Sehnder Grüne laden zum Bürgergespräch ins Villa Mare

Sehnder Grüne laden zum Bürgergespräch ins Villa Mare
Sinja Münzberg, Felix Banaszak und Sandy Steve Choitz konnten am Freitagabend rund 65 Besucher begrüßen - Foto: Red
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Rund 65 Besucher waren der Einladung ins Restaurant Villa Mare in Sehnde gefolgt, um die politischen Ideen und Ziele der Grünen für Sehnde und die Region kennenzulernen, Fragen zu stellen und mit den Kandidaten ins Gespräch zu kommen. Zum Gespräch anwesend waren der Bundesvorsitzende der Grünen aus Berlin, Felix Banaszak, der Bürgermeisterkandidat für Sehnde, Sandy Steve Choitz, sowie die Kandidatin für das Amt der Regionspräsidentin, Sinja Münzberg.

Münzberg begrüßte die Gäste und übergab anschließend das Wort an Choitz. Der erläuterte zunächst seine Beweggründe für die Kandidatur: die lebendigen Ortsteile Sehndes, engagierte Bürger, eine starke Feuerwehr und die vielen guten Vereine. „Ich möchte dafür Verantwortung übernehmen“, machte Choitz deutlich. Für Sehnde sieht er wichtige Aufgaben bei Klimawandel, Wohnraumentwicklung und Mobilität. Sein politisches Leitmotiv: „Zuhören, entscheiden, anpacken.“ Gleichzeitig müsse die Finanzierung kommunaler Aufgaben gesichert werden. „Wir müssen die Finanzierung klären für Dinge, die der Bund auf die Kommunen abschichtet“, so Choitz.

Kommunen nicht allein lassen

Felix Banaszak griff diesen Punkt auf und forderte unter anderem, den Kommunen einen größeren Anteil an der Umsatzsteuer zukommen zu lassen, Förderanträge zu vereinfachen und mehr Kompetenzen auf die kommunale Ebene zu übertragen. Sein Plädoyer: mehr Vorschussvertrauen in die Kommunen bei der Förderverteilung.

Mit Blick auf die Regionspolitik und die Kandidatur von Münzberg, die die Region gerne führen würde, formulierte Banaszak auch einen Seitenhieb auf den nach Berlin „gewechselten“ bisherigen Regionspräsidenten Steffen Krach: „Berlin kann jeder, Hannover muss man wollen.“ Er betonte mit Blick auf Wahlaussagen und Programme, dass man nach Wahlen zudem bereit sein müsse, Kompromisse zu finden. Immerhin gibt es „mehrere Sieger, die ihre Ziele umsetzen wollten“. Er wünschte sich, dass Grüne, SPD und CDU wieder stärker zu gemeinsamen Lösungen kämen. Demokratie sei schließlich ein Konsensmodell und kein System wie in China. Zugleich warnte er davor, dass die AfD inzwischen in Teilen die demokratische Grundordnung grundsätzlich infrage stelle.

Fragerunde mit buntem Themenstrauß

In der anschließenden Fragerunde ging es um zahlreiche Themen: Wirtschaftswachstum und Energiewende, die Folgen der Energiekrise, kommunale Finanzen, die Entwicklung der Sehnder Innenstadt und die Rolle der Jugend.

Felix Banaszak berichtete aus Berlin – Foto: JPH

Beim Thema Energie wurde unter anderem darüber gesprochen, den Gasverbrauch in den kommenden zehn Jahren um die Hälfte zu reduzieren. Bei den kommunalen Finanzen wurde die bessere Ausstattung der Städte und Gemeinden gefordert. Münzberg verwies auf das Defizit der Region für 2027 von rund 350 Millionen Euro. Aber solle man wegen 30 Millionen den Sprinti fallen lassen? Auch die Regionsumlage müsse überprüft werden.

Für die Sehnder Innenstadt brachte Choitz beim Thema „neues Rathaus“ einen pragmatischen Ansatz ein: Das bestehende Rathaus könne noch eine Legislaturperiode genutzt werden. Danach müsse der Raumbedarf – auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von KI und veränderten Arbeitsweisen – neu bewertet werden. Die Idee einer „Neuen Mitte“ müsse deshalb insgesamt neu gedacht werden.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Beteiligung junger Menschen. Bei Entscheidungen über Schulden, Klimaschutz oder die Rente müsse die Perspektive der jungen Generation stärker berücksichtigt werden. Choitz sprach sich unter anderem für einen funktionierenden Jugendbeirat und damit eine stärkere Einbindung der Jugend in die Kommunalpolitik aus.

Auf die Frage, warum man die Grünen wählen solle, lautete die Antwort von ihm: weil sie Zukunftsideen entwickeln. Diese dürften allerdings nicht dogmatisch verfolgt werden. Gerade bei Entwicklungen wie Künstlicher Intelligenz müsse Deutschland und Niedersachsen Chancen nutzen und dafür sorgen, dass Wertschöpfung und Gewinne im Land bleiben – und nicht bei internationalen Tech-Konzernen und deren Eigentümern wie Musk landen.

Am Ende ging es auch um die Grünen selbst. Choitz betonte, dass der Ortsverband in Sehnde auf einem guten Weg sei und der Mitgliederbestand zuletzt deutlich gewachsen sei. Politik wolle man wieder mit den Begriffen „Ehrlichkeit und Redlichkeit“ verbinden.

Der Abend in der Villa Mare zeigte damit vor allem ein Fazit: Politik lebt vom Austausch. Zuhören, Fragen stellen, unterschiedliche Positionen diskutieren – und anschließend gemeinsam an Lösungen arbeiten – auch unter Anpassung eigener Positionen.

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