Evern informiert sich – und gibt Störern eine Abfuhr

27. Oktober 2015 @

Zu einem Informationsabend hatte die Stadtverwaltung Sehnde die Bürger von Evern am vergangenen Donnerstag ins Schützenhaus eingeladen, um dort die Unterbringung von rund 30 Asylbewerbern und deren Betreuung vorzustellen. Mit zirka 150 Personen war der Saal bis auf den letzten Stehplatz gefüllt, als der Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke und die städtische Sozialarbeiterin Laura Hoefken die Präsentation begannen.

Bürgerversammlung in Evern - Foto: JPH

Bürgerversammlung in Evern – Foto: JPH

Bereits vor der Versammlung waren einige Personen aus Hannover angereist, um am Eingang des Schützenhauses an die Bürger Material der AfD mit den Thesen der Partei und Beitrittserklärungen zu verteilen. Zu Beginn der Veranstaltung stellte Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke zunächst den Ist-Zustand der Asylbewerberlage in Sehnde vor. Danach sind bis Ende Januar zunächst 127 Personen durch die Stadt unterzubringen, allerdings entlastet diese Unterbringungsquote zur Zeit die Aufnahmezahl von 114 Personen im Klinikum Wahrendorff im DoG. 50 Prozent davon rechnen auf die Anzahl der Stadtquote an. Ab Ende Januar ist nach den Angaben von Lehrke mit einer Verdoppelung der Quote auf derzeit geschätzte 550+ Personen zu rechnen. „Wir wissen nicht, wie wir diese Quote abarbeiten sollen“, so Lehrke. „Da muss dann der Rat weiter entscheiden.“

Der Quote stehen im Moment 73 freie Unterbringungsplätze gegenüber. Nicht mit dabei sind die 28 Plätze, die jetzt in Evern angemietet wurden und nun belegt werden. „Derzeit haben wir 34 Objekte angemietet, bekommen noch das Bundessortenamt dazu, prüfen den Kauf der ehemaligen hastra-Gebäudes, wollen mit der KSG einen Neubau in Sehnde erstellen und haben noch Häuser in anderen Ortsteilen in Aussicht“, erklärte Lehrke die Lage und rief nochmals dazu auf, freien Wohnraum der Stadt anzubieten. „Auch aus Evern sind neue Angebote da“, schloss er seine Darstellung. Vermutlich dürfte die Quote jedoch im neuen Jahr noch höher ausfallen, da einige Städte und Kommunen demnächst große Außenstellen des BAMF aufnehmen werden und daher mit der eigenen Unterbringung entlastet werden.

Laura Höfken (2.v.re.) stellte die Betreuungsmaßnahmen vor - Foto: JPH

Laura Hoefken (2.v.re.) stellte die Betreuungsmaßnahmen vor – Foto: JPH

Im Anschluss an Lehrke stellte Laura Hoefken die Betreuung und die Einbindung der ehrenamtlichen Helfer in das Netzwerk ENAS (Ehrenamtliches Netzwerk für Asylsuchende in Sehnde) vor und informierte die Everner über die Möglichkeiten zur Mitarbeit. Danach ist die Betreuung in den ersten Wochen intensiver erforderlich, damit die Asylbewerber sich zurechtfinden beim Einkauf, den Alltagsproblemen und den Behördengängen. Danach erfolgt die Betreuung absteigend mit einer Reduktion bis einem Kontakt pro Quartal. Neben der Betreuungsunterstützung sind vor allem Dolmetscherdienste erforderlich, vornehmlich in Arabisch, Serbisch, Albanisch und Farsi.

„Bislang benötigen wir in Sehnde weder einen Sicherheitsdienst noch Aufsichten. Auch keine Nachtwächter sind nötig. Helfen Sie mit, dass das lange so bleibt“, appellierte Lehrke zum Schluss an die Bürger in Evern. Die hatten danach noch einige Fragen. Im Vordergrund standen dabei die Informationen zur Unterbringung der Kinder in Krippen, Kitas und Schulen, die schnelle Rückführung in sichere Herkunftsländer und die Prüfung von Containerstandorten in Sehnde.

In der Diskussion wurden die Störer klar zurechtgewiesen - Foto: JPH

In der Diskussion wurden die Störer klar zurechtgewiesen – Foto: JPH

Während des Diskussions- und Frageabschnitts versuchten die Mitglieder der AfD aus dem Hintergrund Stimmung gegen die Aufnahme zu machen und Fragen zur Flüchtlingspolitik allgemein zu stellen. Hier erwies sich Evern aber als sehr konsequent und forderte die „Gäste“ auf, die Bürgerversammlung zu verlassen, da sie sich an Everner richte und nicht an Hannoveraner. Die könnten ihr Anliegen richtigerweise vor dem Landtag in Hannover oder in Berlin vorm Reichstag vortragen. „Leute, die hierher gehören, diskutieren hier. Nicht aber die, die zum Stimmung machen gekommen sind von auswärts! Evern ist anders!“ so die Aufforderung an die Störer unter Applaus. Ganz im Sinne dieser Aussage wurde die Veranstaltung dann bereits nach etwas mehr als einer Stunde einvernehmlich beendet.

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