Nach Elfmeter auf den Abstiegsplatz: 96 verliert auch zweites Spiel

Hannover 96 traf im ersten Heimspiel auf den Absteiger und Lokalrivalen VfB Wolfsburg. Beide Teams wollen sofort aufsteigen, Wolfsburg hat dabei mächtig investiert, aber ist genauso unglücklich gestartet, wie Hannover – hat aber immerhin „schon“ einen Punkt auf dem Konto bei Spielstart. Es wurde also vor ausverkauftem Haus ein spannendes Spiel erwartet und beide Teams mussten mit offenem Visier antreten. 44 Spiele hatte es bisher gegeben, davon waren 16-mal die Roten vorn, 19-mal die Gäste – bei nur neun Unentschieden.
Am Sonntag wartete Hausherren-Cheftrainer Christian Titz mit einer großen Überraschung auf: er ersetzte den etwas glücklosen Neuzugang Pascal Loretz durch Leo Weinkauf – und das bereits nach dessen erstem Spiel.
Neuzugang in Startformation
Mit in der Startaufstellung bei den Roten war Neuzugang Marcel Hartel, der mit viel Vorschusslorbeeren in der Woche aus St. Louis nach Deutschland zurückgekehrt war. Auf ihm lag die große Hoffnung von Hannover 96, dass mit ihm wieder Ideen im Mittelfeld gepaart mit Torgefahr nach vorn zurückkehren würden.
Es entwickelte sich ein zunächst hektisches Spiel, das von dem Zwang gekennzeichnet war, unbedingt gewinnen zu müssen. Doch nach starken Anfangsminuten kam Hannover immer mehr zum Zug und hatte die Wölfe eigentlich gut im Griff.
Eine erste wirklich aussichtsreiche Chance hatte dann Kolja Oudenne gleich zweimal, aber beide Male lief der Ball knapp am Tor der Gäste vorbei. Hannover setzte nach und zeigte, dass man sich nicht unter Wert geschlagen geben wolle – wenn überhaupt. Und so setzte man die Wölfe-Abwehr ein ums andere Mal erkennbar unter Druck.
Schreck dann in der 21. Minute, als Tomiak in der Mitte des Platzes einfach und ohne Ball umfiel. Der medizinische Stab trat in Aktion, die übrigen Spieler ging zum Trinken. Nach kurzer Behandlung stand er wieder und musste zunächst nach draußen, bekam viel zu trinken und Kühlung. Nach der neu eingeführten Wartezeit durfte er dann zurück aufs Feld.
In der 25. Minute lief Fabian Reese allein auf Leo Weinkauf zu, zog ab, aber der hannoversche Goalie hielt den Spielstand. Das wiederholte er nur wenige Sekunden danach (26.), als Reese erneut zum Schuss um Strafraum kam. In der 27. Minute war auf der anderen Seite ein leeres Tor, der Ball lief vor der Torlinie lang – doch kein Roter war zur Stelle: nur Ecke. Chancen waren da, aber sie wurden nicht genutzt – Cottbus ließ grüßen.
In der 35. Minute wurde Neubauer freigespielt, lief unbedrängt auf Torwart Zielinski zu, jeder hatte den Torschrei auf den Lippen – doch er schießt in die Arme des Wolfsburger Keepers. Größere Möglichkeiten wird es wohl kaum geben.

In der 44. Minute kommt ein Schuss von Maehle aus rund 20 Metern, den Weinkauf sicher zur Ecke übers Tor lenkt und danach die Ecke sicher fängt.
Nach drei zusätzlichen Minuten unterbrach Schiri Gansloweit die Partie und bat in die Kabinen.
Zweite Hälfte mit Wechsel
Die Wölfe kamen mit einer Veränderung aus der Kabine: Robert Glatzel kam für Fraser Hornby aufs Feld. Und damit begann die zweite Hälfte, wie die erste: Wolfsburg im Angriffsmodus, Hannover wehrte ab. Aus der Nordkurve zogen grün-weiße Rauchschwaden übers Feld, weshalb der Schiri das Spiel in der 50. Minute unterbrach, da der Nebel das Stadion nicht verlassen wollte.
Wechselperiode
Die nächste Ecke von Hannover kam hoch rein, Gindorf am zweiten Pfosten nahm sie mit dem Kopf – und traf von oben auf die Latte. Dann kam in der 62. der große Wechsel bei Hannover. Titz brachte Ime Okon, Benedikt Pichler und Benjamin Källman für Lars Gindorf, Boris Tomiak und Mustapha Bundu. Kollege Strobl kontert mit dem Wechsel von Jonas Adjetey für Mattias Svanberg.
