Menschen, Tiere, Sachwerte – Sehnder Feuerwehr zieht Bilanz

14. Januar 2016 @

SEHNDE-NEWS. Die Sehnder Ortsfeuerwehr hat am vergangenen Sonnabend ihre Jahreshauptversammlung in den Räumen des Feuerwehrhauses am Borsigring abgehalten und dabei eine intensive Bilanz gezogen. Die neue Führung mit Ortsbrandmeister Sven Grabbe und seinem Stellvertreter Fabian Lehrke blickten dabei auf 108 Brände, Alarme, Unfälle und Hilfeleitungen zurück. Auch Wünsche und Ideen formulierte die Versammlung an die anwesenden Ratspolitiker. Zuletzt wurden dann noch zwei Posten neu besetzt und Beförderungen und Ehrungen vorgenommen.

Ortsbrandmeister Sven Grabbe (stehend) trägt den Jahresbereicht vor - Foto: JPH

Ortsbrandmeister Sven Grabbe (stehend) trägt den Jahresbereicht vor – Foto: JPH

Gut besucht war die Versammlung, zu der unter anderem auch der Sehnder Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke, die Ortsbürgermeisterin Regine Höft, der stellvertretende Regionsbrandmeister und Abschnittsleiter IV, Detlef Hilgert, der stellvertretende Stadtbrandmeister Diethelm Huch und der Sehnder Ehrenbürger Alfred Lerch gekommen waren. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch die Musikfreunde.

Erstmals in seiner Dienstzeit legte Sven Grabbe der Versammlung Rechenschaft über die Arbeit der Ortsfeuerwehr ab. Er ließ die Monate vor den Kameraden und Kameradinnen Revue passieren und ging dabei auf die Schwerpunkte in den Monaten ein. So erwähnte er besonders die Brände in der Alten Schmiede in Haimar (Februar), den der KGS in Sehnde (März), den Einsatz auf dem Kaliberg zur Erste Hilfe-Versorgung (Mai) und den Unfall auf der B 443 (Juni). Im Juli gab es 20 Fehlalarme, weil Brandmeldeanlagen nicht richtig funktionierten, und den Großeinsatz Gefahrgut auf der A 2. Eine lange Ölspur gab es im August und einen Zimmerbrand in Köthenwald prägte den September. Ein weiterer Gefahrgutunfall und eine Alarmübung in Wassel notierte er (Oktober) und einen Schornstein-Rußbrand (November) sowie einen Großbrand mit 15 toten Rindern in Dolgen (Dezember). Speziell wies er darauf hin, dass die Zunahme von Fehlalarmen auf den Einbau von Rauchmeldern zurückzuführen ist, die im kommenden Jahr noch zunehmen dürften, denn dann müssen alle Gebäude mit den Feuerwächtern ausgerüstet sein. „Dabei kann man vorher nicht zwischen einem Schwelbrand und einer defekten Batterie unterscheiden“, schaute er voraus.

Die Musikfreunde umrahmten die Versammlung - Foto: JPH

Die Musikfreunde umrahmten die Versammlung – Foto: JPH

Auch die zunehmende Tragehilfe, die die freiwillige Feuerwehr leisten soll, erwähnte Grabbe. Zu Recht beklagte er sich, dass die Feuerwehr wieder ausbügeln soll, was die Rettungsdienste eigentlich fehlplanen. Zwei Frauen auf einem RTW sollen einen Senior von rund 150 Kilo über eine enge Treppe in den RTW bringen, „das ist falsche Personalplanung“, monierte er. Zumal die Rettungsdienste hauptamtliche Kräfte seien, die freiwillige Feuerwehr aber vom Arbeitsplatz weggerufen werden muss. Leider begannen auch die Brandstiftungen im Dezember wieder, wo zwei Baumstümpfe in den Waldbereichen Ladeholz und Papenholz angezündet wurden.

Störungen der generalüberholten Drehleiter, zentrales Einsatzmittel, behindern den Einsatz immer wieder – und da muss, so der dringende Appell an die Politik, über eine Neuanschaffung einer Leiter, gebraucht oder neu, nachgedacht werden. Das kommentierten die anwesenden Feuerwehrleute mit Applaus.

Ron Breitenherd gab letztmals den Bericht der Jugendfeuerwehr ab - Foto: JPH

Ron Breitenherd gab letztmals den Bericht der Jugendfeuerwehr ab – Foto: JPH

Auch dieses Jahr dankte der Brandmeister wieder dem Förderverein der Feuerwehr für die umfangreiche Unterstützung. Mit Hilfe zahlreicher Bürger, die dem Verein angehören, konnten Helmlampen und Winterparke beschafft, eine Ausbildung in der Brandübungsanlage in Bad Gandersheim gefördert und das Zeltlager der Jugendfeuerwehr bezuschusst werden.

Personell ist die Wehr kaum verändert. Drei Austritten standen sechs neue Mitglieder aus Übernahmen gegenüber. „Da müssen intensive Werbemaßnahmen auf Stadtebene erfolgen“, forderte Grabbe einmal mehr. Da ist eine gute Nachricht, dass die Feuerwehrschule in Celle wieder den Lehrbetrieb aufnimmt.

