Interview zur Bürgermeisterwahl am Sonntag: Daniela Busche (Parteilos, SPD unterstützt) – „Fünf von zehn plus 1“

Interview zur Bürgermeisterwahl am Sonntag: Daniela Busche (Parteilos, SPD unterstützt) – „Fünf von zehn plus 1“
Der "Kampf ums Rathaus" geht in die finale Runde - Foto: JPH
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Im Rahmen unserer Reihe „Fünf von Zehn – plus 1“ erscheint in den kommenden drei Tagen jeweils ein Gespräch mit einem Bürgermeisterkandidaten für Sehnde. Am zweiten Tag geht es weiter mit Daniela Busche, der parteilosen Kandidatin aus Sehnde, die von der Sehnder SPD unterstützt wird. Aus Informationsgründen für unsere Leser haben wir das Gespräch vom16.12.2025 nicht gekürzt.

Persönliche Ziele für die Wahlperiode

Sehnde-News: Fangen wir mit Ihren persönlichen Zielen für die Wahlperiode an. Was möchten Sie erreichen, wenn Sie Bürgermeisterin werden?

Daniela Busche: Ich habe acht Ziele, die meine Vision für die Stadt prägen.

Starke Gemeinschaft fördern

Ich möchte mehr Begegnungsorte für Jung und Alt schaffen. Mein Ziel ist es, in Sehnde ein Familienzentrum aufzubauen und langfristig zu etablieren. Die bisherigen Angebote reichen leider nicht aus. Hier soll eine Vernetzung von Generationen und Lebensphasen geschehen. Ich sehe hier auch Vereine und Institutionen, die Hand in Hand arbeiten. Der Fahr- und Reparatur-Service, Flüchtlingshilfe und Krabbelgruppen.

Ebenso wichtig ist es, ehrenamtliches Engagement sichtbar zu unterstützen und wertzuschätzen. Denkbar wäre beispielsweise ein zusätzlicher Veranstaltungstag in Sehnde zum Tag des Ehrenamtes. Ohne die vielen Ehrenamtlichen wäre das gesellschaftliche Leben in unserer Stadt deutlich ärmer – nicht nur in den Sportvereinen, sondern vor allem auch in sozialen Einrichtungen und Unterstützungsangeboten für hilfebedürftige Menschen, etwa bei der Tafel.

Bildung und Jugend stärken

Die Angebote für Berufsorientierung, Freizeit und Kultur für Jugendliche sollen weiter ausgebaut werden. Neben dem KiJu-Treff muss es weitere Möglichkeiten geben, die jungen Menschen ansprechen – mit Bewegung, Unterhaltung und festen Anlaufstellen. Auch der Kinder- und Jugendbeirat muss gestärkt beziehungsweise endlich wieder ins Leben gerufen werden. Junge Menschen sollen die Möglichkeit haben, sich demokratisch zu beteiligen, ihre Stimme einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Dafür braucht es mehr Sichtbarkeit, gutes Marketing und eine klare Vorbildfunktion.

Wirtschaft und Arbeitsplätze entwickeln

Lokale Unternehmen sollen gefördert, neue Unternehmen gewonnen und dafür entsprechenden Platz zur Verfügung gestellt werden. Wichtig sind bezahlbare Flächen für Unternehmensgründungen, um langfristig Gewerbesteuereinnahmen zu generieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Gegebenenfalls kann ein Konzept zur Unternehmensgründung mit Standort in Sehnde entwickelt werden. Gründerinnen und Gründer sollen durch Beratung und die passende Infrastruktur unterstützt werden. Gleichzeitig müssen ansässige Unternehmen die Möglichkeit erhalten, im Ort zu expandieren.

Auch die Unterstützung und Betreuung bereits lange ansässiger Unternehmen ist wichtig. Regelmäßige Bedarfsabfragen können helfen, frühzeitig zu erkennen, was Unternehmen benötigen und wo die Stadt unterstützen kann.

Nachhaltigkeit und Umwelt schützen

Grünflächen sollen erhalten und neue Parks geschaffen werden. Gleichzeitig braucht es eine ansehnlichere und regelmäßigere Grünpflege auf Gehwegen und in Beeten – das wünschen sich viele Menschen in Sehnde. Auch die Ortseinfahrten könnten freundlicher und gepflegter gestaltet werden. Eine Willkommenskultur sollte bereits am Ortseingang sichtbar werden.

