Betteln auf Anordnung der Stadtverwaltung?

5. November 2015 @

In den vergangenen Wochen ist es vermehrt zu Betteleien im Ortszentrum und an den Haustüren der Privathaushalte gekommen. Dabei weisen die Bettler oder Bettlerinnen ein angeblich offizielles Schreiben vor, das ihnen die Stadt Sehnde oder eine andere Stelle mit dem Auftrag oder dem Recht zu betteln übergeben habe. Dafür gibt es jedoch keine rechtliche Grundlage – und damit auch kein solches Schreiben.

Es gibt keine amtliches Dokument, dass Spenden anordnet - Foto: JPH

Es gibt kein amtliches Dokument, dass Spenden anordnet kann – Foto: JPH

Vermeintliche Flüchtlinge gehen von Haus zu Haus und erbetteln Geld und Nahrungsmittel. Neuerdings wird auch angegeben, dies im Auftrage der Stadtverwaltung zu tun. Dazu weisen die Bettler ein einlaminiertes Schreiben vor, in dem auf Deutsch steht, man habe die Pflicht, dem Anfragenden etwas zu spenden. Tut man es nicht, wird man häufig lautstark auf das übelste beschimpft.

Die „Bettelgruppe“ tritt oft zu Dritt, mindestens aber zu Zweit, auf. Während einer die Zielperson anspricht, vor der Haustür oder auf der Straße, überwachen die zwei anderen die Umgebung, um bei Problemen mit dem Ziel eingreifen zu können oder vor Polizei zu warnen. Oftmals bemerkt die Zielperson diese Sicherungen nicht.

Die Stadtverwaltung betont, dass es sich bei diesen bettelnden Personen nicht um in Sehnde wohnende Flüchtlinge handelt. Die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge ist seitens der Stadt gesichert, sie haben eine Wohnung, ärztliche Versorgung und Taschengeld. Außerdem stehen die Tafel des Civitan Clubs und die Kleiderkammer der AWO als weitere Versorgungseinrichtungen zur Verfügung. „Es sind vielmehr Trittbrettfahrer, die die gegenwärtige Situation ausnutzen“, stellt der Sehnder Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke klar. „Wir wollen das nicht akzeptieren, dass so etwas auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen wird.“

Meistens sind diese Bettlergruppen organisiert wie „Drückerkolonnen“. Sie haben als Basis ein Auto relativ zentral stehen und verlegen ihr Aktionsfeld damit nach einiger Zeit. Oft kommen diese Gruppen und das Auto aus Rumänien. „Wir raten allen Betroffenen, die um Hilfe bittenden Personen auf keinen Fall in die Häuser zu lassen, nicht zu spenden und umgehend die Polizei zu informieren“, rät Lehrke den Bürgern.

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