Höver über die Unterbringung von Flüchtlingen informiert

7. Dezember 2015 @

Die Bürger von Höver waren am Donnerstag eingeladen, sich direkt über den Einzug von Flüchtlingen in der örtlichen Hotelanlage „Zur Linde“ zu informieren. Dazu hatte die Stadtverwaltung für 18.30 Uhr ins Schützenhaus eingeladen. Knapp 170 Personen waren der Einladung gefolgt und hatten sich eingefunden.

Der Saal war mit rund 170 Personen absolut voll - Foto: SA

Der Saal war mit rund 170 Personen absolut voll – Foto: SA

Zunächst war im Vorfeld der Veranstaltung ein anonymes Flugblatt aufgetaucht, in dem falsche Informationen verbreitet und Ängste geschürt wurden. Da die Stimmung entsprechend angespannt sein konnte und die Fragen in Richtung Sicherheit kompetent beantwortet werden sollten, hatte die Stadtverwaltung mit dem Leiter des Polizeikommissariats Lehrte, Ulrich Bode, einen Fachmann zu diesem Thema dazu gebeten. Nachdem sowohl der Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke und der Ortsbürgermeister Ronald Siegismund noch einmal auf den Inhalt dieses anonymen Pamphlets eingegangen waren, stellte Lehrke zusammen mit der Fachdienstleiterin Susann Thier die Planungen der Stadt vor.

Danach ist die Unterbringung von 150 Flüchtlingen sukzessive mit einer Belegung von zehn bis 15 Personen wöchentlich geplant, die an 1. Februar beginnend eintreffen sollen. Vorteil dieser Liegenschaft, so hob Lehrke hervor, ist die Verfügbarkeit von Sanitärzellen in fast jedem Zimmer: „Das nimmt Spannungen raus und erlaubt eine Nutzung der Anlage für Familien und Einzelpersonen.“ Die falschen Behauptungen im Flugblatt, dass nur junge Männer kämen, wies Lehrke in das Reich der Fabel und Stimmungsmache: „Wir erfahren erst sieben Tage vorher, wer kommt, welche Familienverhältnisse er hat und welchen Hintergrund die Personen haben.“ Damit hat der Flugblattschreiber offensichtlich in die Glaskugel geschaut und sich die „Fakten“ aus den Fingern gesogen.

Die Aufteilung der Anlage wurde den Höveranern vorgetragen - Grafik: Stadt Sehnde

Die Aufteilung der Anlage wurde den Höveranern vorgetragen – Grafik: Stadt Sehnde

Auch die Frage nach der Abwertung der Immobilien kam mal wieder auf durch die Anlieger. Dies scheint eine spezielle Angst in Höver zu sein, denn sie kommt bei jeder Veränderung im Ort als erstes hoch, obwohl die fragenden Personen ihr Haus doch gar nicht verkaufen wollen. Zudem sprach der Erste Polizeihauptkommissar Bode zur Sicherheit und konnte viele diesbezügliche Fragen beantworten. „Bis auf kleine Ladendiebstähle hat sich die Kriminalitätslage nicht erhöht“, lautete sein Fazit auf die Asylbewerber in Lehrte und Sehnde bezogen. Er sagte eine Bestreifung zu, obwohl die sicherheitsbedingt nicht erforderlich ist. Auch der Bilmer Christian Bruns, der mit anderen Bilmern das „Deutsch-Café“ betreibt, trug zu seinen Erfahrungen mit den Asylbewerbern vor. Gleiches tat der Sehnder Ratsherr Sepher Sadat Amiri, dessen Eltern aus dem Iran stammen. Es gab zudem baurechtliche Fragen, Fragen nach der Leistung für die Flüchtlinge und die Dauer ihres Aufenthaltes im Ort.

Bruno Borchers (vo. mi.) rief die Besucher dazu auf, den Asylbewerbern unvoreingenommen entgegenzutreten - Foto: SA

Bruno Borchers (vo. mi.) rief die Besucher dazu auf, den Asylbewerbern unvoreingenommen entgegenzutreten – Foto: SA

Die „Information“, dass das Hotel für Millionen Euros gekauft worden sein soll durch die Stadt, wurde widersprochen. Das Hotel ist tatsächlich zur Zeit für sechs Jahre gemietet. Dies allerdings möchte das Ortsratsmitglied Elisabeth Schärling (CDU) verkürzt sehen. Während die Akustik im Saal nach hinten immer schlechter wurde, traf dies auch auf die Stimmung zu. So gab es im Hintergrund AfD-Verteiler von Handzetteln und Personen, die sich über die Kündigung ihrer Arbeitsstelle im Hotel wegen der Asylbewerber beklagten. Auch negative Stimmung wurde dort gemacht.

Doch überwiegend gab es nach dem Vortrag eine positive Resonanz. Die Vereine in Höver sind bereit, Ankömmlinge aufzunehmen. Dazu werden sie sich mit Laura Höfken in Verbindung setzen und ihre Unterstützungsmöglichkeiten ausloten. Den Satz des Abends aber sagte schließlich ein Ur-Höveraner, Bruno Borchers: „Man sollte sich die Hände reichen und kennenlernen.“

JPH/SA

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