Der Mittellandkanal sollte zudem stärker als Ausflugsziel und Ort zum Verweilen in den Fokus genommen werden.

Auch Radwege und öffentliche Verkehrsmittel müssen weiter ausgebaut werden. Dazu gehören beispielsweise auch Bushaltestellen in Gewerbegebieten sowie ein besserer Radwegeausbau zu den kleineren Ortschaften.

Infrastruktur modernisieren

Barrierefreiheit für alle Generationen sicherstellen und sie bei Neubauten sowie Umstrukturierungen von Anfang an mitplanen.

Kultur und Freizeit fördern

Lokale Veranstaltungen und Kulturprojekte sollen unterstützt und ausgebaut werden. Kulturelle Veranstaltungen sollen wieder stärker stattfinden – gegebenenfalls durch die Neugründung eines Kulturvereins. Sportvereine sollen weiterhin unterstützt und Freizeitangebote ausgebaut werden. Auch Angebote gegen Einsamkeit sollen entwickelt und angeboten werden, zum Beispiel in Kooperation mit einem Familienzentrum.

Lebensqualität erhöhen

Generationenübergreifendes und gegebenenfalls wohnortnahes Wohnen ermöglichen – nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für Alleinstehende und Menschen mit Behinderung.

Transparente und bürgernahe Verwaltung

Bürgerinnen und Bürger aktiv in Entscheidungen einbeziehen – zum Beispiel durch Bürgerbefragungen, das Streaming von Ausschuss- und Ratssitzungen sowie durch mehr Transparenz aus den Ortsräten.

Die Verwaltung modernisieren, digitalisieren und bürgerfreundlicher gestalten. Das kann auch durch Personalentwicklungsmaßnahmen und gesundes Führen erreicht werden.

Wohin soll sich Sehnde entwickeln

Sehnde-News: Danke soweit, kommen wir zur ersten gewählten Frage: Wohin soll sich Sehnde Ihrer Meinung nach entwickeln?

Daniela Busche: Das Wort „Familienstadt“ ist mittlerweile fast ein Schimpfwort – hier muss frischer Wind her – neuer Slogan, neue Idee und dann ein neues Konzept. Heimat ist auch negativ belegt, deshalb vermeide ich auch diese Worte. Für mich passt es, wenn wir einfach ein „Wir“ werden. Da steckt Kraft, Motivation und gemeinsam statt einsam drin! Das passt zu Sehnde. Aber sollte ich diese Aufgabe bekommen, etwas Neues zu gestalten, dann wird es sowas sein!

Grüner, gepflegter, lebendiger und kultureller…. frischer Wind in den Ortschaften ist wichtig, da ist teilweise die Zeit stehen geblieben. Es braucht vor Ort auch Menschen, die sich dafür engagieren. 

Wohnen und Arbeiten für alle Altersgruppen. Es sollte ein ausgewogenes Verhältnis aus EFH, MFH und Gewerbe geben [Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern und Gewerbe – Red.]. Vor allem auch Mischgebiete für kleinere Unternehmen mit Wohnen und Gewerbe auf einem Grundstück zu erschwinglichen Preisen, um Gewerbesteuereinnahmen zu generieren. Dazu wohnortnahes Altern – vielleicht sogar generationenübergreifend.

Haushaltsdefizit und Haushaltssicherung

Sehnde-News: Punkt zwei für Sie ist das Haushaltsdefizit und die Haushaltssicherung: Was kann von freien Leistungen bleiben, was muss gekürzt werden und was wegfallen? Wie geht es aus den Schulden?

Daniela Busche: Auf jeden Fall müssen die Aufwendungen für Flüchtlingshilfe bleiben, zumal wir weiterhin Zuweisungen haben. Derzeit gibt es im Bereich von Sehnde keinerlei Probleme. Die Integration klappt sehr gut, nicht zuletzt auch durch die gute Zusammenarbeit. Weiterhin sollte der Versuch unternommen werden, ein Familienzentrum für Sehnde aufzubauen. Ich würde mich weiterhin dafür stark machen, weil ich die Notwendigkeit und die mangelnden Angebote ohne eine solche Einrichtung sehe. Sehnde braucht in diesen Themen Unterstützung und Hilfsangebote. Deshalb muss hier weiterhin in soziale Themen investiert werden.

