Sehnde gedenkt der Reichspogromnacht

24. November 2015 @

Die Projektgruppe „Stolpersteine“ hatte die Sehnder anlässlich der Wiederkehr der Reichspogromnacht, von den Nazis verharmlosend „Reichskristallnacht“ genannt, mit Unterstützung der Stadtverwaltung in den Ratssaal eingeladen, um dem Ereignis vor 76 Jahren zu Gedenken und die Arbeit der Künstlerin Rahel Bruns durch Übergabe einer Publikation abzurunden. Rund 50 Gäste waren der Einladung gefolgt und wohnten der Feierstunde bei.

Dr. Regina Runge-Beneke blickte zurück auf Deutschlands dunkle Jahre - Foto: JPH

Dr. Regina Runge-Beneke blickte zurück auf Deutschlands dunkle Jahre – Foto: JPH

Zunächst begrüßte der Sehnder Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke die Gäste an diesem historischen Datum, das an das Ereignis der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 erinnert. Besonders erwähnte er Elfriede Brumsack, die als Betroffene dieser Feierstunde beiwohnte. Auch in Sehnde hatten die braunen Horden die jüdischen Mitbürger terrorisiert: So starb Klara Rose nach Steinwürfen in dieser Nacht, die zur Sicherheit vergrabene Thora-Rolle der jüdischen Gemeinde ist bis heute nicht wiedergefunden worden. Lehrke schlug auch den Bogen von der durch ideologischen Terror bedingten Vernichtungen im Dritten Reich zu den heutigen Flüchtlingsströmen, bedingt durch religiös verbrämten Terror.

Musikalisch begleitete die Jazz-AG der KGS mit Luciene de Souza Beck (Gesang) - Foto: JPH

Musikalisch begleitete die Jazz-AG der KGS mit Luciene de Souza Beck (Gesang) – Foto: JPH

Lehrke wies auch darauf hin, dass die nun erstellte Publikation zur Gedenktafel das Werk vervollständigt. Zwar gibt es schon eine kleine Broschüre, die aber stellt den Weg zum Mahnmal fragmentarisch dar und die Publikation ergänzt sie nun mit einer umfassenden Darstellung der Entstehung der Gedenkkultur in Sehnde und der Bedeutung der Tafel. Dr. Regina Runge-Beneke brachte in ihrer Rede Beispiele aus der näheren Umgebung über das Unrecht und die Verbrechen der damaligen Zeit und ließ die dunkle Vergangenheit vor den Gästen lebendig auferstehen.

Die Projektgruppe nahm am Ende der Feier die neue Publikation in Empfang - Foto: Reiner Luck

Die Projektgruppe nahm am Ende der Feier die neue Publikation in Empfang – Foto: Reiner Luck

Rahel Bruns beschrieb die Erarbeitung ihrer Publikation, die nunmehr die Gedenktafel ergänzt und das Literarische Quartett aus Uetze las Texte der im jüdischen Galizien geborenen Mascha Kaléko. Umrahmt wurde die Feierstunde von der Jazz-AG der KGS, die mit mehreren Stücken zum würdigen Gesamtbild der Feierstunde beitrug. Zum Abschluss, auch das ein aktueller Bezug, luden die Projektgruppe und die Stadtverwaltung noch zu einem Imbiss, den die Wasseler Ortsbürgermeisterin Almuth Gellermann mit Flüchtlingen aus ihrem Ortsteil vorbereitet hatte.

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