Landeskriminalamt Niedersachsen stellt neues XR-Lab für die digitale Tatortarbeit vor

Das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA Niedersachsen) hat mit dem neuen XR-Lab im Kriminaltechnischen Institut (KTI) eine zukunftsweisende Plattform für die digitale Tatortarbeit geschaffen. Im Mittelpunkt steht die Erstellung eines digitalen Zwillings von Tatorten als zentrale Arbeits- und Analyseumgebung, in der sämtliche an einem Tatort gesicherten Spuren, Daten und Dokumentationen in einem gemeinsamen räumlichen und zeitlichen Kontext zusammengeführt werden. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens informierte sich am Donnerstag, 24.09.2026, über das Projekt und die neuen technischen Möglichkeiten.
XR steht für Extended Reality und ist ein Sammelbegriff für Techniken, die reale und virtuelle Umgebungen miteinander verschmelzen. Die niedersächsische Ministerin für Inneres, Sport und Digitalisierung, Daniela Behrens, sagte bei der Vorstellung: „Im XR-Lab im LKA kann die Polizei analoge Tatortdaten und digitale Spuren wie Informationen aus Mobiltelefonen oder Fahrzeugdaten verknüpfen und Tathergänge, räumliche, zeitliche und inhaltliche Zusammenhänge sichtbar machen. Damit werden komplexe Tatorte millimetergenau begreifbar – unvergänglich, hochpräzise und interaktiv, wodurch sie noch Monate nach einem Ereignis aus jedem erdenklichen Blickwinkel wieder und wieder begehbar werden.“
Spuren zusammenhängend darstellen
Mit dem XR-Lab verfolgt das LKA Niedersachsen das Ziel, Ermittlungs- und Spurenzusammenhänge ganzheitlich abzubilden und damit einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung und Digitalisierung kriminaltechnischer Prozesse zu leisten. Dafür werden unterschiedliche Datenquellen – etwa Laserscans, Photogrammetrie, Internet of Things-Daten, Spurensicherungsdaten sowie Dokumentationen und objektive Befunde – miteinander verknüpft und den tatsächlichen Fund- und Wirkorten räumlich und zeitlich zugeordnet. Dadurch verbessern sich Analysierbarkeit, Nachvollziehbarkeit, Kommunikation und Präsentation komplexer Sachverhalte erheblich.
LKA-Präsident Thorsten Massinger sagte bei der Vorstellung: „Mit dem XR-Lab schaffen wir eine Arbeitsumgebung, die die Tatortarbeit unserer Ermittlerinnen und Ermittler grundlegend verändern wird. Wir führen erstmals alle am Tatort erhobenen Daten in einem gemeinsamen digitalen Raum zusammen – das ist ein echter Meilenstein für die Kriminaltechnik in Niedersachsen.“
Praxis in das Projekt eingearbeitet

Seit dem Projektstart wurden zentrale Kernfunktionen früh umgesetzt und sichtbare Ergebnisse erzielt. Ermöglicht wurde dies durch ein leistungsstarkes Kernteam aus Polizeibeamten, Medientechnikern sowie IT-Experten aus den Bereichen XR-, 3D- und Softwareentwicklung. Begleitet wird das Vorhaben durch den InnovationHub der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD) sowie durch den regelmäßigen fachlichen Austausch mit der Kriminalfachinspektion 5 des Zentralen Kriminaldienstes Hannover (ZKD Hannover), die praxisnahes Feedback in das Projekt einbringt.
Leiter des Kriminaltechnischen Instituts Dr. Christian Vidal erläuterte: „Der digitale Zwilling des Tatortes ermöglicht es uns, Spuren und Beweise so abzubilden, wie sie tatsächlich aufgefunden wurden – räumlich, nachvollziehbar und jederzeit wieder aufrufbar. Das eröffnet unserer Ermittlungsarbeit ganz neue Möglichkeiten der Analyse und Präsentation.“
Infrastruktur angepasst
Im Zuge des Projekts wurde die technische und räumliche Infrastruktur des LKA Niedersachsen stetig ausgebaut. Dazu zählen der Aufbau einer XR-Fläche als Entwicklungs-, Demonstrations- und Arbeitsumgebung sowie die Installation eines Motion-Capture-Systems zur präzisen Echtzeitintegration von Bewegungsabläufen.
Zudem wurde der Bereich Kriminaltechnik des ZKD Hannover mit einem Laserscanner und einer für die Photogrammetrie optimierten Kamera ausgestattet, um bereits am Tatort qualitativ hochwertige 3D- und Bilddaten zu erheben.
An der Umsetzung waren neben dem KTI auch die Abteilung 1 Recht, Verwaltung sowie Führungs- und Einsatzmittel des LKA Niedersachsen beteiligt. So ist es gelungen, das Projekt in weniger als einem Jahr ab Projektstart umzusetzen. Das Projekt ist in das Dezernat 54 – Forensische Medientechnik / IT-Forensik integriert.
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