Neujahrsempfang der Stadt Sehnde gut besucht

25. Januar 2016 @

SEHNDE-NEWS. Die Stadt Sehnde hat erneut als Gastgeber für den Neujahrsempfang in der KGS die Bürger und Bürgerinnen der Stadt zu einem Jahresrück- und –ausblick eingeladen. Zudem war die Ehrung von um das Gemeinwesen verdiente Bürger geplant (siehe gesonderten SN-Bericht). Als Gastredner hatte die Stadtführung dieses Jahr den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil gewinnen können.

Minsterpräsident Weil hielt eine kurze pointierte Rede auf dem Empfnag - Foto: JPH

Minsterpräsident Weil hielt eine kurze pointierte Rede auf dem Empfnag – Foto: JPH

Bereits um 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn war das Forum der KGS zu zwei Dritteln gefüllt, was ganz sicher auf den hochrangigen Gastredner zurückzuführen war. Als es dann um 19 Uhr mit der Begrüßung durch den Sehnder Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke losging, war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Lehrke begrüßte zahlreiche besondere Gäste, darunter die Bundestagsabgeordneten Dr. Maria Flachsbarth, Dr. Matthias Miersch, die Landtagsabgeordneten Dr. Silke Lesemann, Regina Asendorf und Dr. Hans-Joachim Deneke-Jöhrens. Aus der Regionsversammlung waren Bernward Schlossarek, Gerhard Kier und Konrad Haarstrich und Wolfgang Toboldt gekommen. Die Bürgermeister aus den Nachbargemeinden, der ILEK-Partnerkommunen und der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Dr. Marco Trips, saßen mit im Forum; dazu die Ehrenbürger der Stadt, Alfred Lerch und Reimund Wohlgemuth.

In der folgenden Ansprache ging Ministerpräsident Stephan Weil in einer launigen Rede, unterbrochen von Applaus, auf die ernsten Probleme des abgelaufenen Jahres ein. Er streifte die Absage des Länderspiels gegen die Niederlande in der HDI Arena, wies auf die steigenden Zahlen von Asylbewerbern hin und warf einen Blick auf das Ansehen der Bundesrepublik im Ausland. „Wir sind wirtschaftlich stark, haben eine geringe Arbeitslosigkeit, sind ein freies und gerechtes Land – das ist ein gutes Bild und wir alle können stolz darauf sein“, so Weil. „Aber im letzten Drittel kam es dann knüppeldick. Ich weiß jedoch nicht, ob die Politik für ihr Handeln gute Noten bekommt, aber die Kommunen und Ehrenamtlichen auf jeden Fall. 100 000 haben mit angepackt, tun es noch – ich bin stolz auf unser Land.“

Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke rief am Ende seiner Rede zur Kommunalwahlteilnahme auf - Foto: JPH

Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke rief am Ende seiner Rede zur Kommunalwahlteilnahme auf – Foto: JPH

In seinem Ausblick für 2016 nannte er zwei Namen, die stellvertretend für den Jahresbeginn stehen: Köln und Madaiya. Das eine war der Tiefschlag für unsere Gesellschaft, das andere das Synonym für Kriegsgräuel und Fluchtgründe. „Sie sind die zwei Seiten einer Medaille“, so Weil. „Wir müssen unseren Weg zwischen diesen beiden Polen finden.“ Aber „ich bin kein Freund des Satzes ‚Wir schaffen das'“, fügte er hinzu und definierte zwei Kernaufgaben für 2016: Die Zugänge drosseln und die Integration der Bleibeberechtigten angehen. Daraus folgern viele Einzelschritte, wie Wohnungen bauen, Kinder in Bildungseinrichtungen bringen, Chancen auf Arbeit schaffen. „Und aufzeigen, dass eine Chance auf die Integration in die Gesellschaft besteht“, schloss er die Liste. „Die eigentliche schwere Aufgabe steht uns also noch bevor.“ Und mit einem sportlichen Wunsch an 2016 endete der Fußballfan auch: „96 soll eine gute Siegesserie haben!“

Außer dem Ministerpräsidenten Weil (li.) waren auch die Landtagsabgeordnete Dr. Lesemann und Dr. Marco Trips (2. u. 3.v.li.) im Publikum - Foto: JPH

Außer dem Ministerpräsidenten Weil (li.) waren auch Dr. Lesemann und Dr. Marco Trips (2. u. 3.v.li.) im Publikum – Foto: JPH

Der Sehnder Bürgermeister ließ in seiner Ansprache auch erst einmal das Jahr 2015 Revue passieren. “ Viele Menschen empfinden 2015 als ein Jahr voller Krisen“, begann er, doch aus wissenschaftlicher Sicht ist dem nicht so. “ Warum empfinden wir das aber ganz anders? Vermutlich weil die Krisen näher gekommen sind, weil sie teilweise langfristiger sind und in die kommenden Jahre und Jahrzehnte hineinreichen.“ Natürlich stand auch bei ihm die Flüchtlingskrise im Vordergrund und die damit verbundenen Probleme der Unterbringung und Betreuung. „Bis Ende März werden rund 450 Flüchtlinge in Sehnde leben“, so seine Prognose. “ Die Situation ist zurzeit noch so gut, dass wir die Schließung öffentlicher Einrichtungen noch nicht in Erwägung ziehen mussten. So komfortabel stehen nicht alle Kommunen dar. Wenn die Zuwanderung aber in dem bisherigen Tempo weitergeht, bekommen auch wir das nicht mehr ewig lange so reibungslos hin.“

