Vom Staube bedeckt: „Kalimandscharo“ sorgt für Ärger bei Anliegern

28. Mai 2015 @

Der Kalimandscharo, die Halde Friedrichshall im Westen Sehndes, wird zur Abdeckung mit Bauschutt bedeckt und dann mit einer Deckschicht überzogen. Die aber sorgt jetzt wieder für erheblichen Verdruss bei den Anliegern im Stauffenbergring und der Vorsteher-Rust-Straße in Sehnde.

Volker und Regina Bresgott müssen auf der Terrasse die Gläser abdecken - Foto: JPH

Volker und Regina Bresgott müssen auf der Terrasse die Gläser abdecken – Foto: JPH

„Heute ist es besonders schlimm“, teilt Volker Bresgott, Anwohner des Stauffenbergringes am Montag mit. „Da kann man die Bergspitze kaum sehen.“ Gemeint ist die des Kalimandscharo – und auch der Kampf der Anwohner der Straßen am Rand des Berges mit dem Staub von dort, den sie täglich führen. Immer, wenn der Wind „richtig“ steht – und das tut er nach den Angaben von Bresgott sehr häufig -, weht Staub vom Berg auf die Häuser, die Möbel, in die Zimmer und auf die Autos.

„Wir können alle zwei Tage im Haus Staub wischen“, erzählt Regina Bresgott und die Nachbarn bestätigen das. „Ich muss mein Auto trotz Garage jede Woche waschen“ erzählt Klaus Mendel und öffnet das Garagentor. Tatsächlich liegt viel gelber Staub auf dem Wagen, trotz der geschlossenen Tür. „Letztens wehte es ganz schwarz zu uns“, so Bresgott, der die Gläser auf der Terrasse vorsorglich immer abdeckt, und seine Frau ergänzt: „Man weiß ja gar nicht, was da alles da drin ist.“

In letzter Zeit verdecken dichte Staubwolken die Bergspitze - Foto: V. Bresgott

In letzter Zeit verdecken dichte Staubwolken die Bergspitze – Foto: V. Bresgott

Eigentlich wird gesprengt, so ist es vereinbart. Das bestätigen auch Bresgott und andere Anlieger „im Prinzip“; aber „die Fahrzeuge fahren nicht mehr, wie wir von hier gut beobachten können“, fügt er hinzu. Bis vergangenes Jahr sei noch alles besser gewesen, so die Anlieger. „Unsere Beschwerden führten im Zweifelsfall immer zur Sprengung, aber dieses Jahr sprach man nicht mal mit mir, es hatte keinen Zweck“, so der genervte Anwohner. Deshalb hat Bresgott jetzt den Ortsrat eingeschaltet.

Überall werden die Autos vom Sand überzogen - Foto: V. Bresgott

Überall werden die Autos vom Sand überzogen – Foto: JPH

Dass sich da etwas verändert hat, meint von dort auch Ratsherr Werner Kracke, der die Beschwerden kürzlich im Rat der Stadt vorgetragen hat und sich bestens in Sehnde auskennt. „Der Fahrer des Sprengwagens ist seit 1.4. in Rente und seitdem klappt das nicht mehr. Und das, obwohl es einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2010 dazu gibt“, so Kracke. Abgestimmt mit dem Ortsrat und dem Stadtentwicklungsausschuss – damals. „Werner Schmidt ist vor Ort am Stauffenbergring und der bestätigt, dass kein Sprengen erfolgt. Der hat mich informiert“, sagt Kracke am Telefon. Er meint, der Beschluss aus 2010 müsse jetzt mal vom Stadtrat überprüft werden.

