Kontakt in die Heimat: Computerkurs für Asylbewerber

30. Juni 2015 @

Reiner Luck von der AWO Sehnde bietet derzeit für die Sehnder Asylbewerber einen Einführungskurs in die Computerarbeit an. Dazu sind fünf Interessenten ausgewählt worden, die sich wöchentlich an der Peiner Straße in den Räumen der Begegnungsstätte treffen. So auch an diesem Mittwoch, morgens um 10 Uhr.

In der Begegnungsstätte an der Peiner Straße in Sehnde haben sich schon oft unter der Leitung von Reiner Luck Interessierte getroffen, um mehr über den Umgang mit Computern zu lernen. Dabei ging es von den Grundlagen bis zur Vereinsverwaltung. Doch dieser Kurs ist anders, denn bisher war die Ausbildungssprache Deutsch, bei diesem Kurs ist sie jedoch Englisch. „Das war die wesentliche Eingangsvoraussetzung“, erklärt Laura Höfken, Sozialarbeiterin von der Stadtverwaltung Sehnde. Sie betreut die Asylbewerber in der Stadt und hat die Teilnehmer ausgewählt. „Zudem mussten sie schon Grundlagen vom Computer kennen.“ Danach waren die fünf Teilnehmer, zwei Frauen, drei Männer, ausgesucht worden. Doch durch die Anerkennungsverfahren gibt es immer wieder Verschiebungen. So auch heute. Zwar sollten eigentlich vier Leute dabei sein, aber tatsächlich ist nur Hakima Mirzaie gekommen. Die Afghanin, mit einer Reiseodyssee durch mindestens sieben Länder bis nach Deutschland, interessiert sich vor allem für E-Mail. „Dann kann ich mit meinen Eltern in Afghanistan vielleicht mal in Kontakt treten. Die wissen nicht, wo ich bin“, erklärt sie ihr Interesse. „Aber einen Computer habe ich nicht, deshalb bin ich hier zum Lernen.“ Sie hatte zuvor schon einen Kurs in Hannover gebucht und absolviert. „Aber hier in Sehnde ist das viel angenehmer“, so Mirzaie.

Laura Höfken (re.) und Reiner Luck (li.) freuen sich mit Hakima Mirzaie über die erste eigene E-Mail der Afghanin - Foto: JPH

Laura Höfken (re.) und Reiner Luck (li.) freuen sich mit Hakima Mirzaie über die erste eigene E-Mail der Afghanin – Foto: JPH

Und dann erzählt sie von ihrer Flucht nach Deutschland, wo sie ursprünglich gar nicht hin wollte – eigentlich nur raus aus dem Krieg in ihrem Geburtsland. „Dort konnten meine Kinder nichts lernen, nicht zur Schule gehen“, erzählt sie. Dann ging es über mehrere Jahre nach Pakistan, Iran – wo ihr Mann von der Polizei abgeholt wurde und verschwand und sie neu heiratete – übers Mittelmeer nach Griechenland, wo man ihr ihr Geld abnahm. „Dann mit einem Boot über drei Tage nach Italien, Frankreich und schließlich Deutschland“, so der Weg in ihre neue Heimat in Bilm. Inzwischen freut sie sich, dass ihr erstes Kind in der Schule ist, das zweite in der Kita, „und das dritte kommt im August in die Kita“, ist sie stolz. Sie will lernen, das steht über ihrer ganzen Lebensgeschichte – und dazu gehört auch dieser Computer, der ihr vieles erschließen soll. „Wir bemühen uns gerade, für sie einen gebrauchten Rechner zu bekommen“, fügt Höfken hinzu.

Der Unterricht in Englisch läuft gut, bestätigt Luck. Er hatte von dem Wunsch der Asylbewerber gelesen, mehr zu tun. Daraufhin überlegte er sich diesen Kurs und bot ihn der Stadt an. Die war gerne darauf eingegangen und hatte die Interessenten ermittelt. Die Nutzung der Geräte zahlt die AWO, die auch die Räume zur Verfügung stellt und den Strom zahlt – einschließlich für die Nutzung des Samowars von Luck, der in den Pausen den Teilnehmern Tee anbietet. „Ich habe dann all‘ mein Schulenglisch zusammengenommen und es klappt mit der Verständigung prima“, erzählt er. Einer der Kursbesucher, Wissam Aloni aus dem Libanon, kann sogar mehr, aber eben nur auf englischer Tastatur und Menüführung. „Er will vor allem die deutschen Begriffe lernen“, so Luck. Inzwischen ist Mirzaie stolz, denn ihre erste E-Mail ist gerade fertig. Es gibt Tee.

Für die kommende Woche werden Luck und Höfken klären, was mit den übrigen Teilnehmern ist: krank, keine Lust, Amtsbesuch oder abgeschoben? Und man will dann prüfen, ob es eventuell weitere Interessenten gibt. So dass dann der Samowar Anfang Juli seine Dienste wieder für mehr Kursbesucher anbieten kann.

Kommentare gesperrt.

© 2019 Sehnde-News.