Demo zum Kita-Streik vor Sehnder Rathaus

23. Mai 2015 @

Zu einer Demonstration wegen des Streiks des Kita-Personals ist es gestern vor dem Sehnder Rathaus gekommen. Um 12 Uhr versammelten sich dort rund 120 unzufriedene Sehnder Eltern, Kinder und Kita-Kräfte, um der Stadtverwaltung, und vor allem der politischen Führung der Stadt, deutlich zu machen, das eine familienfreundlichere Lösung sowohl für die Betreuung als auch die Gebührenregelung gefunden werden muss. Die Demo hatte die Kita Höver initiiert, aber schnell auch aus anderen Bereichen Unterstützer gefunden. Außerdem hatte der Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke zugesagt, die Sprecher der Gruppe zu einem Gespräch zu empfangen.

Mit Transparenten und vielen Fragen waren 120 Demonstranten gekommen - Foto: JPH

Mit Transparenten und vielen Fragen waren 120 Demonstranten gekommen – Foto: JPH

Ein buntes Treiben, fast wie ein Familienfest, hatte sich vor dem Rathaus in Sehnde entwickelt, wären da nicht die Transparente gewesen, die Erwachsene und Kinder hochhielten. Um 12 Uhr ging dann die Delegation der Demonstranten zum vereinbarten Termin in das Zimmer des Bürgermeisters und trugen zunächst ihre Forderungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor. Derweil hatten sich die Kinder vor der Tür des Rathauses zum Sit-In formiert und riefen: „Herr Lehrke, komm raus! Kitas auf!“ Nach etwa zehn Minuten kamen dann der Bürgermeister begleitet von den Sprecherinnen Yvonne Reinsch und Claudia Hellmold vors Rathaus, und der Verwaltungschef stellte sich der Diskussion mit den Eltern und dem Kita-Personal.

Auch um die Kita-Satzung ging es bei der Demo und die Gebühren - Foto: JPH

Auch um die Kita-Satzung ging es bei der Demo und die Gebühren – Foto: JPH

So waren Maike Fabich und Sohn Joos (6) vors Rathaus gekommen, um mit dem Bürgermeister zu sprechen. „Ich will ihm sagen, dass ich das doof finde, dass ich nicht in die Kita kann. Und das die Übernachtung ausfällt“, erklärte Joos sein Anliegen. Und seine Mutter, Erzieherin und ver.di-Mitglied, fügte hinzu: „Ich möchte gerne wieder normal arbeiten gehen. Da hoffe ich, dass nach der großen Demo in Hamburg endlich wieder verhandelt wird. Bisher gibt es ja von Arbeitgeberseite kein Angebot.“ Auch die Sprecherin der Eltern, Claudia Hellmold, sprach über die Ziele der Demo: „Sehnde nennt sich Familienstadt. Aber derzeit sehen wir kein Engagement für eine flächendeckende Notbetreuung und auch bei der Rückerstattung der Gebühren zeigt sich keine Bewegung.“ Sie weiß aber, „dass ver.di auf Anfrage von Gemeinden bereits einer Notfallbetreuung zugestimmt hat. Doch Sehnde hat bislang nicht angefragt.“

Lehrke stellte gegenüber den Demonstranten zunächst klar, dass auch er mit der Situation unzufrieden ist und er Verständnis für den Protest habe. Auch für die Forderung nach der Gebühren- und Essensgeldrückerstattung für die 625 betreuten Kinder, doch dass dafür der Rat zuständig sei. Eine Erstattung gebe die Gebührenordnung von Sehnde, die vom Rat erlassen wurde, nicht her. So müsse man neu darüber beschließen. Andere Gemeinden hätten es in ihren Satzungen anders geregelt und könnten deshalb direkt handeln. So aber steht das Thema sicher auf der nächsten Ratssitzung am 4. Juni.

Während oben gesprochen wurde, gab es unten ein Sit-In - Foto: JPH

Während oben gesprochen wurde, gab es unten ein Sit-In – Foto: JPH

Darum drehte sich auch ein wesentlicher Teil des Gesprächs im Büro des Bürgermeisters. Hier waren als Delegation der Demonstranten nun neben Hellmold und Reinsch auch Katrin Petroschka und Daniela Waschke und von der Verwaltung die zuständige Sachgebietsleiterin Iris Jungclaus anwesend. Hier wies Lehrke nochmals darauf hin, dass die Satzungsänderung durch den Rat zu treffen ist und was der machen wird, hängt dabei wiederum von den Fraktionen ab. Allerdings war auch beim Streik 2009 eine Rückerstattung nach Pauschalen erfolgt. „Entweder fällt der Rat bereits am 4. Juni zu dem Thema eine Entscheidung oder nach Streikende“, so Lehrke. „Allerdings kann ich der Meinungsbildung in den Fraktionen nicht vorgreifen – und als Bürgermeister vorher nicht handeln.“ Der Unmut in dieser Richtung basiert auf der Tatsache, dass die Eltern nicht nur die Gebühren und fürs Essen an die Stadt zahlen, sondern auch doppelt, denn zuhause essen die Kinder und müssen auch betreut werden, so brachte Hellmold vor. „Und die Verpflegung hat man sicher in der Dorff Küche abbestellt.“ Allerdings, so ein Gegenargument des Bürgermeisters, fallen ja die Kosten in den Kitas beispielsweise für die Küchenkräfte weiter an, da sie nicht streiken.

Auch die Kommunikation zwischen Eltern und Stadtverwaltung wurde bemängelt. Sei es über die Fortführung des Streiks wie auch über die seitens der Stadt getroffenen Lösungen. Andere Gemeinden, so Hellmold, würden „die Fortsetzung des Streiks viel früher bekanntgeben“. Auch habe nicht jeder zuhause einen Internetzugang.

Der Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke stellte sich den Eltern, Kindern und Betreuern - Foto: JPH

Der Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke stellte sich den Eltern, Kindern und Betreuern – Foto: JPH

Selbstverständlich nahm die Diskussion um die Notfallbetreuung einen breiten Raum im Gespräch ein. Hier bestätigte die Stadtverwaltung zunächst, dass man bei der Fortsetzung wieder auf eine Notfallbetreuung umstellen müsse, „da sechs weitere Mitarbeiter bei ver.di eingetreten sind und nun auch streiken“, so Jungclaus. „Dazu setzen wir uns in der Stadtverwaltung am kommenden Dienstag zusammen und werden die Handlungsmöglichkeiten untersuchen“, erklärte Lehrke. „Daraus werden wir dann ableiten, wie die Organisation aussehen kann.“ Dazu will er auch Verbindung mit den Gemeinden aufnehmen, die Absprachen mit ver.di getroffen haben, um sich zu informieren. „Ergibt es Sinn, werden wir auch mit ver.di sprechen“, so Lehrke, der sich nicht auf diese Lösung festlegen ließ. „Seien Sie sicher, dass wir nach dieser Demo nicht zum Tagesgeschäft übergehen werden“, so versicherte er den Sprecherinnen. Die nächsten Schritte werden also am Dienstag und am 4. Juni gemacht.

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