Auch er streifte die Integrationsanstrengungen und verlangte von Bund und Land, dass man mit den Kosten die Kommunen nicht allein lassen dürfe, die keinen Einfluss auf die Zuweisungen und Aufgaben hätten.

Auch die KGS war wieder ein Thema, vom Brand bis zum Baubeginn des Lehrerzimmers und des Selbstlernzentrums. Dazu passte dann auch der neue Feuerwehrbedarfsplan, der 2015 „das Licht der Welt erblickte“. Danach nannte er die neuen Feuerwehrhäuser in Rethmar, Müllingen-Wirringen und das geplante in Haimar. Die Sanierung des Lehrschwimmbeckens, das Ortszentrum Mittelstraße und der Seniorenbeirat waren weitere Punkte seiner Reise durch 2015.

2016 soll das Jahr der Gründung einer Bürgerstiftung werden - Foto: JPH

2016 soll das Jahr der Gründung einer Bürgerstiftung werden – Foto: JPH

Die Betreuung der Kinder war 2015 zunächst ein negativ belastetes Thema, so Lehrke. Ein Streik legte die Kitas lahm: „Selten kochte die Stimmung in Sehnde im vergangenen Jahr so hoch wie bei den notwendigen Kita-Schließungen im Rahmen des Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst und bei der angeblichen geplanten Einführung der Pferdesteuer“, so der Bürgermeister. Aber später gab es in diesem Bereich mit der Einrichtung der neuen Kita in Ilten an der Hugo-Remmert-Straße auch erfreuliches zu berichten.

Auch die Neuansiedlung von Unternehmen am Borsigring blieb nicht unerwähnt. Trotzdem sei eine Schieflage in den Haushaltsplanungen für 2016 nicht zu verhindern gewesen. „Mit einer geplanten Darlehensaufnahme in Höhe von 1,27 Millionen Euro und einem voraussichtlichen Defizit in Höhe von 2,45 Millionen Euro mussten wir aber trotzdem einen Haushaltsplan beschließen, der uns nicht zufriedenstellen kann“, merkte Lehrke an. „Von den gut 44 Millionen Euro geplanten Aufwendungen für das kommende Jahr entfallen fast 19 Prozent auf den Teilhaushalt Kindertagesstätten und Jugend. Der Zuschussbedarf für die Betreuungskosten für Kinder in Sehnde liegt bei jährlich 4,6 Millionen Euro. Das sind Ausgaben für die Zukunft unserer Stadt, die wir gern leisten!“

Hinterher gab es in der Schulstraße viele Gespräche, hier die Sehnder Ortsbürgermeisterin Regina Höft mit dem Leiter der ENAS-Fahrradwerkstatt Sven Lurz - Foto: JPH

Hinterher gab es in der Schulstraße viele Gespräche, hier die Sehnder Ortsbürgermeisterin Regina Höft mit dem Leiter der ENAS-Fahrradwerkstatt Sven Lurz – Foto: JPH

Für 2016 stellen sich auch bereits die ersten Themen an: Neben den fortlaufenden Zuweisungen von Flüchtlingen ist eines der SüdLink, bei dem „die Karten neu gemischt wurden“ und der vornehmlich auf neuzuplanende Erdverkabelung setzt. Und natürlich das „Super-Wahl-Jahr. Im September steht in Niedersachsen die Kommunalwahl ins Haus. Ich schließe mich dem Appell des Ministerpräsidenten an und bitte Sie alle, Ihr Wahlrecht wahrzunehmen – und nehmen Sie auch Ihren Nachbarn mit.“

Abschließend ging er auf eine neue Idee ein, die 2016 aus der Taufe gehoben werden soll: Eine Bürgerstiftung. „Eine Bürgerstiftung als unabhängige und autonom handelnde Stiftung von Bürgerinnen und Bürgern für Bürgerinnen und Bürger, die sich nachhaltig und dauerhaft für das Gemeinwesen in der Stadt Sehnde fördernd und operativ einsetzt und das bürgerschaftliche Engagement unterstützt“, so Lehrke zum Konzept. „Vielleicht kann dies die Geburtsstunde einer Stiftung für die Stadt Sehnde, und damit meine ich für alle Ortsteile, sein.“

Danach wurden auch in diesem Jahr wieder ums Gemeinwohl verdiente Bürger und Bürgerinnen geehrt und die Sehnder zum lockeren Gespräch ans Büffet in die Schulstraße eingeladen.

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