Demonstration gegen Logistikzentrum vor Sehnder Rathaus

Zu einer Demonstration gegen das „Logistikzentrum im neuen Gewerbegebiet Sehnde-Ost“ ist es am Donnerstag, 20.05.2021, vor dem Sehnder Rathaus gekommen. Rund 150 Personen aller Altersgruppen hatten sich dort eingefunden, um vor der Sitzung des Rates sich gegen die Einrichtung eines Logistikzentrums im beschlossenen Gewerbegebiet Sehnde-Ost auszusprechen und eine Rücknahme dieses Beschlusses zu fordern. Die Demonstration war für etwa 200 Personen angemeldet worden.  Die Versammlung blieb friedlich und hielt auch die Corona-Auflagen ein.

Verkehrswende und Logistikansiedlung
Andrea Block-Grupe (re.) begrüßte rund 150 Demonstranten – Foto: JPH

Andrea Block-Grupe aus Rethmar begrüßte die Anwesenden um 17.30 Uhr von einem als Bühne hergerichteten Anhänger, auf dem auch der Stamm einer hohlen Esche lag. Die sollte den laufenden Klimawandel aufzeigen, denn nach Angaben der Veranstalter sind inzwischen alle Eschen – immerhin 30 Prozent des Baumbestandes – im Raum Sehnde am „Eschentriebsterben“ erkrankt. Vorm Rathaus waren neben den Initiatorinnen der Petition gegen die Ansiedlung eines Reifenlogistikers auch der NABU Sehnde mit einem Info-Stand.

Mehrere Politiker der Stadt, darunter Ralf Marotzke, Wolfgang Toboldt, Elisabeth Schärling und Heike Benecke waren ebenfalls vor der Ratssitzung bei der Kundgebung und hörten sich die Argumente der Gegner des Gewerbegebietes oder der Ansiedlung eines Logistikzentrums an. Dabei sprach Block-Grupe zwar von einem „Logistikzentrum“, meinte damit jedoch die Ansiedlung eines Logistikers für Reifen. Ihren Worten zufolge sollte die Zahl der Schwertransporte auf der „Südautobahn“ mit der Ansiedlung um „etwa 300 bis 500 zusätzlichen Fahrten“ steigen – auch wenn das Gutachten nur von 30 bis 50 sprach, so die anwesenden Politiker.

Außerdem brachte sie den Widerspruch gegen das Logistikzentrum in Verbindung mit der geplanten Verkehrswende und rief zur Teilnahme an der Fahrrad-Demo am 6. Juni durch die Leinemasch sowie am 5. Juni zur Rad- und Bus-Demo auf der A2 auf. Die B 65 sah sie in der Gefahr, zu einer „Südautobahn“ zu werden, auf der die Mautvermeider fahren würden – worauf wiederum „der Investor von Sehnde-Ost spekulieren“ würde. Mit der Ansiedlung würden „das letzte Stück Natur“ und „Rückzugsgebiete zerstört“. Logistik gehöre an die Autobahn, forderte sie unter dem Applaus der Anwesenden.

Verein für Sehnde gegründet
Drei der vier Petentinnen rufen zum Beitritt in „Liebenwertes Sehnde“ auf; Sprecherin Monika Erichsen (li.) – Foto: JPH

Sie wies darauf hin, dass die Initiative die Dynamik der Bewegung nutze, um einen Verein „Liebenswertes Sehnde“ zu gründen. Der wolle „aus einem hässlichen Entlein einen schönen Schwan machen“.  Grundsätzlich, so hob Block-Grupe hervor, sei man mit Handwerksbetrieben in Sehnde-Ost durchaus einverstanden, ein europaweiter Innovationspark wäre sogar noch besser.

BI kämpft für alle Sehnder Ortsteile

Für die Initiatorinnen der BI sprach anschließend Monika Erichsen, die alle Anwesenden aufrief, sich in den geplanten Verein einzubringen. Außerdem betonte sie, dass die Petentinnen nicht nur für Rethmar kämpften, sondern auch für die übrigen Ortsteile Sehndes, die vom Verkehr nicht verschont blieben. Zwar habe sich Ilten noch nicht beschwert, aber auch dort würde die Lärm- und Straßenverkehrszunahme die Lebensqualität beeinträchtigen und in Bilm wäre es dann auch bald mit der Ruhe und Idylle vorbei. Mit den Logistikhallen werde die B 65 zur „Südautobahn“ von der man sich aber nicht „einkacheln lassen wolle“.

Politische Konsequenzen gefordert
Der NABU Sehnde war mit einem info-Stand dabei – Foto: JPH

Nach den Aufrufen gab es noch für Anwesende die Möglichkeit, ihre Meinung auszudrücken. Hier hob unter anderem Thorsten Bartel die in seinem Brief auf der Seite der Petition gegen das Gewerbegebiet erhobene Forderung auf sofortigen Rücktritt von Ratspräsidentin Dr. Silke Lesemann und Bürgermeister Olaf Kruse hervor. Zudem rief er die Demonstranten auf, dass man einen politischen Wechsel im Stadtrat brauche, da dort ein gewisser Phlegmatismus eingekehrt sei. Und Andrea Block-Grupe wies darauf hin, dass man im Dannenröder Forst sogar eine Geländebesetzung vorgenommen habe und anschließend der Ort zu 60 Prozent die Grünen gewählt habe.

Ein Kommentar zur Demo im Internet lautete anschließend allerdings auch: „Kommt bloß nicht wieder auf die Idee, dass es nach Höver müsste!“ – eine Forderung, die zuvor an anderer Stelle schon aufgetaucht war.

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