„Kali stärkt den Halm und füllt die Furche“: Kali-Chemie im RMS

2. Juni 2015 @

Das Regionalmuseum Sehnde (RMS) präsentiert seit Sonntag die 15. Sonderausstellung in der Historie des Vereins. Bei bestem Wetter konnte der Vorsitzende Erhard Niemann in Bergmannsuniform wieder eine neue Präsentation Sehnder Geschichte eröffnen, die anschließend von den rund 110 meist sachkundigen Gästen begutachtet wurde: Die Geschichte der Kali-Chemie, von ihrer Entdeckung 1840 bis zur Werksschließung im Jahr 1981. Eine mit viel Liebe zum Detail zusammengetragene Ausstellung, die den ehemaligen Angehörigen der Grube Friedrichshall noch einmal ihr ganzes Schaffen, und damit für viele ihr Berufsleben, anschaulich darstellt.

Erhard Niemann (re.) dankte den Helferinnen Katharina Niemann, Ingrid Hommann und Regina Niemann (vo.v.li.) und begrüßte 100 Gäste - Foto: JPH

Erhard Niemann (re.) dankte den Helferinnen Katharina Niemann, Ingrid Hommann und Regina Niemann (vo.v.li.) und begrüßte 100 Gäste – Foto: JPH

Die Sonne schien und das Museum war tatsächlich zu klein, als der Vorsitzende Erhard Niemann die Gäste begrüßte. Darunter waren die Landtagsabgeordnete Dr. Silke Lesemann, der SPD-Fraktionsvorsitzende Olaf Kruse, der ehemalige Stadtdirektor Dietrich Vollbrecht, der Vorsitzende des niedersächsischen Heimatbundes Heinz-Siegfried Strelow und der Ortsbrandmeister Diethelm Huch mit seinem Stellvertreter Siegfried Freitag. Die wichtigsten an diesem Tag jedoch waren neben den 19 Leihgebern von Ausstellungsstücken Otto Lesemann, Ingrid Hommann, Regina und Katharina Niemann. Die letztgenannten drei haben in rund zwei Arbeitstagen die Ausstellung eingerichtet. „Die Sichtung der Stücke hat zuvor rund ein halbes Jahr gedauert“, erinnert sich Regina Niemann. Was daraus entstanden ist, kann sich sehen lassen – und ist auch für Schulklassen der Umgebung von Interesse.

Nach der Begrüßung durch Niemann trug dann Otto Lesemann als ehemaliger Untertagebetriebsleiter zur Geschichte der Kali-Chemie vor. Deren Geschichte begann 1840, nachdem Justus Liebig die Wirkung des Kalis in der Düngetechnik entdeckte. Einen Boom mit rund 260 Schächten in Deutschland erlebte die Kaliförderung bis zum II. Weltkrieg, als das Land etwa 60 Jahre ein Monopol auf Kali hatte. Im Zuge dieser Entwicklung entstanden 1894 die insgesamt acht Schächte im Raum Sehnde mit dem ersten in Wehmingen. Das Hauptabbaugebiet lag dabei zwischen Sehnde und Wassel. Zwar brach mit dem Ende des Monopols zunächst die Förderung ein, aber mit Entstehung der DDR stieg sie in Sehnde auf immense 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr an. Deshalb kamen 1963 auch griechische „Fremdarbeiter“ nach Sehnde, die die Produktion nach dem „Absaufen“ der Grube in Ronnenberg sogar auf 2 Millionen Tonnen steigerten. Nachdem dann 1979 die meisten Stellen nach Lehrte verlagert worden waren, kam schließlich am 16.12.1994 das Aus für die gesamte Kalichemie im Raum Sehnde.

Die Sehnder Werksanlage Friedrichshall - Foto: JPH

Die Sehnder Werksanlage Friedrichshall – Foto: JPH

Als nach diesem geschichtlichen Abriß die Ausstellung zur ersten Besichtigung freigegeben wurde, lud Niemann alle Anwesenden zum „Bergmannsbuttern“ ein, dem auch gut zugesprochen wurde. Zu sehen sind jetzt Grubenlampen verschiedener Perioden, Anzüge von Steiger, Hauer und Knappen mit Bergmannsvereinsfahnen, ein echtes „Arschleder“ und zahlreiche Salzkristalle von Untertage. Viele Fotos geben Einblick in das Leben und Arbeiten der Bergleute, und wer ganz besonders interessiert ist, kann sogar die Signalanschlagglocke aus dem Jahr 1911 vom Belüftungs- und Transportschacht 2 ertönen lassen.

„Die meisten Besitzer der Gegenstände wollen diese nicht wieder zurück haben, weil sich ihre Kinder nicht für Geschichte interessieren und der Erhalt somit ungewiss ist“, erzählte Niemann, und fand diese Haltung sehr überraschend. Auch die Sammlung des letzten Bergmannsvereins von Sehnde hat beim RMS nun eine neue Heimat gefunden, bestätigte Friedel Simon als letzter Vorsitzender.

Viele Unikate stehen zur Ansicht im Museum bereit - Foto: JPH

Viele Unikate stehen zur Ansicht im Museum bereit – Foto: JPH

Eine schöne Erinnerung hatte dann noch Heinz-Siegfried Strelow mitgebracht. Er übergab jedem Besucher als Andenken ein Päckchen Würfelzucker der „Kali-Chemie“ aus dem Jahr 1983, wobei er sich sicher ist, dass die meisten Zuckerstücke nicht im Kaffee landen werden: „Sie finden sicher einen Platz in einer Erinnerungsecke.“

Der große Zuspruch bereits am ersten Tag zeigt, dass das RMS mal wieder den Nerv der Bürger getroffen hat und sich dabei einmal mehr um die Darstellung der lokalen Geschichte verdient macht. Die Ausstellung läuft ab jetzt zu den normalen Öffnungszeiten bis zum 16. Dezember 2015. Der Eintritt ist wie immer kostenlos möglich, gesonderte Führungen können mit dem Vorsitzenden Erhard Niemann vereinbart werden.

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