Rolf Steinhoff verlässt Sehnde nach 16 Jahren

30. Juni 2017 @

Ein bisschen mutet es an wie auf der Karikatur des Punch von 1890, wenn man dieser Tage das Zimmer betritt. Gepackt wird, ein Lotse geht von Bord – nach zwei Jahren weniger als Bismarck damals, und hoffentlich nicht genauso in seiner Auswirkung. Dabei will Rolf Steinhoff, scheidender Erster Stadtrat von Sehnde, sicher nicht mit dem „Eiserne Kanzler“ verglichen werden – immerhin ist er seit 1971 auch Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, einem „Zielobjekt“ von Bismarck.

Nach 16 Jahren gibt es für Rolf Steinhoff viel einzupacken – nicht immer leicht – Foto: JPH

Genau um 24 Uhr am 30. Juni 2017 endet Steinhoffs Dienstzeit als Wahlbeamter in Sehnde, nach nunmehr 16 Jahren. Über viele Stationen ist der Westfale nach Sehnde gekommen, um dort als feste Größe die Stadt mit nach vorn zu bringen. Und das ist gelungen, so Steinhoff im Rückblick. Sehnde ist nicht nur eine stetig wachsende Stadt, sondern im Regionsschnitt auch die jüngste. Eine sinnvolle „Entwicklungspolitik“, von ihm entscheidend mit gestaltet, hat nicht unmaßgeblich dazu beigetragen. Nun bricht, das kann man wohl mit Fug und Recht sagen, eine neue Ära im Rathaus an.

Einst hatte der heute 62-Jährige, der in Ahlen/Westfalen geboren wurde, seinen Hauptschulabschluss in Ahlen gemacht und ging dort auch zur Höheren Berufsfachschule. Dann zog es ihn für zwei Jahre zur Bundeswehr, wo er in der Infanterie in Schleswig-Holstein Dienst leistete. Danach absolvierte er beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe ein duales Studium, wie es heute viele Verwaltungsangehörige machen. Nach dessen erfolgreichem Abschluss arbeitete er zunächst von 1979 bis 1981 bei der Straßenbauverwaltung Münster, dann von 1981 bis 1988 bei der Straßenbauverwaltung des Landschaftsverbandes in Bielefeld und war dort für Rechtsangelegenheiten und für den Grunderwerb zuständig. „Ich lernte viele Vorschriften kennen und schloss vor allem Verträge ab“, erinnert sich Steinhoff.

Danach machte er dann drei Jahre Erziehungspause. „Eine gute Zeit des Kennenlernens meiner Tochter“, blickt er heute zurück. Doch so ganz ließ ihn das Kommunale damals schon nicht los. „Von 1984 bis 1991 saß ich im Rat der Stadt Rheda-Wiedenbrück, hatte viele Funktionen in der Fraktion unter anderem als finanzpolitischer Sprecher. Dort gestaltete er auch die Sparkassenorganisation mit und saß anschließend in deren Verwaltungsrat. Dann war er beim Kreis Gütersloh tätig im neuen Umweltamt und dessen Verwaltungsleiter er etwas später wurde. Das größte Projekt und gleichzeitig auch das langwierigste war die Großdeponie mit rund 5 Millionen Tonnen Lagerkapazität, für das er 111 Hektar Grundstücke aufkaufte. „Damals habe ich dann Müll über Landesgrenzen hinweg ‚gemakelt‘ und viel über das kommunale Geschäft gelernt“, sagt er zu der damaligen Zeit.

Das war wohl so erfolgreich, dass er ohne viel Fragen anschließend ins Hauptamt des Landkreises wechselte und den Bau des neuen Kreishauses als Bauherrenvertreter mit dem ersten Spatenstich organisierte: „Wir sind mit der Fertigstellung 1997 im Zeitplan geblieben. Und haben die Kosten um fünf Millionen Mark unterschritten.“ Zeitgleich erfolgte die Übergabe der Amtsgeschäfte des Oberkreisdirektors an die neue Landrätin. 1995 war Steinhoff bereits Amtsrat geworden und wurde dann dort 1999 Verwaltungsrat und 2000 Oberverwaltungsrat und Personalchef. Parallel unterrichtete er auch an der Fachhochschule Bielefeld im Gebiet „Verhaltenstraining für Beamte und Polizei“.  „Als ich dann allerdings aufgefordert wurde, für mein berufliches Weiterkommen in die CDU einzutreten, orientiert ich mich neu – und fand zeitgleich die Anzeige der Stadt Sehnde.“ Das nutzte er: „Gesehen, beworben – und genommen worden“, beschreibt er seinen neuen Weg ab 2001.

2 Wahlperioden lang war das Steinhoffs Arbeitsstelle – Foto: JPH

Das Große Freie war ihm bis dahin jedoch weniger bekannt, doch heute er attestiert den Menschen hier eine besondere Mentalität: „Sie sind liberaler, haben ein gutes Selbstbewusstsein und sind trotzdem bodenständig. Und sie achten auf eine gute Eigenentwicklung ohne Einflüsse von außen.“ Auch die neue Aufgabe reizte ihn. „Hier, weiter unten in der Staatshierarchie, ist es sehr interessant, man hat Kontakt zum Bürger und ist dicht an allem dran“, umreißt er die neue Aufgabe, die ihn nun bis 2017 in Sehnde hielt.

Er ist überzeugt, dass er mit dem Bürgermeister, dessen Vorgängern und dem Team im Rathaus gemeinsam viel geschaffen hat: „Sehnde steht heute gut da, trotz der Schulden, denn die sind mit Werten hinterlegt. Und wir arbeiten rentabel. Zudem haben Rat und Verwaltung immer ein gutes Arbeitsverhältnis gehabt.“ Auf seine Arbeit in und für Sehnde blickt er deshalb zufrieden zurück – und sicher auch die Sehnder.

Doch nun will er sich um seine Frau kümmern, die noch im Beruf steht. So wird er für sie kochen, denn „sie ist in Hemmingen als Erste Stadträtin tätig und kann mittags nachhause kommen“. Zudem will er seinen Hobbies nachgehen – und das ist wörtlich gemeint, denn Steinhoff wandert gerne in den Mittelgebirgen. Außerdem ist er Sportschütze mit Dienst- und Sportpistole, hat gerade mit Luftgewehrschießen angefangen, absolvierte die Schießsportleiterausbildung und ist Mitglied in der USG Wettbergen. Zu tun gibt es also genug – die Arbeit im Rathaus wird ihm sicher nur wenig bis gar nicht fehlen.

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