„Wir passen aufeinander auf“ – TVE Sehnde stellt Präventionsarbeit vor

Aktuell ist das Thema in der großen Politik: So wird Niedersachsen gemeinsam mit dem Bund und den anderen Ländern die Gründung eines neuen „Zentrums für Safe Sport e. V.“ vorantreiben.
Ziel des Zentrums wird sein, interpersonale Gewalt im Sport – körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt sowie Kindeswohlgefährdungen – wirksamer zu verhindern, konsequent aufzuarbeiten und unabhängige Verfahren zu gewährleisten.
Auch wenn die Politik das Thema jetzt offensichtlich angehen will, ist der TVE Sehnde da schon bedeutend weiter und hat jetzt seine Maßnahmen zur Prävention der Jugendlichen und Kinder im Verein gegen (auch sexualisierte) Gewalt vorgestellt.
Angebotsschwerpunkt
Beim TVE Sehnde stehen zwar die Kinder und Jugendlichen im Fokus der Arbeit, doch auch die Erwachsenen können sich mit dem eingerichteten Angebot vertraut machen und es nutzen. Dafür hat der Verein extra eine Rubrik auf der Homepage eingebaut, die allen Betroffenen zur Nutzung zur Verfügung steht. Ein Team aus vier Vertrauenspersonen, zwei Männer, zwei Frauen, steht den Rat- und Hilfesuchenden einzeln, in Zweier- und Viererteams zur Verfügung. Eine Verstärkung ist mit einer weiteren Frau und einem Mann nach deren Ausbildung vorgesehen. Die Teams sind spartenübergreifend aktiv und stehen allen Mitgliedern zur Seite.
So nehmen die Teams auch anonym eventuelle Verdachtsfälle an und kümmern sich darum. Jeder kann und darf sich seinen Ansprechpartner aussuchen. Auch beim Sportbund gibt es eine extra ausgenbildete Ansprechpartnerin, die dem Verein zur Seite steht.
Ralf Marotzke, Vereinsvorsitzender des TVE Sehnde, erinnert sich allerdings lediglich an zwei Verdachtsfälle, die er in seiner Zeit als Vorsitzender von 20 Jahren bisher erlebt hat. „Dabei sind zwei Fälle schon zwei zuviel. Beide wurden an die Staatsanwaltschaft gemeldet und von der Polizei überprüft, ohne dass sich der Verdacht erhärtete. Trotzdem hat der Verein den Trainer nicht genommen und der andere Fall hat sich durch Wegzug gelöst.“
Das Präventionsteam diskutiert die Fälle nach seinen Gesprächen mit dem Vorstand weiter, der dann Polizei und Staatsanwaltschaft einschaltet. „Bei den Teams können sich auch Mobbingfälle melden“, sagt Volkmar Lührs vom Präventionsteam. „Auch darum kümmern wir uns. Das Ganze ist eine freiwillige Leistung des TVE Sehnde.“ Damit ist der TVE Vorreiter bisher auf diesem Gebiet.
Letzte Schulung und Prüfung
Die letzte Schulung stand für das Team und auch weitere interessierte TVE-Mitglieder Mitte Februar im Sportzentrum Sehnde an. Es war das sechste von sechs Modulen zu diesem Thema – „Verfahren bei einem Vorfall“ lautet es. Am Schluss erhalten die Teilnehmer der Ausbildung für den Verein ein Zertifikat. Zudem sollen, so Lührs, möglichst alle Sehnder Sporthallen mit einem Briefkasten ausgerüstet werden, in dem Fälle – auch anonym – gemeldet werden könnten.
„Seit rund fünf Jahren zertifizieren wir die Ausbildungen für die Prävention“, sagt Dagmar Ernst von der Sportjugend Niedersachsen. „Wir haben etwa 650 Sportvereine in Niedersachsen, davon sind bisher sechs zertifiziert und der TVE bekommt es auch, wenn das Schutzkonzept noch geprüft wurde.“ Das Konzept hat der TVE ebenfalls bereits erarbeitet. Das richtet sich an Kinder und Jugendliche in verständlicher Sprache, soll Transparenz herstellen, verständlich und praxisnah sein. „Der ganze Prozess dauert rund zwei Jahre“, erläutert Ernst. „Mit der Zertifizierung erhält der Verein eine Plakette, die für vier Jahre gültig ist. In dieser Zeit müssen die Mitarbeiter Workshops zum Thema besuchen und danach wird die Plakette für weitere zwei Jahre verlängert.“
Aber zunächst erfolgt nun noch die Prüfung des Schutzkonzeptes, dann gibt es die Plakette.
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