhaft zu mahnen und auf ein Unrecht aufmerksam zu machen, dass so nie wieder in Deutschland geschehen soll. Ich halte es für sinnvoller, als an historisch bedeutsamen Tagen, während der üblichen Rede, ein paar Mal betroffen mit dem Kopf zu nicken.“ Zumal, so Wilke weiter, die KGS sich ja auch „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und in ihrem Leitbild auf die Grundprinzipien der Toleranz beruft. Da die Turnhalle regelmäßig durch Schüler genutzt wird, wäre dies auch ein Zeichen an sie, dass man ihr Bekenntnis ernst nimmt.

Warum nicht eine andere jüdische Familie?
Welchen Namen wird das Zentrum erhalten? – Foto JPH

Von allen Sehnder Juden und Jüdinnen hat es laut Wilke die Sehnderin Gerda Wassermann mit am härtesten getroffen. Sie verlor die Familie, wurde in drei KZs gesperrt und hat diese plus einen Todesmarsch überlebt. „Nachdem sie das überstanden hatte, kehrte sie nach Sehnde zurück und es schlug ihr immer noch der gleiche Hass entgegen“, begründet Wilke seinen Vorschlag. „Dieser Umstand veranlasste sie, ihre Heimat erneut zu verlassen und nach Amerika auszuwandern. Ich denke, das dieses Schicksal stellvertretend für alle anderen aus dem heutigen Sehnde stehen kann.“ Dazu kommt den Angaben von Wilke zufolge, dass es auch am besten recherchierte Leben ist – und sogar in einem Buch dokumentiert wurde. „Das macht auch eine Einbindung des Themas in den Unterricht in der Schule gut möglich. Das macht Geschichte hautnah und vor Ort erlebbar“, sagt das Stadtratsmitglied. “ Hier kann die Stadt Sehnde ein gutes Zeichen setzen und klare Kante gegen rechts zeigen.“

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