Podiumsdiskussion der SPD Sehnde zur Gesundheitspolitik in der Region

Podiumsdiskussion der SPD Sehnde zur Gesundheitspolitik in der Region
Rund 50 Gäste waren nach Sehnde gekommen, um die Diskussion auf dem Podium mit Dr. Andreas Philippi, Daniela Busche und Eva Bender (v.li.) zu verfolgen - Foto: JPH
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Zu einer Podiumsdiskussion in Sehnde zum Thema Gesundheitspolitik in Niedersachsen und der Region Hannover hatte die SPD Sehnde für Mittwochabend, 18.02.2026, ins Apart Hotel eingeladen. Auf dem Podium angekündigt waren der niedersächsische Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi, die SPD-Kandidatin für die Regionspräsidentschaft, Eva Bender und – als Moderatorin – die SPD-unterstützte parteilose Bürgermeisterkandidatin Daniela Busche. Den Vorsitz der Veranstaltung hatte Dr. Silke Lesemann (MdL), die in ihrer Einführung neben den rund 50 Gästen und beiden Podiumsgästen auch den Sehnder Bürgermeister Olaf Kruse, die Landtagsabgeordnete Heike Köhler und den SPD-Bürgermeisterkandidaten für Lehrte, Michael Clemens, begrüßte.

Diskussionsthema Gesundheitspolitik

In ihrer Anmoderation stellte Busche die beiden Besucher vor, führte ins Thema „Gesundheitsversorgung in Niedersachen“ ein. Sie wollte mit den Gästen über die ärztliche Versorgung in der Region – sicher auch mit speziellem Blick auf das KRH – diskutieren. Dass dabei das Thema „Krankenhausreform 2030“ und die Schließung des Krankenhauses Lehrte thematisiert würde, war sicher. In ihrer Einleitung führte Busche aus, dass man in verschiedenen Lebensabschnitten auch verschieden Erfahrungen mit dem „Gesundheitswesen“ macht – und dass das Krankenhaus mit der Notversorgung immer mehr den Hausarztbesuch ersetzen würde, was dort zu einer Überlastung führe. Generell sei das ein Hinweis, dass der Arzt und Fachkräftemangel massiv sei und sich vergrößern werde, wenn man keinen Maßnahmen dagegen finde. Auch die Pflege sei davon betroffen.

Eingangsstatement

Einleitend sagte Dr. Philippi, dass es sicher einen Unterschied mache, ob man in der Stadt oder auf dem Lande lebe. Es wäre aber wichtig, dort den Bürgern darzustellen, dass man nicht abgekoppelt sein wird mit der Krankenhausreform.

11,5 Stellen für Hausärzte und elf für Fachärzte gebe im Raum Sehnde/Lehrte, davon seien viele über 50 Jahre alt – und eine Nachbesetzung offen. Daher stelle sich die Frage, wer entscheidet, wer sich wo niederlassen dürfe. Eine Grundsatzfrage, die viele Bürger umtreibe, denn die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen greift da massiv ein. So ist die Region Hannover derzeit gesperrt für Zuzug von Ärzten, führte Philippi aus. Helfen würde dabei die Notarztrufnummer 116 117 als erster Ansprechpartner, der softwaregesteuert die ersten Kriterien abfrage und dann die notwendigen Maßnahmen einleite. Dieser Kontakt, so Philippi, steuere den Hilfebedürftigen so, dass er nicht mehr zunächst „irgendwohin“ gebracht wird, sondern gleich in die spezialisierte Versorgung. Eine Erfahrung, die viele Nutzer mit der Telefonnummer nicht unterschreiben können.

Diskussion

Vorbereitet hatte die SPD auf jedem Sitzplatz einen „Bierdeckel“, auf dem die Besucher ihre Frage stellen konnten, die dann im Weiteren besprochen wurde.

