Von Prinzessinnen und Kerlen – wie prägen wir das Bild?

Zu einem Vortrag über genderneutrale Erziehung war am Mittwochabend, 02.01.2020, der Ratssaal der Stadt Sehne um 19 Uhr geöffnet worden. Dort hatten die Stadtmitarbeiterinnen Anja Hettling, Katharina Strauß und Jennifer Glandorf einen Vortrag mit der Referentin Dr.in  Kerstin Büschges zum Thema organsiert.

Die erste Stadträtin Bettina Conrady (re.) begrüßte Dr. Kerstin Büschges – Foto: JPH
Begrüßung durch die Erste Stadträtin

Etwa 65 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, darunter (nur) fünf Männer, begrüßte die Erste Stadträtin Bettina Conrady. Sie dankte den Organisatorinnen für ihre Arbeit und übergab dann das Publikum an die Referentin. Die stellte sich erst einmal etwas ausführlicher vor, was aber auch gleich in das Thema einleitete. Dr. Kerstin Büschges ist unter anderem als Coaching- und Gender-Trainerin tätig, hat Kunst studiert und lebte danach in England, wo sie auch ihren Doktortitel erwarb. „In meinem Vortrag will ich etwas Licht ins Dunkel des Geschlechter-Wirrwarrs bringen, trete aber nicht als Missionarin auf“, stieg sie in den Vortrag ein.  „Dabei wird es sich nicht um einen kompletten Diskurs handeln, sondern ich will mich auf zwei Punkte der Kindererziehung konzentrieren. Sie haben Bezug zum Alltag.“

Zunächst musste die Zuhörerschaft aber drei Namen auf die auf den Stühlen bereitliegenden Karten schreiben: den eines Sportlers, den eines Künstlers und den eines Politikers. „Darauf kommen wir nachher zurück“, versprach sie. Und begann mit ihrer Definition des etwas sperrigen Themas Genderneutralität: „Es ist die Möglichkeit, Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen“, lautet in einfachen Worten ihre Definition für den genderneutralen Umgang mit Kindern. Dabei kommt sowohl der Sprache als auch den Bildern eine Schlüsselrolle zu.

Dr. Büschges sprach über die Schlüsselfunktionen Sprache und Bilder – Foto: JPH
Schlüsselfunktion 1: die Sprache

Die Sprache ist gleichermaßen das Spiegelbild als auch Erschafferin unserer Realität und Wirklichkeit. Sie ist daher der wichtigste Punkt beim Umgang mit Kindern. Sie schreibt etwas und jemandem Eigenschaften zu – oder klammert sie aus. An dieser Stelle kam sie auf die Zettel zurück und zeigte sich nicht verwundert, dass man bei Sport und Kunst im wesentlichen männliche Namen notiert hatte, bei der Politik mehrheitlich einen weiblichen. „Da hat Frau Merkel mal wieder gewonnen“, stellte sie fest. Das Ergebnis liegt im statischen Mittel und ist keine Besonderheit. Der nächste Punkt war die Anrede von Gruppen, die zu der Frage führte: „Wer fällt dabei heraus und wie stellt sich das für Kinder dar?“ Demzufolge bedeute gendersensible Sprache vor allem Eindeutigkeit, Repräsentation und Anti-Diskriminierung.

Schlüsselfunktion 2: Bilder

Im zweiten Schlüsselbereich sprach sie über die „Wirkmacht der Bilder“. Dabei werden typische Vorurteile dargestellt: Mädchen gehen shoppen, sind niedlich, lieben Pferde, haben Puppen und tragen rosa. Bei den Jungen dagegen heißt es sie sind aktiv, nutzen Werkzeug, treiben Sport und verstehen Technik. Oder kürzer: Jungs sind „dynamisch“, Mädchen „sehen gut aus“.  John Berger, britischer Autor und Künstler, formuliert es so: Männer agieren, Frauen erscheinen. „Und so sehen sich Frauen auch selbst“, meinte Büschges. „Sie sehen sich immer mit den Augen der anderen. Und werden deshalb auch so behandelt.“ Mehr oder weniger in allen Kulturen. Das wirkt sich natürlich auf Kinder aus, die die Welt und Kultur auch und vor allem durch Bilder und Rollen zuhause wahrnehmen.

Auch auf diesem Gebiet gilt es also, Genderneutralität herzustellen – inklusive in den Werbungsbildern. Was also kann man zuhause tun? Tipps dazu gibt es in lockerer Form auch auf dem Youtube-Kanal von „Pink Stinks“, von dem Dr. Büschges unter anderem auch den Rap-Song „Wir wollen sichtbar sein“ im Vortrag spielte. Wichtig ist und bleibt aber immer das Überprüfen der eigenen Sprache und Handlung.

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