Trautes Heim: Glück allein – oder eher Martyrium?

16. November 2015 @

Unter dem Motto „Trautes Heim, Glück allein?!“ eröffnete der Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt des Präventionsrates vergangenen Donnerstag um 11 Uhr im Foyer des Rathauses Sehnde eine Kunstinstallation. Dazu sind Informationen über häusliche Gewalt und Möglichkeiten zur Hilfe ausgelegt. Das Werk bleibt dort noch bis zum 25. November stehen.

Brigitte Mende, Sarah Peters, Editha und Dr. Thomas Vögel zeigen die Installation - Foto: JPH

Brigitte Mende, Sarah Peters, Editha und Dr. Thomas Vögel (v.re.) zeigen die Installation – Foto: JPH

Die Installation, eine auf den ersten Blick alltägliche Wohnzimmerkulisse, soll darauf aufmerksam machen, dass häusliche Gewalt überall und in jeder gesellschaftlichen Schicht vorkommt. Das Kunstwerk wird im Foyer bis zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, Mittwoch, 25. November, ausgestellt bleiben.

Zirka 30 Personen hatten sich zur Eröffnung der durch den Arbeitskreis selbst entwickelten Installation durch die stellvertretende Bürgermeisterin Gisela Neuse eingefunden. Sie freute sich, dass doch derart viele Besucher zu der ungewöhnlichen Zeit zu dem ungewöhnlichen Thema eingefunden hatten, „doch leider ist es alltäglich“, so Neuse. „Gewalt zuhause ist unabhängig von Bildungsstand und Herkunft, sie wird eher ‚weitervererbt‘ in Familien. So lernen viele Kinder sie kennen, halten sie dann für normal und agieren später in ihren Familien ebenso.“ Dabei gibt es sowohl Gewalt gegen Frauen und Männer, auch wenn die gegen Frauen überwiegt. Sie dankte dem Präventionsrat, der die häusliche Gewalt mit neuem Elan wieder öffentlich thematisiert.

Nach der Eröffnung gab es noch Gelegehit, bei einem Empfang über das Thema zu diskutieren - Foto: JPH

Nach der Eröffnung gab es noch Gelegenhit, bei einem Empfang über das Thema zu diskutieren – Foto: JPH

Danach sprach die neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Sarah Peters, dass familiäre Gewalt häufig versteckt ausgeübt wird. Man darf vor dem Thema nicht die Augen verschließen: Jede dritte Frau hat in ihrem Leben mindestens einmal gewalttätige Übergriffe erlebt und etwa die Hälfte der von Gewalt betroffenen Frauen erlebt diese durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner. „Gewalt gegen Personen in Familien ist keine Einzeltat. Sie geschehen vielmehr in Serie: Wunden, blaue Flecken, psychische Probleme – Indikatoren, die jahrelang versteckt werden“, führte Peters aus. „Allerdings fällt es den Betroffenen nicht einfach, zu gehen. So werden Indikatoren jahrelang versteckt und Vorgänge schön geredet.“

Die Gewaltformen unterscheiden sich, sind jedoch alle stark belastend für die Opfer und schränken diese massiv in ihrer Lebensqualität ein. Formen häuslicher Gewalt können sowohl rein psychisch durch Drohungen, Erniedrigungen und soziale Isolation als auch physisch sein. Beide Formen gehen jedoch meist nebeneinander einher und dienen den Partnern, bewusst oder unbewusst, als Mittel zu Machtausübung und Kontrolle. Darüber informiert die Ausstellung und das begleitende Material in der Auslage. Auch Hilfen, den Teufelskreis von Gewalt und Entschuldigung zu durchbrechen, sind ausgelegt. Viele davon können zunächst auch anonym genutzt werden, um einen Einstieg in den Ausstieg zu finden – in jedem Alter, denn dafür ist es nie zu spät.

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