Bus lässt Behinderten stehen – üstra sagt Erstattung zu

16. September 2015 @

Wütend ist Dana Knoche noch heute, obwohl der Vorfall schon eine Woche zurückliegt. Da nämlich hat ihrer Schilderung zufolge der Busfahrer der Linie 370 nach Mehrum sie und ihren im Rollstuhl sitzenden neunjährigen Sohn Eric am Großen Hillen am 3. September um 20.30 Uhr einfach stehen gelassen. Gleichzeitig wurden ihr Lebensgefährte Bernd Zimmermann und der große Bruder von Eric, Dennis, im Bus mitgenommen. „Die haben beim Einsteigen dem Fahrer gesagt, dass ich mit meinem Sohn noch draußen stehe und die hintere Tür mit der Rampe aufgemacht werden solle“, so Dana Knoche. „Das hat er mit einem ‚Ja‘ beantwortet“, so Zimmermann.

Der neunjährige Eric Knoche wurde nicht mitgenommen, während seine Bruder Dennis (re.) und Stiefvater Bernd Zimmermann (li.) im Bus waren - Foto: JPH

Der neunjährige Rollstuhlfahrer Eric Knoche (mi.) wurde nicht mitgenommen, während sein Bruder Dennis (re.) und Lebensgefährte Bernd Zimmermann (li.) im Bus waren – Foto: JPH

Dann allerdings, als die vordere Tür geschlossen war, setzte sich der Bus nach Angaben von Dana Knoche in Bewegung. Nach Angaben der Familie haben dann der ältere Sohn und der Lebensgefährte den Fahrer mit Unterstützung von anderen Fahrgästen, wie Knoche sagt, zum Halten aufgefordert. „Der stoppte kurz und wir dachten, er fährt nun die Rampe aus und macht die Tür auf. Aber dann fuhr er einfach wieder an“, schildert Knoche den Verlauf. Daraufhin verließen Zimmermann und Sohn Dennis den Bus an der nächsten Haltestelle und gingen den Weg zurück. Von da nahmen sie dann gemeinsam ein Taxi, um nach Evern nach Hause zu kommen. „Ich habe mich noch an der Haltestelle telefonisch beschwert und man sagte mir, ich solle ein Taxi nehmen und die Rechnung einreichen“, so die 41-jährige Mutter. „Und dann auch von zuhause per E-Mail. Bislang habe ich nichts gehört.“ So der Sachstand bis zum vergangenen Donnerstag.

Die üstra hat den Fall auf Anfrage von SN geprüft und Unternehmenssprecher Udo Iwannek teilte mit, dass nach Befragen des Busfahrers „an dem Tag außergewöhnlich viele Rollstuhlfahrer unterwegs waren, die er aber alle mitgenommen habe. Es habe ihn niemand an der vorderen Tür auf einen Rollstuhlfahrer aufmerksam gemacht, der noch zusteigen wolle, daran würde er sich mit Sicherheit erinnern können.“ Erstaunlich ist dabei, dass die Angaben der vier Personen der Familie und die des Busfahrers derart unterschiedlich sind. Aber Iwannek sagte am Freitag auch zu, dass die Familie die Taxirechnung direkt an ihn schicken solle und dann würde die üstra die Kosten schnell überweisen. „Wir nehmen solche Vorfälle sehr ernst“, fügte er hinzu. Am Montag schickte Dana Knoche die Rechnung ab.

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