Nachdenken müsse man 2016 über die Nachnutzung des ehemaligen Rettungsgebäudes, wünschte der Ortsbrandmeister. Auch der Zulauf von neuem Gerät ist geplant: Vier hitzebeständige Rettungswesten für Einsätze auf Schiffen im MLK, neue Schneidgeräte und Kellersaugschläuche sind vorgesehen. Auch der hauptamtliche Gerätewart, der im Haushalt noch umstritten ist, wird sehnsüchtig erwartet.

Der neue Jugendwart ist Dennis Kraft - Foto: JPH

Der neue Jugendwart ist Dennis Kraft – Foto: JPH

Jugendwart Ron Breitenherd berichtete letztmalig über seinen Bereich, da er sein Amt aufgibt. Er kann auf eine Gruppe von 21 Jugendlichen blicken, darunter fünf Mädchen. Vier Personen wurden an diesem Abend in die Einsatzabteilung übernommen, dafür kamen vier neue aus der Kinderfeuerwehr. Wichtigstes Ereignis 2016 wird die Abnahme der Jugendflamme Stufe 2 durch die Regionsfeuerwehr sein. Die Kinderfeuerwehrwartin Tamara Kroll betreut neun Kinder, die ab einem Alter von sechs Jahren mitmachen können. Drei Kinder waren ausgetreten, vier sind in die Jugendfeuerwehr im Berichtsjahr übergetreten. Als sein Nachfolger haben die Jugendlichen sich für Dennis Kraft ausgesprochen, der durch die Versammlung kommissarisch in seinem Amt bestätigt wurde, da er noch ausstehende Qualifikationen erwerben muss.

Tauchwart Meinhardt Griepentrog-Bätje trug zu den Einsätzen und Ausbildungen 2015 vor und erwähnte besonders die zwei Einsätze zur Bergung von Toten und insgesamt 52 weitere Dienste. „Es freut mich“, so Griepentrog-Bätje, „dass wir auch eine neue Taucherin aus Müllingen in der Ausbildung haben.“

Kassenwart Daniel Hommann erläuterte die Kassensituation und wurde durch die Versammlung nach der Kassenprüfung entlastet. Neuer Kassenprüfer für den ausscheidenden Jürgen Falkenhagen wurde Marko Pohl.

Befördert wurden Thomas Grabowski, Daniel Hommann und Heinrich Söchtig (v.li.) - Foto: JPH

Befördert wurden Thomas Grabowski, Daniel Hommann und Heinrich Söchtig (v.li.) – Foto: JPH

Über eine Beförderung konnten sich an diesem Abend Tamara Kroll (Oberfeuerwehrfrau) und Nils Haase (Hauptfeuerwehrmann) freuen. Oberlöschmeister wurden Thomas Grabowski und Daniel Hommann und Heinrich Söchtig ist nun Hauptlöschmeister. Geehrt wurden Klaus Szyma für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr und auf 60 Jahre blicken nun Erwin Goldmann und Johannes Laufer zurück. Aus der Hand vom stellvertretenden Regionsbrandmeister Detlef Hilgert erhielt Günther Haase das Feuerwehrehrenzeichen des Innenministers Boris Pistorius für 40 Jahre aktiven Dienst. Joachim Plate, Vorsitzender des Fördervereins, wurde als passives und förderndes Mitglied für 25 Jahre Zugehörigkeit vom Landesfeuerwehrverband geehrt.

In seinem Grußwort dankte der Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke den Feuerwehrleuten für ihre Arbeit. Er gelobte Besserung bei der Kontrolle der Instandsetzung von Fahrzeugen, damit das Tanklöschfahrzeug nicht wieder sieben Wochen ausfällt. Er verwies auf geplante Neuanschaffungen, Neubau in Hamiar und wird die Feuerwehrführung über die Dislozierung von Flüchtlingen in Sehnde unterrichten.

Diethelm Huch sprach über die Probleme in der Ausbildung und den Schritten zur Verbesserung und den Einsatz zur Rettung der Kälber aus der Güllegrube. Zudem kündigte er an, dass es einen Nachfolgewettbewerb für den ausgelaufenen Heinrich-Hüsich-Pokal geben wird.

Klaus Szyma, Johannes Langer, Erwin Goldmann und Günther Haase (v.re.) wurden besonders geehrt - Foto: JPH

Klaus Szyma, Johannes Langer, Erwin Goldmann und Günther Haase (v.re.) wurden besonders geehrt – Foto: JPH

Detlef Hilgert mahnte an, dass man Übergriffe und Behinderungen gegen Feuerwehrleute ernst nehmen und angehen müsse. Er streifte auch wieder die Probleme der Funkdigitalisierung und sprach über das Gefahrgutkonzept der Region, das man erarbeite. Ortsbürgermeisterin Regine Höft hob auch hervor, dass es nicht angeht, wenn Feuerwehrleute bei den Einsätzen beleidigt würden. „Aber ich freue mich“, so Höft, „dass wir eine einsatzfähige und lebendige Feuerwehr präsent in Sehnde haben. Und ich danke auch den Arbeitgebern für ihre Unterstützung.“

Nach weiteren Grußworten von Volker Bertram (Musikzug), Markus Dippel (KGS) und Joachim Plate (Förderverein) ging man dann in den gemütlichen Teil des Abends über und ließ die Geehrten und Beförderten hochleben.

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