Ein darauf angeführtes Problem waren fehlende Kinderärzte und schwache Versorgung. Das aber sei im Land gelöst worden, so Dr. Philippi, indem man sie aus der Budgetierung herausgenommen habe und sie allein nach Leistungen bezahlen werde. In Niedersachsen greife das, andere Bundesländer haben das System allerdings nicht eingeführt.

Zudem gebe es mehr Studienplätze – 60 Plätze, auf die jeweils vier Bewerber kommen – um das Problem der Landärzte zu beheben. Hierauf bewerben sich sogar ausgebildete Arzthelfer, Rettungssanitäter und andere vorqualifizierende Berufstätige.

Eine reges Gespräch entwicklete sich mit den Gästen und dem Podium zu den verschiedenen Themen der Gesundheitspolitik – Foto: JPH

Dazu gibt es für ausscheidende Fachärzte wie Chirurgen eine zweijährige Umschulung, sich zum Hausarzt ausbilden lassen, um noch weiter praktizieren zu können. Außerdem komme der neue Beruf des „Physical Assistant“ in Niedersachsen, der auch außerhalb der Praxis arbeite. Dadurch könnten rund 100 neue Ärzte in Niedersachsen gewonnen und eine Versorgung in kleinen Orten gesichert werden. Unangesprochen blieb die Frage nach der kassenärztlichen Selbstverwaltung, die mancheinem Niederlassungswunsch einen Riegel vorschiebt und das Verfahren verlängert.

Facharztmangel

Bender hob noch einmal auf die Facharztmangel ab. In der Region, anders als in der Stadt Hannover, haben die Bürger dazu eine Unterversorgungsangst, die ständig zur Sprache komme. Auch für die Pflege gelte ähnliches. Da helfen die Pflegestützpunkte, die auch für die private Pflege unterstützen, beraten und organisieren. Philippi bestätigte, dass auch hier der demographische Wandel neue Wege erfordere. Denn nur 15 Prozent der Bürger müssen tatsächlich in Pflegeeinrichtungen betreut werden, die Mehrzahl wird zuhause gepflegt. Da benötigt man die Unterstützung, auch digital, um die Hilfesuchenden zu entlasten. Ein weiteres echtes Hindernis sei bei der Betreuung in der Pflege und der ärztlichen Betreuung der Dokumentationsaufwand. Eine Entlastung würde rein rechnerisch zur Erhöhung der Betreuungs- und Behandlungsquote führen. In der Digitalisierung liege eine deutliche Chance zur Situationsverbesserung. Wobei er auch einschränkend ausführte, „Sehnde ist nicht ländlicher Raum“.

Die Gemeindeschwester

Auch für die Region wird über den Job einer Gemeindeschwester nachgedacht, so Bender.  Diesen Beruf gab es früher – besonders auch in der DDR mit guten Erfahrungen. Die Gemeindeschwester hilft den Bürgern, ist direkt Unterstützende für ihn im und vor Ort; sie dienen als Ansprechpartner, Erste Hilfe bei Krankheiten und Stütze mit Sachkenntnis zu Möglichkeiten.

Auch hier gab es wieder das „Privatversicherten-Bashing“ mit der Frage, weshalb diese bevorzugt werden. Das allerdings, so die Antwort vom Podium, gäbe es kaum noch – das sei vielmehr auf einige wenige Praxen heute noch beschränkt.

Das KRH und die lokale Versorgung

Natürlich kam auch die Frage zur Schließung des Krankenhauses in Lehrte. „Jeder, der in diesem Land einen Krankenhausplatz benötigt, bekommt ihn auch“, so Philippi auf die entsprechende Frage aus dem Besucherkreis. Dazu gäbe es ein digitales System, auf das die Krankentransporte Zugriff haben. So käme jeder in eine fachlich ausgerichtete Klinik, sei es das KRH oder ein Privatunternehmen. Bender sagte, man dürfe in der Region nicht nur auf das KRH blicken, sondern müsse auch die privaten Klinikfirmen wie Diakovere, Elisabeth Vinzenz Verbund oder MHH mit betrachten. Nach ihrer persönlichen Erfahrung ist es oft besser, nach einem längeren Weg in eine fachlich hochqualifizierte Klinik zu kommen, als später erneut verlegt werden zu müssen. Und sie bot an, zu einem diesbezüglichen Gespräch nach Lehrte zu kommen.