Dem widerspricht Ulrich Göbel, Pressesprecher von K+S, dem Betreiber der K+S Baustoffrecycling GmbH vom Kaliberg. „Nichts Gesundheitsgefährdendes wird da abgeladen“, teilt Göbel mit. „Das, was dort leider verweht, ist die Abdeckschicht aus Sand. Der April ist beispielweise außergewöhnlich trocken gewesen. Dies hat – trotz kontinuierlicher Befeuchtung der nicht unmittelbar in Bearbeitung befindlichen Bereiche – die Entstehung von Staub begünstigt und hat möglicherweise den subjektiven Eindruck erzeugt, dass insgesamt eine deutliche Zunahme der Staubbelastung festzustellen sei.“ Auch sei nur die Deckschicht von den Verwehungen betroffen: „Der Windabtrag betrifft naturgemäß die Oberfläche der Haldenabdeckung. In dieser Schicht (Rekultivierungsschicht), werden keine Z2-Materialien eingebaut. Grundsätzlich gilt darüber hinaus aber, dass die von uns innerhalb der Z2-Klassifizierung genutzten Materialien ausschließlich ‚ungefährliche Stoffe‘ sind. Die Befürchtung ‚giftige Stoffe‘ könnten verweht werden, ist also vollständig unbegründet“, beruhigt Göbel.

Tatsächlich wird der Arbeitsbereich, wie man sieht, gewässert - Foto: JPH

Tatsächlich wird der Arbeitsbereich, wie man sieht, gewässert – Foto: JPH

Dabei ist K+S bestrebt, die Arbeitsbereiche zu wässern und die Verwehungen zu minimieren. „Selbstverständlich bemühen wir uns, die mit der Haldenabdeckung verbundenen Emissionen so gering wie möglich zu halten, um die Anlieger so wenig wie möglich zu belästigen. Eine wesentliche Maßnahme in diesem Zusammenhang ist die vorbeugende Anfeuchtung von Flächen, auf denen bei entsprechender Witterung möglicherweise Staub entstehen kann. Für diese Maßnahmen haben wir ein spezielles Fahrzeug beschafft und das erforderliche Personal eingestellt. Die Stelle des Sprengwagenfahrers ist nachbesetzt worden. Allerdings ist es leider nicht möglich, alle in Frage kommenden Flächen jederzeit anzufeuchten. Auszunehmen sind aus bautechnischen Gründen regelmäßig die Flächen, auf denen aktuell Arbeiten stattfinden. Wir bemühen uns allerdings, diese Phasen so kurz wie möglich zu halten. Und jede Fahrt wird dokumentiert.“

Doch einige Bereiche bleiben auch trocken - Foto: JPH

Doch einige Bereiche bleiben natürlich auch trocken – Foto: JPH

Das Staubproblem war etwas besser, als die Seite zur Stadt hin zugewachsen war, aber nun wird dort wieder gearbeitet – zudem liegt seit ein paar Tagen auf der Westseite ein großer Berg Sand zur Abdeckung. Den bringt der Wind mit nach Osten. Allerdings bliebt alles im gesetzlichen Rahmen, betont Göbel auf die Frage nach Messungen und Feinstaub: „Für den Bereich Baustoffrecycling gibt es keine gesonderten Messungen zur Ermittlung der Staubemissionen, da im Genehmigungsverfahren durch Fachgutachten der Nachweis geführt wurde, dass die zu erwartenden Staubemissionen so gering sein werden, dass sie in jedem Fall unter den gesetzlich zulässigen Werten bleiben werden. Ungeachtet dessen lassen wir am Standort seit mehreren Jahren im Rahmen der freiwilligen Emissionsüberwachung (Staub) durch ein externes Ingenieurbüro ein breit angelegtes Messprogramm im Bereich der Halden Friedrichshall und Hugo durchführen, das auch die angrenzenden Wohngebiete abdeckt. Die Auswertung für das Jahr 2014 läuft derzeit. Die Ergebnisse der Vorjahre haben ohne Ausnahme bestätigt, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten und zum Teil sogar weit unterschritten werden.“

Allerdings sind die Anwohner in der Sitzung des Fachbereichsausschusses Stadtentwicklung am Mittwochabend vorstellig geworden, um von der Stadt Maßnahmen zu verlangen. Die Stadtverwaltung hat zugesagt, die Lage nochmals zu prüfen und mit dem Bergamt zu besprechen (siehe gesonderten SN Bericht).

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