Leserbrief: Ein ganz schlechter Tag für Sehnde

Zu dem Beschluss des Sehnder Stadtrates zum Gewerbegebiet Sehnde-Ost und weiterer Bauvorhaben erhielten wir einen Leserbrief der Pressesprecherin der Sehnder Nabu-Gruppe. Sie macht sich große Sorge um die Natur in der Stadt.

>>In seiner letzten Sitzung hat der Rat die weitere Versiegelung riesigen Ausmaßes beschlossen – Sehnde-Ost in Rethmar für den Logistiker Delticom, Maschwiese-Nord, Keramische Hütte–Ost, Südtorfeld… Im Falle des Gebietes Sehnde-Ost stimmten die SPD-Mitglieder geschlossen dafür, in der CDU gab es Gegenstimmen und die Grünen stimmten geschlossen dagegen.

Leserbrief zum Gewerbegebiet Sehnde-Ost – Foto: JPH

In den letzten zwei Jahren wurden Entscheidungen durch den Stadtrat beschlossen, die Flächen von ca. 30 Hektar dauerhaft versiegeln – das bedeutet Vernichtung von Boden! Das widerspricht eklatant der UN-Dekade der Wiederherstellung der Ökosysteme und damit dem Ziel der Umweltschonung genauso wie der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes, des Landes und dem sogen.Niedersächsischen Weg. Demnach dürfte Sehnde nur etwas mehr als zwei Hektar pro Jahr  versiegeln.

Ein zehnjähriger Junge fragte nach den Ratsentscheidungen: “Woher soll unser Essen kommen, wenn so viele Äcker versiegelt werden?“
Eine sehr gute Frage – die Antwort ist ungewiss … Unsere Lebensgrundlagen kommen momentan durch die Politik in der Stadt stark unter Druck. Und damit ist nicht die finanzielle Situation der Stadt gemeint, sondern die Ökosysteme – die echte Welt um uns herum.

Insbesondere der Boden ist wortwörtlich Grundlage des Lebens. In einer Handvoll Boden leben mehr Organismen als Menschen auf der Erde. Die Menschen unserer Stadt sind angewiesen auf sauberes, ausreichend vorhandenes Grundwasser, auf frische, ungiftige Luft zum Atmen, auf kühlende und gesundheitsfördernde Wälder und Stadtbäume und auf unsere gesunden und ertragreichen Börde-Ackerböden. Diese echten Lebensgrundlagen stehen momentan immer noch in der Gunst der Politiker*innen hinten an.

Auch die Wiedergutmachung (Ausgleichsmaßnahmen) für die Versiegelung wird nicht immer korrekt behandelt. Im Falle des heftigen Eingriffs in die Umwelt für Sehnde Ost ist die von der Stadt bereitgestellte Ausgleichsfläche nicht im zugesicherten Zustand, der Umweltbericht verfehlt das Bodenziel um eine ganze Wertstufe an Ausgleich. Ebenso beim Grundwasser. Ein Einzelfall?

Solange die Belange des Natur- und Klimaschutzes vom Rat der Stadt Sehnde weiter so entschieden „weggewogen“ und dem vermeintlichen Wohl des städtischen Geldbeutels geopfert werden – solange ist unsere Zukunft ernsthaft in Gefahr.

Um eines klarzustellen: Die Verwaltung versucht ihr Bestes und ist nicht Ziel der Kritik – es geht um die politischen Entscheidungen. Der Rat bestimmt das Handeln der Verwaltung. So sieht es die Verfassung vor. Zu viele Sehnder Politiker*innen haben immer noch nicht begriffen, dass ein bloßes „Weiter-So!“ wie bisher nicht mehr funktioniert. Die alten Antworten – wachsen, zubauen, weiterwachsen, noch mehr zubauen – funktionieren auf einem endlichen Planeten nun nicht mehr. Die Klima- und Artensterbenkrise verlangen neue Ideen und Kreativität, um unsere Stadt für die Zukunft nachhaltig aufzustellen und zu erhalten.

Solange das nicht verstanden wird, bleibt es dringend notwendig, dass die Bürger*innen sich intensiv in die Planungen einbringen und nicht wieder verstummen. Einige wenige Ratsmitglieder haben verstanden – einsame Rufer in der Wüste – aber haben genau diese wenigen Beherzten nicht immer letztendlich doch die Welt verändert?<<

Die Redaktion weist darauf hin, dass der Inhalt der Leserbriefe die Ansicht der Einsender wiedergibt, die mit der Meinung der Redaktion nicht unbedingt übereinstimmt. Kürzungen behält sich die Redaktion vor.

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