Philippi verwies auf das Internet, wo man über eine spezialisierte Seite das nächste spezialisierte Krankenhaus finden könne. Zudem seinen 40 Minuten Transport kein Problem, wenn man danach direkt in fachspezialisierte Hände komme. Notfälle mit Notarzt seien im Übrigen nur fünf Prozent der Fälle – meistens Schlaganfälle.

Erreichbarkeit

Als Dank für ihren Besuch übergab Dr. Silke Lesemann (li.) ein Gastgeschenk an Dr. Philippi und Bender – Foto: JPH

Auch der Anschluss des Krankenhauses in Burgwedel mit dem öffentlichen Nahverkehr kam zur Debatte. Bender verwies auf die „relativ gute Anbindung von Sehnde“ mit Sprinti, Bus und S-Bahn, was in anderen Bereichen der Region nicht so vorhanden sei. Allerdings hatte eine Berechnung der SN vor Jahren ergeben, dass man aus Klein Lobke bei einem morgendlichen Termin dort mit dem ÖPNV (ohne die Buslinie 800 damals) am Tag vorher losfahren müsse. Auch der Seniorenfahrdienst, den Bender ins Feld führte als eine Lösung, wird dies nicht leisten können.

Prävention

Schule und Bewegung als Vorsorge kam auch zur Sprache. Hier geht es laut Bender auch um mentale Gesundheit und Ernährung. Sie ist der Meinung, man solle das auch als Schulfach aufnehmen, aber derzeit arbeiten viele Kommunen an ergänzenden Programmangeboten dazu. Was aber nicht die Ultima Ratio in diesem Bereich sein könne. Busche wies dabei auf die Möglichkeiten in Sehnde hin. Dazu komme bei psychologischen Problemen die Frühdiagnose, hinzu um solche Erkrankungen wie Burn Out, Depressionen und Einsamkeit bei Zeiten zu erkennen. Dr. Philippi sprach auch die Idee eines „Sozialrezeptes“ für soziale, präventive oder gesundheitsfördernde Angebote an.

Philippi definierte zunächst, ob man einsam meine oder allein. Dabei sei der Arzt für die soziale Komponente der falsche Ansprechpartner. Er brachte auch die Kinder ins Spiel, bei denen man die U-Untersuchungen 1 bis 6 im Sinne von Prävention verbessert habe und auf Früherkennung setze – je früher ein Defizit erkannt werde, umso erfolgreicher könne man eingreifen. Dazu kamen dann noch Fragen der Ernährung, der Bewegung und der Handy-Nutzung.

Hilfen für Menschen

Assistenzsysteme war ein noch Thema. Doch, so Philippi, dazu muss man auch bereit sein, diese anzunehmen. Das ist das wesentliche Kriterium. Das sei gerade bei älteren Leuten oft eine schwierige Frage.

Auch bei der Handynutzung gibt es viele Behandlungsfälle von Handysucht, gestiegen nach Corona. Dazu muss man aber auch, wie bei den älteren Bürgern, die Kinder unbedingt selbst einbeziehen. „Ohne die Betroffenen geht da nichts“, meinte er.

Kritik gab es auch an der niedersächsischen Bildungsministerin, die keine „klare Kante“ zeige bezüglich der Handyregelung. Vieles verändere sich, wenn man die Geräte aus der Schule verbanne: die Interaktion zwischen den Schülern erfolge dann nämlich, so die Erfahrung, auf einer anderen Ebene – persönlich, direkt und mit Interaktionen wie gemeinsame Spiele.

Verabschiedung

Gegen 20.10 Uhr beendeten Busche und Dr. Lesemann die Veranstaltung und dankten allen Besuchern und den Podiumsgästen für ihre Anwesenheit und intensive Diskussion.

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