Mehr als 500 Teilnehmer bei DGB Maifeier auf Lehrter Rathausplatz

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(Bild oben: Die Kundgebung begann mit einer Andacht – Foto: DGB)

Der 1. Mai ist als Tag der Arbeit fester Bestandteil im Kalender der Lehrter Gewerkschafter. Nach zwei pandemiebedingten Jahren hat es in Lehrte 2022 wieder eine überaus gute Teilnahme an der DGB Maikundgebung gegeben. Mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren auf den mit bunten Transparenten und vielen Infotischen bestückten Rathausplatz gekommen.

Die Maikundgebung begann wie im vergangenen Jahr auch mit einer ökumenischen Andacht, die Pastorin Beate Gärtner und Pfarrer Franz Kurth gestalteten. Als der DGB Kreisvorsitzende Reinhard Nold nach der Andacht die Veranstaltung eröffnete, stellte er den Ukraine-Krieg in den Mittelpunkt. Nold verurteilte „die kriegerische Aggression Russlands auf das Schärfste“. Der Krieg stelle „einen beispiellosen Angriff auf die europäische Friedensordnung dar, die auf Freiheit, Menschenrechten, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit basiert“, sagte Nold. Die Solidarität der Gewerkschafter gehöre den bedrohten Menschen in der Ukraine, aber auch „den Menschen in Russland und Belarus, die sich mutig gegen diesen Krieg stellen und damit Verfolgung und Repression in Kauf nehmen“. Wir sagen „ja“ zu einer besseren Ausrüstung für die Bundeswehr, aber „nein“ zu einer Aufrüstung. Denn keine militärische Friedenssicherung darf zulasten des sozialen Friedens erkauft werden“, bekräftigte der Gewerkschafter. Allerdings ist der soziale Frieden ohne entsprechende Absicherung nach außen nicht denk- und machbar.

Fachkräftemangel als Thema

Auf großes Interesse traf auch die Rede von Andrea Jeschke Gesamtpersonalratsvorsitzende der Stadt Lehrte. Sie thematisierte den jahrelangen vergeblichen Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Bezahlung im Erziehungs- und Sozialdienst. Sie komme sich vor wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, sagte Jeschke. „Der Wecker klingelt, und es ist wie all die Jahre davor – wir müssen für die Durchsetzung unserer Rechte ständig auf die Straße gehen, um für die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen, finanzielle Anerkennung und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel zu kämpfen!“ Sie wache auf – und nichts sei passiert. So habe es bei den gegenwärtigen Tarifverhandlungen auch in der zweiten Runde „kein wirkliches Angebot seitens der Arbeitgeber“ gegeben.

Frieden überall „gleichstellen“

Der Hauptredner Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker, sprach über den Ukraine Krieg und den Klimawandel. Mit Blick auf die Ukraine meinte von Weizsäcker, „Beschimpfungen interessieren und treffen Putin nicht. Vielmehr müsse man mi Afrika und China reden, um herauszufinden, was man für den Frieden tun könne. Denn die Menschen in den arabischen, afrikanischen und asiatischen Regionen empfinden, dass die Europäer und Amerikaner bei ihren Reaktionen und Sanktionen auf gewaltsame Ereignisse mit zweierlei Maß messen. Werden dort Menschen getötet, macht das nichts, aber wenn hier weiße Westler sterben ist gleich die Hölle los“, meinte von Weizsäcker.

Ekkehard Bock-Wegener (stellvertretender Bürgermeister), Professor Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (Umweltwissenschaftler), Thordies Hanisch (SPD/MdL) und Matthias Miersch (SPD/MdB) – Foto: DGB

Beim Klimaschutz forderte von Weizsäcker, der mit der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg befreundet ist, sich ausnahmslos von fossilen Energieträgern unabhängig zu machen. „Für die Bewältigung der Probleme in Zeiten der Transformation mit Arbeitsplätzen sowie mit Preisanstiegen bei Energie und Ernährung haben wir in Deutschland zum Glück starke Gewerkschaften, die für ihre Aufgaben weiter gestärkt werden müssen“, unterstrich er.

Mehr Gleichstellung

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lehrte, Frau Dr. Freya Markowis fordert mehr Gleichstellung und gleiche Bezahlung für Frauen. In Ihrer Rede arbeitete Sie die Ungleichheiten heraus. Sie sagte: „Einkommen und Rente, Zeit für Sorge- und Erwerbsarbeit sowie Chancen auf beruflichen Aufstieg sind noch immer ungleich verteilt.“ Ihr Fazit: „Unsere Gesellschaft steht vor alten und neuen Aufgaben, die gleichstellungspolitische Schritte nach vorne unabdingbar machen. Demokratie ohne Gleichstellung ist undenkbar.“

Neben den Reden konnten die Teilnehmer dem Gesang von Christian Prescher lauschen, Kaffee und Kuchen sowie Bier und Bratwürstchen zu sich nehmen und mit den Kindern an einem Spielparcours mit Eierlaufen, Sackhüpfen, Glücksrad drehen und Torwandschießen teilnehmen. 

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