Ich würde weiterhin in Kulturangebote investieren wollen, da hier Begegnungen statt Einsamkeit für Menschen möglich sind. Wir haben gerade nach Corona Nachholbedarf an Mitmenschlichkeit und Zuwendungen. Gemeinsame Veranstaltungen, vom Weihnachtsmarkt über die Veranstaltungen der IGS bis zu Theaterveranstaltungen oder womöglich zum Kino, sind etwas, was der Gemeinschaft in Sehnde fehlt, um zusammen zu wachsen.

Neue Gewerbe- und Industriegebiete

Sehnde-News: Auch Geld muss generiert werden. Daher die Frage: Wie viele neuen Gewerbe-und Industriegebiete brauchen wir und wo?

Daniela Busche: Meiner Meinung nach geht kein Weg an der Entwicklung und Vermarktung von Gewerbegebieten vorbei. Höver ist derzeit der nachgefragteste Bereich, nicht nur durch ortseigene Unternehmer, sondern auch von Investoren und Unternehmern von außen.

Wie soll es mit der Neuen Mitte weitergehen

Sehnde-News: Ein Konzept hat sich überlebt – wie soll es mit der Neuen Mitte weitergehen?

Die parteilose, von der SPD unterstützte Kandidatin,Daniela Busche, stellte sich den Fragen von Sehnde-News – Foto: Privat

Daniela Busche: Das Konzept „Neue Mitte“ hat bereits viel Geld gekostet, hieran sollte weitergearbeitet werden. Dennoch wäre eine Umsetzung unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger wünschenswert. Und um eine Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen, muss das Ganze transparenter kommuniziert werden. Die Veröffentlichung eines Plans bedeutet nicht, dass man offen kommuniziert, sondern man muss hierzu ansprechbar sein und die Menschen motiviert informieren. Mehr Grün, nachhaltige Bauweise, bezahlbarer Wohnraum, weniger Verkehr, bessere Anbindung. Die eierlegende Wollmilchsau… und jeder weiß es besser…

Wichtig wäre hier ein städtebauliches Entwicklungskonzept, um hier nicht nur Wohnraum zu generieren, sondern auch entsprechende Angebote zum Verweilen und zum Einkaufen. Auch hierzu sollte es Konzept geben, dass nicht drei Kioske neben zwei Bringdiensten und zwei Spielotheken aufmachen. Ziel sollte es sein, dass Sehnde in das Programm „Städtebauförderung“ aufgenommen werden könnte.

Für das Rathaus gibt es zuerst einmal ganz klar zwei Aussagen:

Erstens: Es muss neu gebaut werden, da geht kein Weg drumherum. Die Sanierung wäre erheblich teurer und rechnet sich nicht. Um Kosten zu sparen, wäre abzuwägen, ob ein neuer Standort wirklich kostengünstiger ist.

Zweitens: Das bisherige Konzept sieht vor, das Rathaus auf dem Grundstück zu errichten. Wichtig für ein Rathaus ist nicht die Lokation im Ortskern, sondern ausreichende Parkmöglichkeiten. Ein Standort in der unmittelbaren Nähe zur „neuen Mitte“ ist sicher eine gute Alternative. Zentrale Lage müssen Nahversorger, Ärzte, Apotheken und Gastronomie haben. Das ist für mich viel wichtiger.

Hierbei müssen neue Entwicklungen und Arbeitsverhalten Berücksichtigung finden. In der Landesverwaltung gibt es Erfahrungen mit mobilen Arbeiten oder auch Homeoffice/Telearbeit. Neueste Erkenntnisse zu New Work sollten einfließen. Arbeitsplätze, die geeignet sind, frei genutzt zu werden. Aber auch hier ist es bedarfsgerecht je nach Arbeitsbereich angemessen. Wichtig für die Arbeitsweise, die ich kenne und schätze, sind Besprechungsräume mit genügend Kapazitäten, um umfänglich informieren zu können. Transparenz ist mir nicht nur nach außen wichtig, sondern auch im internen Betrieb. Beschäftigte müssen sich informiert und mitgenommen fühlen.

