Weiber übernehmen Sehnde – und stürmen erstmals hannoversches Rathaus

13. Februar 2015 @

Gestern war es wieder soweit: Wehe, wenn sie losgelassen – um die Glocke mal wieder zu zitieren. Es war Weiberfastnacht. Das ist ein Brauch aus dem Karneval, an dem die Frauen ohne Männer die Gassen bevölkern, für viele Niedersachsen relativ unbekannt. Aber – und darin liegt die Gefahr – auch jedem angetroffenen männlichen Wesen die Krawatte abschneiden. So auch wieder gestern in Sehnde. Doch dieses Mal ging das frevelhafte Treffen sogar in der Landeshauptstadt weiter.

Unter Führung ihres "Direktors" stürmten die Weiber Edeka - Foto: JPH

Unter Führung ihres „Direktors“ Regine Höft (re.) stürmten die Weiber Edeka – Foto: JPH

Als Can-Can-Tänzerinnen verkleidet trafen sich 13 Frauen und ein „Mann“ als Aufsicht und Direktor in der Mittelstraße. Organisiert wurde die Weiberfastnacht erneut von Traute Peukert, die die Gruppe für 9.15 Uhr in die Mittelstraße bestellt hatte und zudem für die zugehörige Musik sorgte. Dann ging es in die Edeka-Filiale von Günter Jacoby. Der wurde kalt erwischt – und ruck-zuck war die Krawatte ab. Nachdem die Damen unter Leitung ihres „Direktors“ Regine Höft den Halsschmuck zerstückelt hatten, kaufte sich Jacoby mit einem Frühstück frei. Nach einer zünftigen Polonaise über die Wurst und durch den Käse vorbei an den Keksen zog die Truppe weiter. Doch dieses Mal ging es nicht ins Rathaus, denn dort hatte sich der Bürgermeister vorsorglich mit einer Dienstreise in Deckung gebracht und der Erste Stadtrat weilte im Zentrum der Weiberfastnacht, in Köln, wie Karnevalsgerüchte besagen.

Mit einem Frühstück und "verlorener" Krawatte besänftigt Günter Jacoby (re.) die Bestatzungstruppe - Foto: JPH

Mit einem Frühstück und „verlorener“ Krawatte besänftigt Günter Jacoby (re.) die Bestatzungstruppe – Foto: JPH

Doch die „Weiber von Sehnde“ waren um hochrangigen Ersatz nicht verlegen. So verlegte man den Einsatzraum kurzentschlossen ins hannoversche Rathaus, wo der Oberbürgermeister Stefan Schostok residiert. Genau um 11.11 Uhr stürmten die Sehnderinnen, nunmehr verstärkt um zwei „Ortskräfte“ der Leinespatzen, ins Büro des OB. Der war gerade in einer Konferenz zur Metropol-Region mit Hildesheim, Braunschweig, Wolfsburg und Göttingen – und wurde von den „Weibern“ genauso wie seine Gäste überrascht. Vier Krawatten mussten dran glauben, aber mit dem bereitgestellten Sekt konnten sie rebellischen Geister schnell besänftigt werden.

Sehr skeptisch beobachtet der Oberbürgermeister Stefan Schostok die Attacke - Foto: JPH

Sehr skeptisch beobachtet der Oberbürgermeister Stefan Schostok die Attacke – Foto: JPH

Und so ganz unerwartet kamen die aufsässigen Gäste ja nicht: „Ich hatte die Gruppe spontan für heute zum Rathaussturm eingeladen“, gab der Oberbürgermeister zu. „Wir waren bei den Leinespatzen und haben über diesen ‚Besuch‘ gesprochen.“ Und so kam es zu dieser ersten denkwürdigen Rathauserstürmung zu Weiberfastnacht beim Oberbürgermeister in Hannover. Nach kurzer „Besatzungszeit“ des Büros zog sich die Can-Can-Truppe mit ihren Schlips-Trophäen angeführt vom „Direktor“ wieder zurück und suchte erneut Sehnde heim – nicht ohne Einladung der „Ortskraft“ Monika Magercurth zuvor, sich am Karnevalsumzug am Sonnabendmittag bei den Leinespatzen zu beteiligen.

Das "Überfallkommando" aus Sehnde hat die Krawatte des OB erbeutet - Foto: JPH

Das „Überfallkommando“ aus Sehnde hat die Krawatte des OB (mi.)  erbeutet – Foto: JPH

Zurück in Sehnde besetzte die Gruppe zunächst das CappuVino und erzwang die Herausgabe von Sekt und anderen Erfrischungsgetränken, die Susanne Martel glücklicherweise kalt gestellt hatte. Danach ging es weiter zum Schmuckgeschäft Solitär und dann entlang der Mittelstraße zum Eiscafé von Fabio Zuliani. Sie alle mussten Tribut entrichten, um sich der Besatzung wieder zu entledigen. Nur eine Einrichtung der Stadt blieb dieses Jahr verschont: Das Sehnder Rathaus. Aber 2016 ist ja wieder Weiberfastnacht…

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