Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2026 an der KGS Sehnde

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus wird sich am kommenden 27. Januar 2026 zum einundachtzigsten Mal jähren. Nur noch sehr wenige Zeitzeugen halten mit ihrer Existenz und in ihren Worten die Erinnerung daran wach. Eine der prominentesten Holocaustüberlebenden, Margot Friedländer, verstarb Mai 2025 im Alter von 103 Jahren.
Erinnerungswürdig bleibt ihr Eintreten gegen jegliche religiös motivierte Propaganda im Namen der Menschlichkeit. Nur Wochen vor ihrem Tod war sie zu Gast auf dem Bundespresseball und richtete dort mahnende Worte an die versammelten Politiker und Journalisten: „Denn ohne Pressefreiheit gibt es keine freiheitliche Demokratie. Ich bitte euch herzlich: Passt gut auf unser Land auf.“ Mit „unser Land“ meinte sie Deutschland. In ihren 103 Lebensjahren hatte sie als junges Mädchen den Aufstieg der NSDAP und die Zerstörung der Weimarer Demokratie erfahren, als Teenager die NS-Diktaturerrichtung erlebt, als junge Frau im Krieg Zwangsarbeit geleistet, Familienverlust und ab 1944 Theresienstadt überlebt. Sie wusste ganz genau, wovon sie 78 Jahre später sagte: „Was war, können wir nicht mehr ändern. Aber es darf nie wieder geschehen.“
Die Regierungen der Länder und des Bundes des Bundesrepublik Deutschland stehen seit geraumer Zeit schon unter einem enormen Druck, auf die sich in der Gesellschaft spiegelnden Spannungen des Nahostkonflikts zu reagieren, gleichzeitig Antisemitismus zu bekämpfen und rechtsextreme Diffamierungen unserer Demokratie abzuwehren. Immer wieder verdeutlichen Gewalttaten gegen jüdische Menschen weltweit, wie zuletzt das Massaker von Bondi Beach in Sydney/Australien, dass eine Auseinandersetzung mit Judenfeindlichkeit, ihrem geschichtlichen Inbegriff im Holocaust und gesellschaftlichen Virulenz in größtmöglichem Umfang und wirksamer Tiefe geleistet werden muss.
Die Fortführung des Erinnerns an den industrielle Menschenvernichtung der Nationalsozialisten, das Gedenken an die Opfer der NS-Herrschaft und die Auseinandersetzung mit der gesamten NS- Diktatur liegen in der Verantwortung der Weltgemeinschaft und bleiben die besondere Aufgabe der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Sie wird immer dringlicher, erreichte doch 2024 die Zahl rechtsradikaler Propaganda- und Volksverhetzungsdelikte mit 37.835 Straftaten einen Höchststand.
Historisches Wissen bewahren
Während die Zeugen der NS-Zeit uns verlassen und Neofaschisten immer mehr werden, müssen wir unser faktenbasiertes historisches und politisches Wissen und Urteilsvermögen effektiv stärken. Ein Indikator: Demokratiezerstörung durch pseudolibertärem Social-Media-Monopolismus, völkisch „gerechtfertigte“ Ausgrenzung, Anfeindung anderer Meinungen und dergleichen stellen reale Erbinformationen der NS-DNA dar, die gegenwärtig neu ausgeprägt wird. Zu meinen, die politischen Erben von 1933 mit ihrer retro-konservativer Politik „einrahmen“ und „zähmen“ oder gar überflüssig machen zu können, beschwört die Gefahr der Wiederholung eines folgenschweren historischen Irrtums herauf. Politik, Wissenschaft, Kultur, Gesellschaft und bereits die Schule müssen deutlicher und energischer als je zuvor mit wissenschaftlich gesicherten Fakten auf die Folgen nationalsozialistischer Denkart, Sprache und Politik aufmerksam machen und mit Wahrheit, Klarheit und Orientierung darauf reagieren.
Wissen schaffen und Urteilsvermögen aufbauen
Zu den historischen Tatsachenwahrheit gehört, dass Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Polen, Russen, konservative, sozialistische und demokratische Diktaturgegner vor neunzig Jahren allesamt Opfer einer terrorisierenden und unterdrückenden NS-Herrschaft in Deutschland und Europa waren. Heute droht unserer freiheitlich-demokratischen und pluralistisch-offenen, friedlichen Gesellschaftsordnung die gleiche Gefahr wieder. Die Schule muss mit Erinnerungsarbeit das Wissen um die Themen der Shoah, der Gleichschaltung, der Machtergreifung und des staatlichen Terrors weitergeben, deren Erkennen lehren und das Urteilsvermögen der Schüler stärken.
Die dazu vorhandene symbolische Bedeutung des Konzentrationslagers Auschwitz schlägt sich nieder in der gebräuchlichen Bezeichnung des 27. Januars als „Auschwitz-Gedenktages“. Dabei ist dies nur die Kurzversion für „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, der 1996 von dem damaligen, 2017 verstorbenen, Bundespräsidenten Roman Herzog initiiert worden ist. Herzog: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll […] jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“
Arbeit an der KGS
An der KGS Sehnde ist der „Auschwitz-Gedenktag“ zum Kern eines Konzepts gemacht worden, das Courage fördern und menschenrechtsfeindlichen Ismen entschlossen begegnen will. Das Prädikat „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, das die KGS Sehnde trägt, steht für kurz- und langfristige Projekte, deren gemeinsames Ziel es ist, das Vergessen, Verharmlosung, Revision, Klitterung und Instrumentalisierung von Geschichte zu konterkarieren und widerlegen durch Wissen und Bewahren der Erinnerung an die historischen Fakten.
Seit 2017 liegt das aktive Gedenken sowie die kritische Wachsamkeit in den Händen engagierter Schüler der KGS, die die Gedenktag-Ausstellung jedes Jahr neu ausrichten.
Ausstellungskonzept 2026
Die am 27. Januar 2026 erneut startende Ausstellung wird – wie bisher – verschiedene Räume umfassen, in denen aus dem Leben von Opfergruppen vor und nach der NS-Zeit berichtet wird. Die Bedeutung von Auschwitz – auch als Symbol und Mahnung für aktuelle politische Strömungen – wird dokumentiert, Gedenkformen und -stätten werden vorgestellt sowie Raum zur persönlichen Reflexion gegeben.
Diese Gedenktaggestaltung ist das erneute Produkt engagierter Schüler der Sekundarstufen I und II der KGS Sehnde. Ihre Ausstellungsideen beruhen auf der Erfahrung, vor Ort in Auschwitz, Sachsenhausen oder Hannover-Ahlem gewesen zu sein, und folgen dem Ideal, sich selbstbestimmt mit dem Holocaust und der Ermordung aller von den Nationalsozialisten ausgegrenzten und verfolgten Menschen auseinanderzusetzen – um Schlüsse für die heutige Politik ziehen zu können.
Die Ausstellung wird dieses Jahr am Dienstag, 27.01.2026, in den Unterrichtsräumen auf der 2. Etage des W-Trakts vormittags für den neunten Jahrgang und um 11.30 Uhr offiziell für geladene Gäste eröffnet.
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