In der 70. Minute erhielt der eingewechselte Adjetey die gelbe Karte, weil er einen schnellen Vorstoß der Roten über die linke Seite durch ein Foul unterbrechen wollte – doch den Vorteil ließ Schiri Gansloweit richtigerweise erst einmal laufen. Strobl wechselt noch einmal: mit Maximilian Arnold und Kento Shiogai kamen zwei neue Spieler für Muhammed Damar und Yannik Gerhardt.
Und wieder hätte Hannover alles klarmachen können, doch der links hervorragend angespielte Benedikt Pichler lief aufs Tor, schoss aber am rechten Pfosten des Gästetores vorbei. In der 82. Minute sah dann de Souza Costa gelb, weil er einen freigespielten Hannoveraner rüde in seinem Lauf stoppt.
Das Gästetor
Schließlich kam die 86. Minute, ein Wolfsburger wurde im Strafraum kurz angerempelt und fiel um, worauf der Schiri, der zuvor tätlichkeitsähnliche Attacken nicht pfiff, einen Elfmeter gab.
Nach kurzer Konzentration schoss Reese ins untere rechte Eck – Weinkauf wäre fast dran gewesen, doch es heißt 0:1 für die Gäste. Strobl sicherte den Sieg ab und brachte Kilian Fischer für Joakim Maehle. Titz brachte Taycan Etcibasi für Bastian Allgeier zu seinem ersten Zweitligaeinsatz. Hannover hat aufgegeben, so schien es. Ein guter Pass kam noch in den Strafraum der Wölfe, wurde jedoch von drei Mitspielern durch Stehenbleiben ignoriert. Dann ist Schluss – Hannover 96 unterlag den Gästen aus Wolfsburg nach einem zumindest fragwürdigen Elfmeter mit 0:1. Während es für nun Titz eng werden könnte, hat Strobl erst einmal die erwarteten drei Punkte eingefahren.
Das Fazit
„Das Spiel verlief in wechselnden Wellen“, fasste Tobias Strobl das Spiel am Ende zusammen, „denn hier trafen zwei Mannschaften aufeinander mit identischen Spielsystemen.“ Er sah auch ein mögliches Unentschieden als durchaus gerecht an, nahm aber „die drei Punkte gerne mit“.
Kollege Titz meinte, die erste Hälfte ginge klar an Hannover, drei Mal sei der Ball vom Fuß gesprungen, vier Mal wurde der Ball verpasst, aber: „Wenn du deine Chancen nicht reinmachst, kannst kannst du nicht gewinnen“, fügte er hinzu.
Kommende Woche ist das erste Pokalspiel, in der 36. Kalenderwoche muss der Tabellenvorletzte Hannover nach Darmstadt, das aktuell auf Platz 15 steht und das bei Dynamo Dresden ebenfalls verloren hat. Kommt dann nichts Zählendes heraus, wird es eng bei Hannover.
Die Aufstellungen
Wolfsburg Neutrainer Tobias Strobl begann mit Jakub Zielinski, Vinicius de Souza Costa, Hauke Wahl, Fraser Hornby, Fabian Reese, Muhammed Damar, Joakim Maehle, Sael Kumbesi, Yannik Gerhardt, Mattias Svanberg und Elvis Rexhbecaj. Auf der Bank warteten Pavao Pervan, Kilian Fischer, Kento Shiogai, Bence Dardai, Jonas Adjetey, Robert Glatzel, Mathys Angely, Alessio Besio und Maximilian Arnold.
Christian Titz setzte auf Leo Weinkauf, Boris Tomiak, Jean Hugonet, Mustapha Bundu, Waniss Taibi, Marcel Hartel, Bastian Allgeier, Stefan Thordarson, Lars Gindorf, Kolja Oudenne und Maurice Neubauer. Im Kader saßen zudem Pascal Loretz, Bejamin Källman, Benedikt Pichler, Franz Roggow, Husseyn Chakroun, Williams Kokolo, Ime Okon, Hayate Matsuda und Taycon Etcebasi.
Spielleiter war Timo Gansloweit, an der Linie waren Mitja Stegemann und Tobias Severins; als Vierter war Eric Weisbach dabei. Im Keller saß Tobias Welz.
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