Stendel geht, Breitenreiter kommt – 96 wechselt den Trainer

21. März 2017 @

Hannover 96 hat Daniel Stendel heute von seinen Aufgaben als Cheftrainer der Lizenzspielmannschaft entbunden und freigestellt. Das ist das Ergebnis intensiver Analysen von Aufsichtsrat, 96-Präsident Martin Kind und 96-Manager Horst Heldt. Das Traineramt übernimmt ab sofort André Breitenreiter, seinen Co-Trainer bringt er mit, Jörg Sievers bleibt im Team.

Manager Horst Heldt (li.) stellte den neuen Trainer André Breitenreiter vor – Foto: JPH

„Hannover 96 hat in dieser Saison ein Ziel: der direkte Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga. Diesem Ziel müssen wir alle Entscheidungen unterordnen. Daniel Stendel hat die Aufgabe als Cheftrainer vor knapp einem Jahr in einer schwierigen Phase übernommen und rund um den Klub eine Euphorie entfacht. Dafür unseren Dank. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, sahen uns nach den Ergebnissen und den Auftritten der Mannschaft in den letzten Wochen aber zu diesem Schritt gezwungen“, erklärte Heldt, Manager seit etwa zwei Wochen.

Und weiter: „Der Zeitpunkt der Trennung ist für uns auch eine logische Konsequenz des Spielplans. Von morgen an hat der neue Trainer in der Länderspielpause nun zwei Wochen Zeit, die Mannschaft auf das Heimspiel gegen Union Berlin vorzubereiten. Daniel Stendel danken wir herzlich für seine geleistete Arbeit.“ Neben Stendel wird auch Co-Trainer Markus Gellhaus freigestellt.

Normalerweise geht die Umorganisation eines Fußballvereins den anderen Weg – Trainer geht und danach erst der Manager. Hannover 96 wählte eine andere Lösung. Nun, nach fast zwei Wochen, ist der erwartete Trainerwechsel erfolgt. André Breitenreiter, Wunschkandidat von Präsident Martin Kind, soll es nun auf den letzten Metern richten: den sofortigen Wiederaufstieg. Dafür allerdings kann es nun schon zu spät sein, auch wenn alle Beteiligten noch betonen, die direkten Konkurrenten sind „in Schlagdistanz“. Doch der erste, Union Berlin, ist seit gestern auch gleich mal vier Punkte weg.

Die erste Pressekonferenz des neuen Trainers dauerte rund 60 Minuten – Foto: JPH

„Die Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss, ist am Sonnabend und Sonntag gereift. Und die Länderspielpause dafür zu nutzen, ist dabei eine sinnvolle Entscheidung“, so Heldt bei der Vorstellung des neuen Trainers. „Fußball ist ein Ergebnissport und die Ergebnisse stimmten in letzter Zeit nicht mehr.“ Nach dem 0:0 in Hamburg hatte Heldt eigenem Bekenntnis zufolge zwei Tage überlegt, beraten und abgewogen. Dann das Ergebnis: „Beurlaubung und Neuverpflichtung.“ Auch bei der Verpflichtung von Kinds Wunschkandidaten dauerte es etwas, bis man sich mit Schalke 04 als ehemaligen Arbeitgeber geeinigt hatte – über Ablöse und Vertragsdetails keine Auskünfte. Dann bekam Stendel am Sonntag um 23 Uhr Heldt zufolge die Mitteilung über seine Suspendierung. Breitenreiter bringt auch seinen eigenen Co-Trainer mit, der ihm seit Havelse überall hin folgte, Volkan Bulut. Der bekam übrigens gestern seine Fußball-Lehrer-Lizenz und fehlte bei der Vorstellung.

André Breitenreiter kam über die Stationen Havelse, Paderborn und Schalke nun zu dem Verein, der ihm eine „Herzensangelegenheit“ ist. Hier wird er für zwei Jahre bleiben bis 2019, weiterhin zweite Liga mit eingeschlossen. Doch was wird der Neue ändern, damit das mit dem Aufstieg doch noch klappt? Dazu will er der bestehenden Mannschaft mehr Souveränität und Leichtigkeit vermitteln. „Wir müssen rauskommen und wissen, es kann heute nur uns als Sieger geben“, postulierte er. Weitere definitive Änderungen teilte er gestern nicht mit, immerhin war es sein erster Arbeitstag an neuer Wirkungsstätte. „Ich muss noch in die Mannschaft hineinhorchen und viele Gespräche führen. Die Qualität ist auf jeden Fall in der Mannschaft. Aber nur Herz und Moral reicht am Ende auch nicht.“

Seit heute ist Daniel Stendel aus der Mission „Wiederaufstieg“ ausgeschieden – Foto: JPH

Und auch Platz vier ist mindestens einer zu viel. „Hannover ist ein toller Verein, hat ein gutes Umfeld und hervorragende Fans; da kann man Großes ausbauen.“ Natürlich kann er nicht alles umkrempeln in der kurzen Zeit, aber vielleicht schafft er es ja, dem Team so etwas wie Spielsystem einzuhauchen. „Meine Überzeugung: Wir können es schaffen. Die Mannschaft ist stabil, sie könnte den Aufstieg schaffen – sie ist so zusammengestellt“, ist Breitenreiter überzeugt. Immerhin hat er die Spiele der „Roten“ bei vielen Besuchen im Stadion verfolgt und sollte daher wissen, was man ändern könnte mit dem vorhandenen Potential.

Ach ja, zum Verhältnis Manager und Trainer wurde auch etwas gesprochen. Man habe sich ausgesprochen, „und würde sonst hier nicht sitzen“, so Manager Heldt zur Vergangenheitsbewältigung. Nun sollte Breitenreiter die Mannschaft schnellstens in den Griff bekommen, damit der erste Auftritt seines Teams nach Verändern der Führungsspitze ein Erfolg wird.

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