Eine geteilte Variante des Rathauses in zwei Bereiche – Bürgerbüro und Verwaltung – ist keine Option. Ich arbeite in der Landesverwaltung und mir ist ganz klar, dass die Trennung von Verwaltungsbereichen zum Servicebereich zu unnötigen Zeitverlusten durch Postlauf und zusätzliche Kosten führt. Alles an einem Standort muss hier umgesetzt werden. Eine Aufteilung habe ich bereits in verschiedenen Behörden des Landes erlebt. „Außenstellen“ erleben oft eine Abspaltung im sozialen Bereich unter den Kolleginnen und Kollegen; die Kommunikation, die meist ein Problem in Behörden darstellt, leidet noch mehr, und man betreut zwei Liegenschaften. Auch das bindet Personalkosten. Die Kosten, die man ggf. beim Bau spart, werden durch die Verwaltungshemmnisse wieder reingeholt.

Möglicherweise kann ein anderes Konzept für die Bauweise zu Kostenersparnissen führen. Hier sollte man nochmal in anderen Kommunen nachforschen und andere Projekte beleuchten, um effizienter vorzugehen. Ich würde mir ein Rathaus wünschen, welches auch optisch in die Mitte passt und auch „bürgerfreundlich“ ins Auge fällt. Eine Nachnutzung und ein Anflanschen eines Neubaus an den bereits vorhandenen Bereich wären eine interessante Alternative.  Ob ein Architektenwettbewerb und eine Überplanung einer weiteren Fläche hier Kosten binden sollten, halte ich für zu groß gedacht. Außer man plant hier überwiegend  bezahlbaren Wohnraum. Wohnungen, die auch lebenserfahrene Menschen oder Alleinerziehende zahlen können. Natürlich ist die städtebauliche Entwicklung mitzudenken, aber hier sollte Maß gehalten werden. Eine Übergangsphase in einer Containeranlage halte ich für denkbar und führt gegebenenfalls zu einem schnelleren Erfolg. Bei der Errichtung des Neubaus der KGS Sehnde wurde auch mit Containern geplant. Hierbei würde ich die Planungen der neuen Mitte erneut unter Bürgerbeteiligung ins Auge fassen. Sehnde hat dazu nämlich eine Meinung und auch Wünsche!

Regionskonzept und gewinnen neuer Einzelhandelsunternehmen

Sehnde-News: Das Regionskonzept von Grund- und Mittelzentren ist auch aus der Vergangenheit im RROP geblieben. Sehnde ist nur Grundversorgungszentrum. Trotz des Regionskonzeptes: Wie gewinnen wir neuen Einzelhandel für Sehnde?

Daniela Busche: Ein eigenes Konzept zum Erhalt und zur Förderung der Wirtschaft ist erforderlich. Einführung einer echten Wirtschaftsförderung, die sich auch um Bestandsunternehmen kümmert. Ansiedlung von Unternehmen im Innenstadtbereich fördern, gegebenenfalls mit Mietkostenreduzierung in den ersten Jahren der Ansiedlung, gegebenenfalls durch Zuschüsse. Oder ähnliche Strategien. Gerade im Bereich der neuen Mitte muss ein Konzept festlegen, welche Art von Gewerbe dort konzeptionell angesiedelt werden sollte.

Derzeit nimmt die Kaufkraft für Sehnde weiterhin ab. Um den täglichen Bedarf zu decken, gibt es Angebote in Sehnde, aber eine Weiterentwicklung auch durch Ansiedlung von Fachgeschäften fehlt leider.

Welche neuen Jugendangebote soll es geben

Sehnde-News: Nun zu der von Ihnen gewählten Zusatzfrage. Auch für die Jugend sollte etwas entwickelt werden. Welche neuen Jugendangebote sollten entstehen?

Daniela Busche: Der große Durchbruch ist für mich die Umsetzung des Spiel-, Sport- und Bolzplatzes. Endlich ein Ort der Begegnung für Jung und Alt, aber vor allem auch für die Generation, die außer den sportlichen Aktivitäten in Vereinen zu den Trainingszeiten keine Möglichkeiten hat.

Weiterhin wäre ein Kunstrasenplatz ein großer Wunsch, der schon mehrfach an mich herangetragen wurde. Absolut nachvollziehbar und wünschenswert. Es fehlt an weiteren Veranstaltungen, wie Events im Ort, die zum einen Besucherinnen und Besucher anlocken, aber auch attraktiv für die Sehnderinnen und Sehnder sind. Ich könnte mir auch einen Adventur-Minigolf-Platz vorstellen oder so etwas…

Das alles unter Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen – auch im Rahmen des Kinder- und Jugendbeirates oder unter Beteiligung der KGS Sehnde und des KiJu-Treffs.

Sehnde-News: Frau Busche wir danken Ihnen für das Gespräch.

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