Ehrenamtliche berichten Dr. Miersch von Bürokratie und Nachwuchssorgen

Im Rahmen seiner Sommertour ist Dr. Matthias Miersch am Montag, 3. August 2026, nach Sehnde gekommen. Der örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion sprach auf dem Hof Falkenhagen mit Vertretern von Vereinen, Organisationen und der Feuerwehr über deren aktuelle Lage, Wünsche und die Probleme im Ehrenamt. Zu dem Gespräch hatten sich 15 Teilnehmer angemeldet.
Der Vorsitzende des Sehnder SPD-Stadtverbandes und Ortsbrandmeister von Rethmar, Max Digwa, begrüßte den Gast aus Berlin. Er verwies auf die breite Zusammensetzung der Runde: Von der Tafel über Sportvereine und Schützenvereine bis zu sozialen Organisationen seien viele unterschiedliche Bereiche des örtlichen Gemeinschaftslebens vertreten gewesen.
Steigende staatliche Forderungen behindern Ehrenamt
Sehndes Bürgermeister Olaf Kruse wies gleich zu Beginn auf steigende Anforderungen unter anderem bei Sicherheit und Hygiene hin. Viele Veranstaltungen drohten inzwischen an den damit verbundenen Auflagen zu scheitern. Das betreffe etwa Schützenumzüge, aber auch größere Festivals wie das SNNTG in Wehmingen, das 2026 eingestellt wurde. Ehrenamtlich Aktive seien mit der Umsetzung der Vorgaben häufig überlastet. Zugleich trügen sie Verantwortung, wenn bei nicht erfüllbaren Anforderungen etwas passiere.
Kruse forderte deshalb Vereinfachungen von staatlicher Seite. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass das ehrenamtlich getragene Gemeinschaftsleben zunehmend ausdünne. Auch Schützenvereine reagierten bereits auf die wachsenden Sicherheitsanforderungen und setzten teils auf alternative Sportarten wie Dart oder Blasrohrschießen.
Bürokratie lähmt Vereine
Die Landtagsabgeordnete und Ortsbürgermeisterin von Bolzum, Dr. Silke Lesemann, bestätigte den deutlichen Wandel im Vereinsleben. Die Bürokratie, die Vereine bewältigen müssten, sei ein wesentlicher Grund dafür, dass es immer schwieriger werde, Vorstände zu finden. Zwar seien GEMA-Gebühren inzwischen leichter zu handhaben, vollständig geklärt seien die Fragen aber aus Sicht der Vereine noch nicht.
Ein weiteres Thema war der Nachwuchs. Mehrere Teilnehmer berichteten, dass viele Vereine – darunter besonders die AWO in Sehnde – nur ältere neue Mitglieder für die Arbeit gewinnen könnten. Jüngeren Menschen sei das Vereinswesen dagegen oft zu wenig vertraut. Das betreffe auch Fördervereine. So habe etwa der JVA-Beirat Sehnde zeitweise vor dem Aus gestanden. Hier seien Kommunen und Politik gefordert, die örtlichen Strukturen stärker zu unterstützen.
Bei der Tafel Sehnde zeige sich dagegen ein etwas anderes Bild. Dort spreche sich der Bedarf offenbar auch unter Jugendlichen herum. Dennoch bleibe es insgesamt wichtig, jungen Menschen frühzeitig Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement aufzuzeigen.
Absicherung
Angesprochen wurde zudem der Versicherungsschutz für Ehrenamtliche während ihrer Tätigkeit – und zwar nicht nur im Bereich der Feuerwehr. Nach Ansicht der Gesprächsteilnehmer dürfe dieser Punkt nicht außer Acht gelassen werden. Staatliches Handeln sei hier wichtig, um Menschen die Sorge vor persönlichen Risiken zu nehmen.
Anerkennung geben

Als mögliche Anerkennung für engagierte Bürger wurde auch die Ehrenamtskarte genannt. Sie könne Aktiven mit verschiedenen Vergünstigungen einen konkreten Vorteil verschaffen. Nach Auffassung der Runde wäre ein Ausbau solcher Angebote bis auf Bundesebene denkbar.
Diskutiert wurden außerdem Ideen für eine bessere Vernetzung des Ehrenamts, etwa nach dem Vorbild eines Freiwilligenzentrums wie in Hannover. Vorträge an örtlichen Schulen oder Brandschutzausbildungen in Kitas und Schulen seien derzeit das einzige, junge Menschen frühzeitig anzusprechen. Nach ersten Kontakten fehle jedoch häufig eine dauerhafte Bindung. Auch die veränderte Erwartungshaltung junger Menschen müsse bei neuen Angeboten berücksichtigt werden – es herrsche zudem oft eine Art „Bringementalität“.
Förderungen einfacher gestalten
Kritik gab es zudem an den Verfahren für öffentliche Förderungen. Anträge blieben in Vereinen häufig liegen, weil sie zu umfangreich, kompliziert oder kurzfristig angelegt seien. Gerade kleinere Vereine seien mit Antragstellung, Ausschreibungen und Umsetzung oftmals überfordert. Bürgermeister Kruse regte an, Kommunen bei Vergabe und Abrechnung stärker einzubinden und ihnen Vertrauen zu schenken. Vor Ort sei am ehesten bekannt, wer Unterstützung benötige und wie die Abwicklung praktikabel organisiert werden könne.
Rentenzuschlag für bestimmte Dienste
Digwa brachte mit Blick auf die Freiwillige Feuerwehr, deren Arbeit zwar freiwillig, aber als hoheitliche Aufgaben gefordert sei, erneut einen Rentenzuschlag für ehrenamtliches Engagement ins Gespräch. Viele Teilnehmer waren sich zudem einig, dass ein verpflichtendes soziales Jahr für alle jungen Menschen sinnvoll sein dürfte. Dabei sollten Wehrdienst, Ersatzdienst in Organisationen sowie Einsätze in Vereinen und Schulen als gleichwertige Möglichkeiten zur Auswahl stehen.
Mit einer Menge von Anregungen und Ideen im Gepäck fuhr Dr. Miersch dann weiter durch den Wahlkreis.
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