Der Weg in die Politik: Beate Kirchhoff im Mentorenprogramm

12. September 2015 @

Es gibt noch immer zu wenige Frauen in der Politik, so der einhellige Konsens bei Parteien und Bürgern, doch keine gravierende Änderung ist in Sicht. Deshalb hat das Land Niedersachsen erneut das „Mentoring-Programm“ aufgelegt. Ziel dieses Programms ist es, Frauen für die Arbeit in der Politik auf allen Ebenen zu gewinnen. Und da das in der Regel kein „Selbst-Starter“ ist, soll es mit Unterstützung erfahrender Politiker aus den verschiedene Bereichen erfolgen. In Sehnde geht jetzt Beate Kirchhoff aus Rethmar für die kommunale Ebene diesen Weg. Ihre Unterstützer oder „Mentoren“ sind Olaf Kruse (SPD) und Edgar Bäkermann (SPD).

Beate Kirchhoff mit Mentor Olaf Kruse in der Sprechstunde im Bürgertreff - Foto: JPH

Beate Kirchhoff mit Mentor Olaf Kruse in der Sprechstunde im SPD-Bürgertreff – Foto: JPH

„Wir sind 2012 in den Sehnder Ortsteil gezogen und seitdem interessiere ich mich für die kommunale Politik. Irgendetwas muss man ja machen“, erzählt Beate Kirchhoff von ihrem Weg in die lokale Politik. Aber Vereinsangebote hatten sie nicht gereizt, versichert sie, und so besuchte sie zunächst die Ortsratssitzungen in Rethmar. „Manchmal war ich da die einzige Besucherin“, erinnert sie sich. Danach meldete sie sich als Wahlhelferin und trat 2012 in die SPD in Rethmar ein. „Dort hat mich Edgar Bäkermann dann auf dieses Mentorenprogramm angesprochen und mein Interesse geweckt“, so Kirchhoff. Aber dann tagte erst einmal der Familienrat, „denn da hängt viel Zeit dran, dass muss der Mann mittragen.“ Doch dann hieß es „Alea jacta est“ – und die Anmeldung zum Programm erfolgte 2014 bei Jennifer Glandorf, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Sehnde. Dieses Programm wird nicht nur in Sehnde sondern regionsweit von den Gleichstellungsbeauftragten betreut, schließlich richtet es sich parteineutral an Frauen.

Dann wurde die Anmeldung von Sehnde an das Sozialministerium des Landes weitergemeldet, nachdem sich Kruse und Bäkermann als Mentoren für Kirchhoff angeboten hatten. „Wir haben uns aber erst einmal kennengelernt“, erinnert sich Olaf Kruse, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat. „Danach waren wir uns einig. Es ist ja auch wichtig, jüngere Leute an die Politik heranzuführen. Deshalb habe ich zugesagt als Mentor.“ Jetzt betreut Kruse die „Mentee“, so heißt Kirchhoffs Status auf Neudeutsch, beispielweise für den Bereich Stadtrat und Bäkermann macht es für den Ortsrat und den Stadtentwicklungsausschuss. Das Programm selbst, dass Mentee und Mentoren absolvieren, wird von der Regionsgleichstellungsbeauftragten überwacht, die mit den angemeldeten Teilnehmerinnen zudem regelmäßige Veranstaltungen abhält.

Mit diesem Faltblatt wurde Beate Kirchhoff auf das Programm aufmerksam gemacht - Foto: Nds. Sozialministerium

Mit diesem Faltblatt wurde Beate Kirchhoff auf das Programm aufmerksam gemacht – Foto: Nds. Sozialministerium

Mit Programmbeginn wird die Mentee in den parteiinternen Informationsfluss eingebunden, nimmt an den Fraktionssitzungen teil und besucht die Ausschuss- und Ratssitzungen. „Ich hätte nie erwartet, dass die Arbeit so intensiv ist“, sagt Kirchhoff, die während des Gesprächs gerade in der SPD-Sprechstunde mit Kruse in Sehnde sitzt. Einen eigenen Schwerpunkt im Bereich der Kommunalpolitik hat sie noch nicht, „der kristallisiert sich erst im Laufe der Arbeit heraus. Der Trend entwickelt sich aber in Richtung berufsnah“, so die kaufmännische Angestellte. Also scheint der Haushalt der Stadt wohl in den Focus zu rücken – und damit der Finanzausschuss. Außerdem ist sie ja auch Kassenprüferin im Förderverein der Rethmarer Feuerwehr, kennt sich also bestens aus.

„Ich bereue die Entscheidung nicht“, meint die Rethmarerin. „Sonst hätte ich aufgehört. Zudem besteht die Möglichkeit zum Ausstieg ja immer. Allerdings hat sich mein Wochenplan geändert. Früher war ich einen Tag weg, jetzt bin ich einen Tag da.“ Der zeitliche Aufwand war ihr bekannt, allerdings war sie überrascht von der umfangreichen Arbeit vor einer Ratssitzung. Eigentlich hatte sie mehr Diskussion im Rat erwartet, aber nun erkannt, dass die Arbeit bereits meistens vorher erledigt ist. Auch wenn andere Trainees aus dem Programm schon wieder ausgestiegen sind, rät sie jeder politisch interessierten Frau, sich anzumelden – aber keinesfalls die familiäre Abstimmung vorher zu vergessen. „Und man muss sich klar sein, dass man als kommunalpolitisch Tätige überall von Bürgern angesprochen wird, die etwas mitteilen wollen“, ergänzt sie noch.

Rechtzeitig zur Kommunalwahl 2016 wird die „Ausbildung“ beendet sein. Dann würde sie auch gerne kandidieren: „Das ist schließlich das Ziel der Arbeit im Programm“, so Kirchhoff. Ihr Blick richtet sich dabei auf den Stadtrat, allerdings entscheiden das „die Parteigremien, ob und wo ich als Kandidat dabei bin.“ Kruse sieht das Programm ebenfalls sehr positiv: „Neulinge bringen immer auch andere Sicht- und Arbeitsweise sowohl in die Partei- als auch in die Ratsarbeit, was für die oft angeführten ‚alten Hasen‘ auch interessant und hilfreich sein kann.“

Ob das Programm mehr Frauen in die Politik bringen wird, kann der Bürger dann im Jahr 2016 prüfen, wenn ihm der Wahlzettel am Wahltag übergeben wird. Beate Kirchhoff, das kann man sicher prognostizieren, dürfte dann in Sehnde „wählbar“ sein.

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