Bürgerabend zum natürlichen Klima- und Bioschutz in Sehnde

Zu einem Informations- und Bürgerabend zum Thema „Grünflächenpflege in Sehnde“ sind die Bürger der Stadt für vergangenen Montag, 02.03.2026, in den Ratssaal der Stadt eingeladen worden. Rund 40 Interessierte waren dem gefolgt und nahmen an der abschließenden Diskussion teil.
Zunächst stellte Katharina Wrede von der Stadtverwaltung mit einem umfangreichen Team die Rahmenbedingungen für die Schere zwischen gewünschter Grünpflege und bestmöglichem Klima- und Insektenschutz vor. In diesem Zwiespalt muss sich die Stadtverwaltung Sehnde mit ihren Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen bewegen. Die Gruppe erarbeitet derzeit ein neues Pflegekonzept mit transparenter Darstellung, warum was geschieht und wo – aber auch die Meinung der Bürger mit ihren Erwartungen an die Grünpflege war gefragt.
Sehnder Ausgangslage
Dr. Ingo Bräuer und Anina Massinger von Dacum-Werkstatt für Biodiversität stellten zunächst die Basisdaten vor und ging auf die Ausgangsfragen ein:
- Was sind die Folgen des Biodiversitätsverlustes?
- Was sind die zentralen Ursachen
- Bedeutung von kommunalen Grünflächen
- Was kann man tun?
Aufgrund von Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Biomasse der fliegenden Insekten um 75 Prozent abgenommen hat – und insgesamt sogar um 65 Prozent. Da hilft zunächst auch kein Füttern der Vögel im Winter, die im Sommer ihre Brut dann nicht mehr aufziehen können mangels entsprechender Nahrung. „Da kommt was auf uns zu“, sagte Bräuer und verwies dabei auch auf den Wasserhaushalt in Niedersachsen, der deutschlandweit abnimmt.
Fehlende Biodiversität
Rund 60 Prozent von 2.500 Artikeln im Penny-Sortiment würde fehlen, nähme man die Produkte aus dem Regal, die auf Bestäubung angewiesen sind – was sogar Shampoo und Gummibärchen einschlösse. Rund 50 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts sind von der Bestäubung abhängig.
Derzeit rechnet man mit einer Millionen Arten, die in den nächsten Jahrzehnten aussterben, was 25 Prozent der Arten in der Pflanzen- und Tierwelt wären. Der Mensch hat so schon 83 Prozent der weltweit lebenden Pflanzen und Tiere verschwinden lassen. Auch Hecken garantieren keine Überwinterungsmöglichkeit für Insekten, wobei eine Hainbuchenhecke (26 Insektenarten) besser ist als eine aus Tuja (1 Insektenart). Gleiches trifft auch auf Blumenarten zu: In der Insektenwelt gibt es zahlreiche Nahrungsspezialisten, die nur auf Wildpflanzen gehen, weshalb diese erhalten bleiben müssen.
Entwicklung des Pflegekonzepts
Danach stellte der Fachdienst Grünflächen und Klimaschutz auf das Klima-/Pflegekonzept ein. Das läuft dabei in vier Schritten ab. Aktuell werden die Pilotflächen dafür ausgewählt. Spezielle Mähgeräte, die insektenschonend die Flächen pflegen, sind in der Stadt bereits vorhanden. Für das Projekt sind bestimmte Vorgaben vorgegeben, auf denen als Pilotflächen die Pflege erprobt wird.
Im Rahmen des Projektes werden zirka 200 Quadratmeter entsiegelt und 5.000 Quadratmeter naturnah umgestaltet. Es werden bestehende Rasen- und Wiesenflächen zu artenreichen, mehrjährigen, widerstandsfähigen Wiesenflächen aufgewertet und mit Pflanzungen von standortheimischen und klimaresistenten Stauden und Gehölzen und Flächen des sogenannten Straßenbegleitgrüns werden ebenso bepflanzt.
Unterschiedliche Flächen wurden betrachtet und dabei auch zu entsiegelnde Flächen aufgefunden. Sie verhindern später Hitzeinseln, erneuern das Grundwasser besser und haben bessere Insektenmöglichkeiten. Ziel ist es dabei, eine Balance zu finden zwischen Wasserhaushalt, Wiesen- und Rasenflächen. So schafft man artenreiche Flächen, Hecken und Staudenflächen, die neben der Artenvielfalt auch eine Anpassung an den Klimawandel und bessere Kühlung durch Feuchtigkeit ermöglichen.
Priorisierung durch die Besucher
In der folgenden Pause wurden die Besucher aufgerufen, an Stellwänden mit drei Klebepunkten die zuvor von ihnen eingereichten Themen zu priorisieren. Sie sollen nach dieser Publikumsumfrage bei der Gestaltungsplanung durch die Stadtverwaltung berücksichtigt werden. Dabei lagen die Themen des Bürgersteigbewuchses, der Baumpflanzungen und der Steingärten im Interesse der Anwesenden vorn., erstaunlicherweise priorisierte niemand die Häufigkeit der Grünpflege.
Anschließend ging Dr. Breuer auf die Prioritäten einiger Punkte ein und griff bestimmte Themen heraus, um sie detaillierter zu besprechen. Dabei betonte er zum Thema „Umgestaltung der Schottergärten“, dass deren Zuständigkeit nicht nbei der Kommune, sondern bei der Regionsbauaufsicht liege. Lösungen wurden debattiert. Totholzhaufen und -bäume für Vögel und andere Tiere könnten an verschiedenen Stellen stehen bleiben werden. Auch „tote“ Stauden sollten nicht generell entfernt werden, weil viele Tierarten sie nutzen zur Überwinterung. Beim „Baumpflanzen“ ist die „natürliche“ Aussaat besser als eine Nachpflanzung über eine Baumschule wegen der Wurzelbildung. Auch die Pflege wurde betrachtet, weil doch viele eigentlich eine gemähte Wiese haben möchten. „Aber“, so betonte Bräuer, „hier ist nicht das Allgäu, sondern Sehnde.“
Zudem kam die Vermüllung von Flächen zur Sprache, die durch eine Grünplanung nicht vermieden werden kann und wo jeder einzelne in Sehnde gefordert ist. Eine Servicefunktion des Baubetriebshofes Sehnde zum Müllräumen gibt es nicht.
Transparenz war ein anschließend gemeinsamer Punkt, der sich durch die ganzen Wünsche und Vorschläge zog, jedoch war auch hier klar, dass man nicht jedem Bürger die Information hinterhertragen könne, sondern eine Nutzung der Medienangebote durch die Bürger erfolgen muss.
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