2. Update: 100 Flüchtlinge in Köthenwald angekommen

28. September 2015 @

Die angekündigten Flüchtlinge sind am Dienstagnachmittag in Köthenwald angekommen. In zwei Bussen trafen sie gegen 15.30 und 19 Uhr aus Braunschweig und Bramsche vor dem Dorff-Gemeinschaftshaus (DoG) ein und wurden dort schon von den 20 ehrenamtlichen Helfern und Mitarbeitern des Klinikums Wahrendorff erwartet. Die Einschleusung und ärztliche Untersuchung wurde umgehend eingeleitet, dauerte aber bis weit nach 20 Uhr. Zwischendurch gab es für die Menschen eine Mahlzeit und Getränke. Nach der Einschleusung wurden sie auf die Unterkünfte verteilt. Wie lange die Menschen in Köthenwald bleiben, steht im Moment noch nicht fest.

In Köthenwald sind knapp 100 Flüchtlinge angekommen - Foto: JPH

In Köthenwald sind knapp 100 Flüchtlinge angekommen – Foto: JPH

Lange zog sich das Eintreffen des ersten Busses hin. Doch dann um 15.30 Uhr ist er angekommen in der Aufnahmeeinrichtung, die im DoG in Köthenwald eingerichtet worden war. Die Organisation des Klinikums Wahrendorff und des Arbeiter-Samariter-Bundes läuft an. Die Registrierung erfolgt im Foyer des DoG, die medizinische Untersuchung in den Nebenräumen. Die wird geleitet von Dr. med. Rainer Brase, Geschäftsführer des Klinikums. „Schwerwiegende Erkrankungen haben wir noch nicht festgestellt“, so das Einschleusungsteam. „Nur eine Frau wurde von uns mit Kreislaufbeschwerden ins Krankenhaus gebracht“, so der Leiter der Registrierung, Jörn Mrusek, ASB-Vorsitzender von Hannover. Zu zweit erfragen sie von den Flüchtlingen nach bester Möglichkeit die Personaldaten, die Religion, Sprachkenntnisse, medizinische Befunde und Familienzusammengehörigkeiten. Zudem wird ein Foto aufgenommen und Fingerabdrücke erfasst. „Dann wird das Datenblatt einlaminiert und dient den Aufgenommen als Ausweis“, stellt Mrusek seine Arbeit vor. Unterstützt wird er dabei von einem Dolmetscher für Arabisch und Kurdisch aus Sehnde sowie von Mitarbeitern des Klinikums, die Albanisch und Serbisch sprechen. „Und mit Händen und Füßen im Zweifelsfall“, ergänzt Mrusek.

Während die Arbeit für die ersten 55 Ankömmlinge läuft, trifft gegen 19 Uhr der zweite Bus ein. Die „Fahrgäste“ werden unter Führung des Sehnder Bürgermeisters Carl Jürgen Lehrke zunächst im Kuckucksnest untergebracht bis sie eingeschleust werden. Zwischendurch gibt es aus der Dorff Küche Essen und Trinken. „Unsere Flüchtlinge kommen aus Syrien und Afghanistan. Es sind zahlreiche allein reisende Frauen und überwiegend Familien mit kleinen Kindern“, berichtet Geschäftsführerin Heide Grimmelmann-Heimburg. „Wir haben jetzt knapp unter 100 Personen hier.“ Sie werden im Klinikum Wahrendorff erst einmal zur Ruhe kommen, bevor dann entschieden wird, was wann weiter passiert.

Im DoG und der dahintergelegenen Unterkunft herrschte bis spät in die Nacht rege Geschäftigkeit - Foto: JPH

Im DoG und der dahintergelegenen Unterkunft herrschte bis spät in die Nacht rege Geschäftigkeit – Foto: JPH

Das privat geführte „Fachkrankenhaus für die Seele“ mit Stammsitz in Ilten hatte dem Land Niedersachsen angeboten, Flüchtlinge aufzunehmen. Durch den Schwerpunkt „Transkulturelle Psychiatrie“ verfügt das Klinikum über medizinisches Fachpersonal aus verschiedenen Herkunftsländern. Dies kann nicht nur die Ver¬ständigung erleichtern, sondern auch im Falle von Problemen mit Fachkompetenz helfen. Derzeit ist das Klinikum Wahrendorff das einzige Klinikum Niedersachsens, das als sogenannter „privater Betreiber“ Unterkünfte zur Verfügung stellt. „Es ist für uns ein Gebot der Menschlichkeit, hier Nothilfe zu leisten“, sagt Dr. Rainer Brase. „Wir sind Profis für seelische Gesundheit und geben in unserem Heimbereich vielen Menschen ein Zuhause, die nicht oder nur schwer allein leben könnten. Daher haben wir dem Land Niedersachsen unser Dorff-Gemeinschaftshaus angeboten, um Flüchtlingen ein zuhause auf Zeit anzubieten.“

Das sieht an diesem Abend auch der Sehnder Bürgermeister so. „Die Flüchtlinge bleiben aller Erfahrung nach auf jeden Fall hier, bis sie ihren Asylantrag gestellt haben“, sagt Carl Jürgen Lehrke. Ob die knapp 100 Flüchtlinge von Köthenwald auf die Quote der Unterbringungsverpflichtung (150 bis Januar 2016) von Sehnde anrechnen, kann er an diesem Abend aber noch nicht sagen: „Zwar würde uns das auf kurze Sicht etwas Luft verschaffen, aber langfristig wird es für Sehnde wohl keine Auswirkungen haben.“

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