Niedersächsischer Kampfmittelbeseitigungsdienst birgt 133 Tonnen Kampfmittel 2019

10. Juli 2020 @

Im Jahr 2019 wurden in Niedersachen rund 133 Tonnen Kampfmittel aus der Zeit der beiden Weltkriege in mehr als 900 Einsätzen geborgen und entsorgt. Das geht aus dem jetzt vorliegenden Jahresbericht des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KBD) des Landes Niedersachsen hervor. 2018 waren es rund 145 Tonnen in knapp 1000 Einsätzen gewesen.

Kampfmittel sind nicht einfach „verschwunden“

Bei Entschärfung, Bergung und Sprengung wurde weiträumig abgesperrt – Foto: JPH

„Auch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden in Niedersachsen nach wie vor Kampfmittel gefunden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes sorgen zuverlässig und unter großem persönlichem Einsatz dafür, dass diese gefährlichen Sprengkörper entschärft und beseitigt werden“, sagt Niedersachsens Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius. „Jeder Munitionsfund und die damit verbundene Entschärfung stellt sowohl für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes als auch für die Bürgerinnen und Bürger immer eine besondere Gefahr dar. Dass es in den vergangenen Jahren keinen einzigen Unfall oder Verletzte gegeben hat, ist ein eindrucksvoller Beleg für die Expertise und die herausragende Arbeit aller Beteiligten. Dafür möchte ich mich besonders bei den Expertinnen und Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes bedanken.“

Corona hemmte auch die Räumarbeit

Aktuell war die Arbeit des KBD aufgrund der Corona-Pandemie nur eingeschränkt möglich. Bereits am 27. März 2020 wurden durch das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport und den KBD Handlungsempfehlungen zur Vermeidung von Evakuierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit Kampfmittelfunden an die zuständigen Gefahrenabwehrbehörden herausgegeben.

Vielfach ist eine Evakuierung nötig – Foto: Red/Archiv

Demnach war die gezielte Bombensuche zunächst eingestellt und Verdachtspunkte von Bombenblindgängern zwar noch eingemessen, aber nicht mehr geborgen. In einem Radius von 1000 Metern um medizinische Versorgungseinrichtungen erfolgten ebenfalls grundsätzlich keine Kampfmittelräumarbeiten mehr, um in diesem sensiblen Bereich zusätzliche Absperrmaßnahmen mit Evakuierungen zu vermeiden.

Der Jahresbericht 2019 weist vor allem in einem Bereich abweichende Zahlen auf: Im Unterschied zur relativ geringen Anzahl der entdeckten Blindgänger 2018, die nicht mehr transportfähig waren, musste 2019 wieder vermehrt alte Munition direkt vor Ort gesprengt werden (2019: 219 Einsätze, 2018: 138 Einsätze). In den vergangenen Jahren ist dabei auch die niedersächsische Nordsee vor allem durch den Bau von Offshore-Windparks und dem Ausbau von Kabeltrassen verstärkt in den Fokus gerückt. So wurden dort im vergangenen Jahr rund 0,76 Tonnen Weltkriegsmunition entdeckt (2018: rund 1,65 Tonnen), darunter auch eine Seemine.

Auf sehr hohem Niveau bewegen sich inzwischen die auf Kampfmittelfreiheit überprüften Grundstücke bei beabsichtigten Bauvorhaben. Etwa 3600 Anträge (2018: knapp 2.600 Anträge) wurden im vergangenen Jahr ausgewertet.

Minister Boris Pistorius dankte auch den Helfern – Foto: JPH/Archiv

Liegezeiten verändern Zünder und Material

Alte Munition wird im Laufe der Zeit nicht ungefährlicher, im Gegenteil: Alterungsprozesse und Korrosionseinwirkungen erhöhen oft die Gefahr einer plötzlichen Explosion. Gefunden wird Munition vielfach durch die Auswertung von Luftbildern oder auch zufällig, etwa bei Neu- oder Umbaumaßnahmen. Gefährdet sind dabei immer wieder auch Kinder, Sammler und Schatzsucher oder das Personal aus Land- und Forstwirtschaft sowie von Tiefbau- und Metallrecyclingfirmen.

Ein Ereignis steht 2019 exemplarisch für die Gefährlichkeit der Kampfstoffe in der Natur: Ein Kind hat beim Spielen an einem See in der Region Hannover einen Phosphorklumpen gefunden und diesen mit einem Stein verwechselt. Nachdem es sich den vermeintlichen Stein in die Kleidung gesteckt hatte, entzündete sich dieser aufgrund der Wärmezufuhr, wodurch das Kind leichte Verbrennungen erlitt.

„Dieser Vorfall zeigt deutlich, wie gefährlich diese vermeintlich alten Kampfmittel – auch nach so langer Zeit im Boden – immer noch sind. Deshalb möchte ich dringend an alle Bürgerinnen und Bürger appellieren, sich beim Fund von Kampfmitteln sofort mit der zuständigen Gemeinde oder der Polizei in Verbindung zu setzen. Denn das unsachgemäße Hantieren mit diesen unbekannten Stoffen gefährdet neben dem eigenen Leben häufig auch das Leben anderer“, so  Pistorius.

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